Freizeit in MünchenVon Drachen bis zur Titanic: Spannende Action-Ausstellungen

Lesezeit: 7 Min.

Kinder unter drei Jahren könnten die Drachen von „Game of Dragons“ im Lucky Star womöglich Angst machen, warnen die Ausstellungsmacher.
Kinder unter drei Jahren könnten die Drachen von „Game of Dragons“ im Lucky Star womöglich Angst machen, warnen die Ausstellungsmacher. (Foto: Game of Dragons)

Spazieren an Deck der Titanic, Eintauchen in Van Goghs Bilderwelten, mit dem Lichtschwert kämpfen wie ein Jedi, Bratwurst essen mit Drachen – moderne Technik macht es möglich. Dazu noch all die immersiven Ausstellungen. Welche lohnen sich besonders? Ein Überblick.

Von Michael Zirnstein

Die Legende der Titanic

Ein Schiff wird kommen – und gleich untergehen. In der Ausstellung kann man die Titanic vom Eisberg aus betrachten.
Ein Schiff wird kommen – und gleich untergehen. In der Ausstellung kann man die Titanic vom Eisberg aus betrachten. (Foto: Morris Mac Matzen)

Man fragt sich schon, was zynischer ist: Vom Eisberg aus die Titanic ihrem Unglück entgegenschippern sehen? Oder – natürlich gegen Aufpreis – ein „exklusives 11-Gänge-Dinner“ nach Vorbild des letzten Menüs an Bord des berühmtesten Ozeandampfers zu genießen: „Speisen wie in der ersten Klasse“. Immerhin geht es hier nicht um irgendeine Geschichte, sondern um eine reale Tragödie. Der Untergang der Titanic am 15. April 1912 kostete 1500 Menschen, vor allem aus der dritten Klasse, das Leben. Und dennoch: „Die Legende der Titanic“ lebt, die Menschen sind immer noch fasziniert von dieser Katastrophe, das bietet jede Menge Stoff für eine immersive Ausstellung.

Den versucht die Erlebnis-Schau im Pineapple Park, der ehemaligen Paketposthalle, auf unterschiedliche Weise fassbar zu machen: Es gibt echte Gegenstände wie Geschirr oder Passagierlisten (meist vom Schwesterschiff „Olympic“) in Vitrinen zu sehen; es gibt Requisiten aus dem „Titanic“-Film von James Cameron und natürlich einen Nachbau der Bugspitze, an deren Reling man zum Selfie als Jack und Rose  (Leo DiCaprio und Kate Winslet) posieren kann.

Vor allem aber locken jede Menge virtuelle Wow-Effekte. Mal im 360-Grad-Film, mal mit Computerbrille wird man zum Passagier der Titanic, läuft übers Deck, zur Großen Treppe oder ins Café Parisien, begleitet binnen acht Minuten das Bord-Streichquartett vom Ablegen bis zum Untergang oder taucht gefahrlos mit einem U-Boot zum Wrack. „Erlebe die Pracht und die Tragödie der Titanic“ heißt es. Emotionalen Tiefgang findet in der Schau vor allem, wer in die recherchierten Geschichten einzelner Passagiere wie des deutschen Hausmädchens Amalie Geiger versinkt.

Die Legende der Titanic, bis 11. Januar 2026, Montag bis Sonntag, 10 bis 21 Uhr, Pineapple Park in der Paketposthalle, titanic-immersiv.com, ab 17 Euro

Game of Dragons

Ein bisschen Geisterbahn-Feeling kommt bei der Freiluft-Ausstellung „Game of Dragons“ im Lucky Star auf.
Ein bisschen Geisterbahn-Feeling kommt bei der Freiluft-Ausstellung „Game of Dragons“ im Lucky Star auf. (Foto: Game of Dragons)

Wie eine Gänseherde auf dem Flug nach Süden hat sich eine Drachenhorde in einer Baugrube in Milbertshofen zur Rast niedergelassen. Angeführt vom alten Dracorien, dem Hüter der Weisheit, der angeblich seine Kraft aus den Elementen und den Sternen ziehen kann. Das ist natürlich reine Fantasie, auch wenn ein Physiker namens Nicolas Tesla einst mal eine ziemlich ähnliche Idee für die Energiegewinnung hatte. In der Freiluft-Ausstellung „Game of Dragons“ kommt beides zusammen: Technik und Fantasy. Denn die 20 lebensgroßen (also elefantösen) Puppen hier werden animatronisch und mit Video-Mapping zum Leben erweckt, sie brüllen, schnauben, leuchten, qualmen – das macht es den Besuchern von „drei bis 300 Jahren“ (jüngere könnten Angst haben, sagt der Veranstalter) leichter, der Illusion auf den Leim zu gehen, gerade in der Dämmerung oder Dunkelheit.

