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Hochpreisiges Immobiliengeschäft:Milliardenprojekt am Ostbahnhof

Knapp 700 Millionen Euro sollen für die etwa 96 000 Quadratmeter Geschossfläche bezahlt worden sein.

(Foto: Stephan Rumpf)

Der Mediaworks-Komplex an der Rosenheimer Straße hat neue Eigentümer, die genannte geplante Investitionssumme ist hoch. Damit könnte die Zeit des großflächigen Leerstands bald vorbei sein.

Von Sebastian Krass

Es ist ein Gebäudekomplex mit einer bewegten Geschichte: In den Dreißigerjahren erbaut, zunächst war dort eine Munitionsfabrik, nach dem Zweiten Weltkrieg ließ das Bekleidungshaus Konen dort Anzüge nähen. Seit gut 20 Jahren firmiert die Adresse Rosenheimer Straße 145 als Mediaworks, war Standort der Disco "Pacha", von Eurosport, Armani, Jochen Schweizer und vielen anderen Unternehmen.

Doch auch diese Zeit ist vorbei, 50 000 Quadratmeter Gebäudefläche stehen weitgehend leer. Nun hat die Immobilie in Berg am Laim, die zum Umgriff des auf ehemaligen Industrieflächen (Konen, Pfanni, Optimol) entstehenden Werksviertels gehört, neue Eigentümer und vermutlich auch wieder eine belebtere Zukunft.

Die Immobiliensparte von Union Investment und das US-Immobilienunternehmen Hines haben das Mediaworks gekauft, wie sie per Pressemitteilung bekannt gaben. Aufhorchen lässt die darin genannte geplante Investitionssumme von "über einer Milliarde Euro", das umfasst den Kaufpreis und die Kosten für den Umbau. Zum Kaufpreis selbst gibt es keine offiziellen Angaben, die vom Fachmedium Immobilien-Zeitung genannten knapp 700 Millionen Euro für die etwa 96 000 Quadratmeter Geschossfläche des gesamten Mediaworks dürften aber in etwa stimmen, wie die SZ aus Kreisen der Verkäuferseite bestätigt bekam.

Das Geld eingestrichen haben Immobilienfonds des US-Investmentunternehmens Blackstone. Neben den derzeit verlassenen Gebäudeteilen gehört zum Mediaworks auch ein Trakt hin zur Anzinger Straße, der langfristig an ein Tochterunternehmen des US-Halbleiterherstellers Qualcomm vermietet ist, das dort eine Produktionsstätte unterhält.

Die Aufteilung zwischen den neuen Eigentümern des Mediaworks ist klar: Von Union Investment, hinter der die Volks- und Raiffeisenbanken stehen, kommt das meiste Geld, sie hält "die überwiegende Mehrheit der Anteile", wie es in der Mitteilung heißt. Hines ist der "operative Entwickler vor Ort", muss also dafür sorgen, dass das Mediaworks bald wieder etwas hermacht.

Hines trat in München in der jüngeren Vergangenheit mit zwei Projekten größer in Erscheinung: Recht konkret ist schon der Umbau eines ehemaligen Allianz-Standortes an der Fritz-Schäffer-Straße in Neuperlach, wo unter dem Marketingnamen "Aer" auf 83 000 Quadratmetern eine "nachhaltige und innovative" Arbeits- und Lebenswelt mit CO₂-neutraler Architektur und Dachgärten entstehen soll, so die Ankündigung. Viel größer und für die Stadt von hoher Bedeutung ist die Neugestaltung des Tucherparks am Englischen Garten mit seinen zehn Gebäuden, den Hines Ende 2019 gemeinsam mit der Immobilientochter der Commerzbank für angeblich mehr als eine Milliarde Euro von der Hypovereinsbank gekauft hat - wobei ein Hines-Vertreter einige Monate später sagte, die tatsächliche Summe sei "niedriger" als kolportiert.

Was am Tucherpark geplant wird, ist bisher nicht bekannt, außer dass es Umbauten, Modernisierungen und Nachverdichtung geben soll - unter Wahrung des Denkmalschutzes.

Ziel sei es, einen Großteil des Bestands zu erhalten

Doch zurück zu Mediaworks: Union Investment und Hines, die die Immobilien langfristig im Bestand behalten wollen, planten ein "umfassendes Refurbishment des Bestands, um das Objekt zu einem modernen Campus weiterzuentwickeln", heißt es in der Mitteilung. Wenn Immobilienmenschen von "Refurbishment" sprechen, würden andere "Sanierung" sagen. Die Unternehmen versprechen zudem "eine hochwertige Architektur und Ausstattung" sowie "grüne Innenhöfe und Dächer". Zudem lege man bei der Planung Wert auf "Umweltbewusstsein".

Auf Nachfrage sagte ein Hines-Sprecher, Ziel sei es, einen Großteil des Bestands zu erhalten. Gleichwohl "können wir nicht ausschließen, dass Teilflächen abgebrochen und gegebenenfalls neu aufgebaut werden müssen", man stünde hier aber noch am Anfang der Planungen. Über weitere Details werde man sich "eng mit der Stadt und allen weiteren Beteiligten abstimmen". Zur Verfügung stehen sollen die neuen Flächen dann von 2024 oder 2025 an.

Die Stadt teilte mit, der Investor habe bereits Kontakt mit dem Planungsreferat aufgenommen, erste Gespräche würden voraussichtlich in Kürze stattfinden.

Die übrigen Verantwortlichen im Werksviertel werden die Ankündigungen der neuen Eigentümer gern vernehmen. Der triste Zustand von weiten Teilen des Mediaworks, den die bisherigen Eigentümer als "strategischen Leerstand" bezeichneten, war den Nachbarn im Werksviertel ein ziemliches Ärgernis, konterkarierte er doch den oft beschworenen Charakter eines schnell wachsenden urbanen, kreativen und hippen Quartiers. Künftig, so sieht es nun aus, fügt sich auch das Mediaworks ins Werksviertel ein.

© SZ vom 28.04.2021/van, wean
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