Hirmer-ParkhausStreit um Millionenprojekt in Münchener Innenstadt

Lesezeit: 2 Min.

Der Herrenausstatter Hirmer will einen Neubau am Georg-Kronawitter-Platz errichten. Doch Stadt und Unternehmen sind sich offenbar uneins über den Grundstückspreis. Steht das Projekt nun auf der Kippe?

Von Sebastian Krass

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Eines der wichtigsten Bauprojekte in der Münchner Altstadt steht plötzlich in Frage: Nach Informationen der Süddeutschen Zeitung haben die Stadt und das Unternehmen Hirmer extrem unterschiedliche Preisvorstellungen für die Überlassung eines Grundstücks am Georg-Kronawitter-Platz, früher Sattlerplatz.

Hirmer soll, das hat der Stadtrat 2017 beschlossen, das Areal des bisherigen Parkhauses im Erbbaurecht übernehmen und dort ein neues Gebäude errichten. Das Bewertungsamt des Kommunalreferats hat, wie die SZ erfuhr, ein Gutachten zum Wert des Grundstücks und dem daraus resultierenden Erbpachtzins erstellt. Diesen soll Hirmer für viel zu hoch halten und argumentieren, so könne sich das Projekt niemals rechnen. Das Unternehmen habe selbst ein Gutachten erstellen lassen, das zu einem niedrigeren Wert kam, heißt es. Genaue Zahlen sind nicht bekannt, aber der Preisunterschied soll im höheren zweistelligen Millionenbereich liegen, die Rede ist von etwa 70 Millionen Euro. Auf welchen Zeitraum sich das bezieht, ist offen, vermutlich geht es dabei um die Dauer des Erbpachtvertrags. Wie viele Jahre im Gespräch sind, dazu machen die Beteiligten keine Angaben.

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Der Georg-Kronawitter-Platz mitten in der Altstadt soll komplett neu gestaltet und zur Fußgängerzone werden. Mit drei neuen Gebäuden, deren geplante Höhe aber nicht jedem gefällt.

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Eine Sprecherin des Kommunalreferats erklärt zu dem Thema nur, dass man "bei laufenden Grundstücksverhandlungen aus Gründen der Vertraulichkeit zu Detailfragen keine Auskunft geben" könne. Auch Jörg Fleischer, Geschäftsführer der Hirmer Office Beteiligungs GmbH, sagt, dass man "öffentlich keine Inhalte über diese Vertragsgespräche verbreiten" könne.

Eigentlich sollten, so heißt es, die Pläne für die Neugestaltung des Georg-Kronawitter-Platzes, bei der das Parkhaus-Areal ein entscheidender Baustein ist, an diesem Dienstag in der Stadtgestaltungskommission behandelt werden. Dann aber kam das Projekt doch nicht auf die Tagesordnung. Offenbar wollen Stadt und Hirmer vorher versuchen, das Finanzielle zu klären.

Das Planungsgrundstück, das sich von der Ecke Altheimer Eck/Färbergraben bis kurz vor der Sendlinger Straße erstreckt, besteht derzeit aus besagtem Parkhaus, einer Freifläche mit Parkplätzen (die vor knapp drei Jahren in Georg-Kronawitter-Platz umbenannt wurde) und einem ehemaligen Postgebäude, das im Eigentum der Familie Inselkammer ist. Alles zusammen bildet einen Dreiklang der Scheußlichkeit, den die Investoren Hirmer und Inselkammer in ein städtebauliches Schmuckstück verwandeln sollen. 2015 legte der Stadtrat in einem Aufstellungsbeschluss für einen neuen Bebauungsplan die Ziele fest. Das Londoner Architekturbüro von Norman Foster erarbeitete daraufhin einen Masterplan.

Hirmer wollte mit dem Neubau seine Verkaufsfläche erweitern

Auf dieser Basis aktualisierte der Stadtrat 2019 die Eckdaten für das weitere Verfahren, unter anderem sind nun in den Bereichen Färbergraben und Fürstenfelder Straße Fußgängerzonen geplant. Die geplanten Neubauten, insbesondere die Höhen bis zu 31 Metern, waren im vergangenen September Thema in einer digitalen Diskussionsrunde, an der etwa 200 Bürgerinnen und Bürger teilnahmen.

Hirmer, so der bisherige Plan, soll den Kopfbau am westlichen Ende des Platzes errichten. Das Unternehmen hat sich gemäß dem Beschluss von 2017 verpflichtet, 60 Prozent der Fläche selbst zu nutzen. Das Unternehmen, das in unmittelbarer Nachbarschaft an der Kaufinger Straße ein großes Herrenausstattergeschäft betreibt, gab damals bekannt, im Neubau seine Verkaufsfläche erweitern zu wollen. Zudem sollten weitere Firmen einziehen und Wohnungen entstehen. Diese Planung sei im Kern auch noch aktuell, teilt Hirmer-Vertreter Fleischer mit. Ebenso bestätigt er, dass der Münchner Immobilienunternehmer Hans Hammer, der 2020 für die CSU in den Stadtrat eingezogen ist, weiterhin Partner von Hirmer bei dem Projekt ist.

Dass die Preisvorstellungen so unterschiedlich sind, dürfte auch an der seit 2017 vergangenen Zeit und der Jahr für Jahr sprunghaften Entwicklung der Bodenpreise liegen, insbesondere in der Innenstadt. Es könnte für die Stadt allerdings schwierig werden, von den vom Bewertungsamt ermittelten Preisen abzuweichen. Artikel 75 der bayerischen Gemeindeordnung schreibt vor, dass öffentliches Vermögen nicht unter Wert vergeben werden darf. Dennoch gibt sich das Kommunalreferat optimistisch: "Wir sind zuversichtlich, uns im Laufe der nächsten Monate auf die wesentlichen Parameter für einen positiven Projektfortschritt zu einigen", erklärt die Sprecherin. Danach würde der Stadtrat mit der Sache befasst. Auch Hirmer-Vertreter Fleischer betont den "engen und guten Dialog" mit der Stadt.

© SZ vom 27.01.2021 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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