In einem zusätzlich buchbaren Virtual-Reality-Erlebnis kann man auf dem Rücken von „Elementar- und Feuerzauberdrachen“ durch Himmel und Wolken reiten wie Atréju auf Fuchur oder Eragon auf Saphira. Und damit sind wir im Reich von „Game of Thrones“, „Drachenzähmen leicht gemacht“, „Harry Potter“ und so weiter, die die mal putzigen, mal geisterbahnhaften Drachen hier merklich beeinflusst haben. Auf dem Rundgang hier unter dem Lucky Star, der begehbaren, 500 Meter langen Stern-Skulptur auf dem brachliegenden Knorr-Bremse-Gelände, kann man sich mit Glühwein und Bratwürsten stärken, die allerdings nicht auf Drachenfeuer gebraten werden.

Game of Dragons, bis 11. Januar 2026, 16 bis 21 Uhr, Lucky Star, Mossacher Straße 70, 15 bis 25 Euro

Van Gogh Immersiv

Wandeln auf Mandelblüten können die Besucher in der Schau „Vincent. Zwischen Wahn und Wunder“.
Wandeln auf Mandelblüten können die Besucher in der Schau „Vincent. Zwischen Wahn und Wunder“. (Foto: Morris Mac Matzen)

Vincent van Gogh ist der Star der immersiven Show-Schauen überhaupt: Kein anderer Maler wird so viel in Mehrzweckräumen mit Projektionen und Soundkulissen zum Strahlen gebracht wie der 1890 mit 37 Jahren im französischen Auvers-sur-Oise gestorbene Niederländer. Nachdem in München 2021 bereits die australische Ausstellung „Van Gogh Alive“ gastierte, kann man nun hier im Utopia bei „Vincent. Zwischen Wahn und Wunder“ in seinen Welten baden: knallgelbe Sonnenblumen, tiefblaue Sternennächte, endlose goldene Weizenfelder.

Die Idee diesmal ist, das Leben des Malers aus der Perspektive seiner Schwägerin Johanna van Gogh-Bonger zu sehen. Sie gab einst seine Briefe heraus und organisierte eine erste Ausstellung, womit sie den Grundstein für den Mythos um den zu Lebzeiten verkannten Künstler legte. Sehr viel näher bringt das den Besucher allerdings nicht an Van Gogh, fand die SZ-Kritikerin. „Vincent. Zwischen Wahn und Wunder“ rege weniger zum Nachdenken als zum Knipsen ein. „Es ist eine Show, aber keine Ausstellung.“

Freilich bekommt der Selfie-Fan, was er sich erhofft: überdimensionale Bilderrahmen, einem Teppich aus Mandelblüten und Spiegel in allen Winkeln. Im großen Showroom kann man in Sitzsäcken lümmeln (und bisweilen sogar Yoga machen) und auf zehn Meter breiten Wänden Projektionen von van Goghs berühmtesten Werken, Zitate und französelnde Musik von Yann Thiersen genießen. Falls noch Fragen offen sind, beantwortete sie der Künstler selbst im Zwiegespräch mit seinen Fans – gefüttert von einer KI.

Vincent. Zwischen Wahn und Wunder – Van Gogh Immersiv, Utopia, Heßstraße 132, bis 11. Januar 2026, Montag bis Sonntag: 10-20 Uhr, ab 17 Euro, www.vangoghimmersiv.com

The Fans Strike Back

Darf nicht fehlen: Darth Vader, der legendäre Bösewicht, taucht mehrfach auf in der Ausstellung „The Fans Strike Back“.
Darf nicht fehlen: Darth Vader, der legendäre Bösewicht, taucht mehrfach auf in der Ausstellung „The Fans Strike Back“. (Foto: The Fans Strike Back)

„Krieg der Sterne“ kam 1977 in die Kinos, da waren Philip Zoch und Anton Iliev noch lange nicht geboren. Dennoch sind die beiden Ausstellungsmacher besessen vom „Star Wars“-Kosmos, für Zoch ist er „ein Tor in die Zukunft“. Obwohl die Filmwelt von George Lucas vielen ja mehr als Fantasy oder „Space Opera“ gilt, denn als echte Science Fiction. Für die Fans ist das einerlei, sie tauchen ein ins Parallel-Universum, wo Gut und Böse miteinander streiten und eine esoterische Macht alles durchdringt. In jedem Winkel dieser Welten spielen sich Dramen ab, und die spielen wahre Star-Wars-Fans gerne nach: mit Spielzeug-Figuren ebenso wie in selbst gebastelten Kostümen.

