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Kampf gegen das Coronavirus:So läuft es beim Impfen in München

So sah es am Mittwoch aus vor dem Impfzentrum in Riem. Die Wartezeit vor den Messehallen betrug bis zu einer Stunde.

(Foto: Stephan Rumpf)

74 200 Dosen haben die städtischen Teams bisher verimpft, es sind drei verschiedene Vakzine im Einsatz. Der Krisenstab drängt auf ein schnelleres Vorgehen, vor allem Lehrerinnen und Lehrer sollen rasch drankommen.

Von Anna Hoben

Das Impfgeschehen läuft immer noch langsamer als die Verantwortlichen bei der Stadt es sich wünschen würden, soll aber in den nächsten Wochen deutlich an Fahrt aufnehmen. Das ist eine der zentralen Botschaften in der Vollversammlung des Stadtrats am Mittwoch. "Wir sind bei aller Kritik der Meinung, dass es so schlecht nicht läuft", sagte Wolfgang Schäuble, der Leiter des städtischen Krisenstabs.

74 200 Dosen haben die städtischen Teams bisher verimpft. Dazu kommen 17 200 Dosen an Kliniken, die ihr Personal selbst impfen. Wie viele Münchnerinnen und Münchner bereits die entscheidende Spritze erhalten haben, sei schwierig zu sagen - etwa weil unklar sei, in welcher Statistik eine Pflegerin, die in München arbeitet, aber nicht lebt, zu führen ist. Es seien aber mittlerweile "nahezu alle Pflegeeinrichtungen durchgeimpft", sagte Schäuble. Im zentralen Impfzentrum in der Messe in Riem sei man mittlerweile bei den unter 82-Jährigen angekommen. Die Infektionszahlen gingen bei den über 80-Jährigen deutlich zurück. "Man sieht, die Impfungen wirken", folgerte Schäuble.

1800 Impfungen gibt es in Riem aktuell jeden Tag. Von Donnerstag an werde man "in Richtung 3000 pro Tag marschieren" und sich dann Zug um Zug bis zum 1. April auf 6000 bis 7000 steigern. Von da an soll München täglich 13 000 Dosen geliefert bekommen. Die Stadt stellt sich darauf ein, indem sie bis zu drei neue Impfzentren plant.

Man prüfe zudem, ob Lehrerinnen und Lehrer rascher geimpft werden könnten, sagte Gesundheitsreferentin Zurek - es handle sich um eine Gruppe von etwa 27 000 Personen. Theoretisch könnte man wohl gleich loslegen, weil man beim Impfstoff von Astra Zeneca bereits bei der Priorität 2 angekommen sei. Nächste Woche will Zurek zusammen mit dem Bildungsreferat ein Konzept dafür präsentieren.

Seit dieser Woche sind in München drei Impfstoffe im Einsatz - zwei davon "etwas zickig im Umgang", wie Krisenstabchef Schäuble es ausdrückte. Das Vakzin von Moderna sei zwar haltbarer als jenes von Biontech, dafür sehr kompliziert beim Transport. Am unkompliziertesten sei der oftmals etwas kritisch beäugte Impfstoff von Astra Zeneca. Zu Letzterem wurde im Stadtrat die Frage laut, wie es sein kann, dass von mehr als 20 000 eingetroffenen Dosen bis Montag nur 800 verimpft wurden.

Zurek erklärte das unter anderem damit, dass die Lieferung kam, als die Terminvergabe für Astra Zeneca technisch noch gar nicht möglich war. Gleichzeitig habe Personal gefehlt, und in der Messe wurde umgebaut, um die Kapazitäten zu erhöhen. Man habe dann am vergangenen Wochenende begonnen, das Vakzin zu verimpfen. Gleichzeitig müsse aber auch der Biontech-Stoff verwendet werden, der mit nur fünf Tagen eine geringe Haltbarkeit hat. Es laufe gerade noch eine Abfrage bei den Kliniken, welche Mengen Astra Zeneca sie benötigen. "Bei uns bleibt kein Impfstoff übrig in dem Sinne, dass er verworfen wird", sagte Zurek.

Die Abläufe im Impfzentrum in Riem hatten sich in den vergangenen Wochen nach anfänglichem Stottern eigentlich eingependelt. Am Dienstag und Mittwoch bildeten sich allerdings wieder lange Schlangen. Das lag diesmal wohl nicht nur daran, dass die älteren Menschen gern deutlich zu früh kommen, um ihren Termin ja nicht zu verpassen. Sondern auch, wie Zurek einräumte, daran, dass man wegen der neuen Impfstoffe erst wieder in die Abläufe habe hineinfinden müssen. "Immer wenn was Neues dazukommt, krächzt es ein bisschen."

Es könne derzeit zu einer Wartezeit von bis zu einer Stunde kommen, sagte Krisenstabschef Schäuble. Aktuell seien im Impfzentrum in Riem 20 Registrierungsschalter besetzt, bald sollten es 58 sein. Damit es insgesamt schneller vorangeht, sollen bald auch Hausärzte eingebunden werden. "Sie brennen darauf, einsteigen zu können", sagte Zurek, das Impfen sei ihre ureigene Kompetenz. Die Voraussetzungen dazu müssten auf Bundes- und Landesebene geschaffen werden, "uns liegt daran, möglichst rasch eine Einwilligung zu bekommen". Mitte März soll ein Pilotprojekt mit drei Praxen starten.

"Das ist eine Passivität, die mich irritiert."

In der folgenden Debatte ging es neben möglichen Lockerungen auch um die Rolle der Stadtspitze in der Corona-Pandemie. Von der, speziell von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD), höre man zu wenig, kritisierte CSU-Fraktionsvize Hans Theiss. Am runden Tisch zu Corona habe noch nie ein Mitglied der Stadtspitze teilgenommen: "Das ist eine Passivität, die mich irritiert." Jörg Hoffmann, Fraktionschef von FDP/Bayernpartei, monierte, dass die Stadtspitze zu wenig Lockerungsperspektiven aufmache.

Reiter entgegnete, er versuche Dinge zu erreichen nicht "durch öffentliche Show", sondern durch Diskussion mit denjenigen, die zu entscheiden haben. Er habe durchaus Perspektiven und einen klaren Plan: "Dass möglichst wenig Menschen schwer erkranken oder gar sterben, das ist mein Plan." Freilich brauche es auch Lockerungsperspektiven: Seine jüngste Idee eines 24-Stunden-Freitestpasses mit Zugang etwa zu Konzerten und Gastronomie habe Ministerpräsident Söder "positiv aufgenommen", dabei aber zugleich ein wenig eingebremst: Es gebe nicht genügend Schnelltests. Er wäre sehr dafür, die kommunale Verantwortlichkeit zu stärken: "Ich würde mich durchaus in der Lage fühlen, Entscheidungen zu treffen."

Zur besseren Entscheidungsfindung in einer Pandemie könnte ein Beschluss beitragen, den die Stadträte am Mittwoch einstimmig fällten. Demnach soll die Geschäftsordnung so angepasst werden, dass die Teilnahme an Sitzungen auch mittels "Ton-Bild-Übertragung" möglich wird. Grundlage dafür ist die bevorstehende Änderung der Gemeindeordnung auf Landesebene. Sie schafft die rechtlichen Voraussetzungen für diese Reform, indem sie sogenannte Hybridsitzungen ermöglicht. Stadtratsmitglieder können dann wählen, ob sie in Person teilnehmen oder vom Bildschirm aus. Auch die Bezirksausschüsse sollen bald digital tagen können.

© SZ vom 04.03.2021/infu
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