All das ist zu sehen in der Ausstellung „The Fans Strike Back“ im Pineapple Tower auf dem ehemaligen Paketpost-Areal. Zoch und Iliev, der sonst Mensch-Maschinen-Skulpturen und Kulissen für Techno-Raves baut, haben in einem 1000-Quadratmeter-Labyrinth fast 1000 Sammlerstücke aus aller Welt arrangiert. Von Fans für Fans: kleine Dioramen voller Details aus alle neun kanonischen Filmen, Spin-offs und Serien wie „The Mandalorian“, lebensgroße Selfie-Spots wie den Imperiumsbunker auf dem Mond Endor oder Anakin Skywalkers Podracer sowie zahllose Helme, Uniformen, Laserwaffen. Einige Kostüme sind im neuen 20-minütigen Fan-Film „The Darkest Hour“ in Action zu sehen. Und in einem VR-Erlebnis kann der Gast selbst zum Raum-Piloten werden und das Lichtschwert schwingen.

The Fans Strike Back, Ausstellung im Pineapple Park, Paketpost-Areal München, bis 28. Februar, 19 bis 25 Euro,  täglich 10.30 bis 19.30 Uhr

A Day With David Bowie

Suchte Inspiration und Antworten bei den Künstlern in Gugging: David Bowie.
Suchte Inspiration und Antworten bei den Künstlern in Gugging: David Bowie. (Foto: Christine De Grancy)

Anders als viele andere Ausstellungen auf Sonderveranstaltungsflächen setzt „A Day With David Bowie“ nicht auf große Wow- und Schau-Effekte. Am aufregendsten ist noch der Weg durch das rohe Treppenhaus des hier erstmals bespielten Postareal-Hochhauses, der ein wenig ans abbruchreife Künstler-Berlin erinnert, das David Bowie einst anzog. Ansonsten ist die Ausstellung ein eher still kuratiertes Erlebnis: „Sorgfältig gestaltet, um eine ruhige und kontemplative Atmosphäre zu schaffen“, wie es heißt. Das entspricht dem Ereignis, um das es hier geht. Der Musiker Bowie besuchte am 8. September 1994 die Nervenheilanstalt in Gugging bei Wien. Denn dort lebten Schizophrenie-Patienten, die in einer Kunsttherapie ihre inneren Zustände auf Leinwand, Möbel, ganze Häuser malten und so Stars der „Ousider Art“ wurden.

Bowie kam nicht als Popstar, sondern als aufmerksamer Beobachter auf der Suche nach Inspiration und Antworten, denn sein Bruder hatte sich als Psychiatrie-Patient das Leben genommen. Zurückhaltend und sanft begegnet Bowie den Gugginger Künstlern, betrachtet und skizziert sie und ihre Werke. Und ebenso zurückhaltend hat die Wienerin Christine de Grancy ihn und seine Begleiter Brian Eno und André Heller beim Betrachten fotografiert. Ihre großformatigen Schwarzweiß-Aufnahmen zeigen Bowie nicht als exzentrischen Künstler, sondern privat und nachdenklich. Dazu sind einige Werke von Gugginger Künstlern zu sehen (zum Teil als Reproduktionen): Tier-Bilder von Johann Fischer, Tusche-Wimmelbilder von Johann Garber, Oswald Tschirtners Riesenzeichnungen und eine begehbare Nachbildung vom ausgemaltem Zimmer August Wallas – da kommt der Besucher dann doch ins Staunen.

A Day With David Bowie, Fotoausstellung mit Bildern von Christine de Grancy, Pineapple Park München, bis 28. Februar, ehemaliges Paketpost-Areal, 16 Euro (Kinder 5 Euro), täglich 10.30 bis 19.30 Uhr, www.adaywithdavidbowie.com

Digital by Nature

Die Räume reagieren auf die Besucher: „Digital by Natur“ von Miguel Chevalier in der Kunsthalle München.
Die Räume reagieren auf die Besucher: „Digital by Natur“ von Miguel Chevalier in der Kunsthalle München. (Foto: Robert Haas)

Auch wenn alles in den Sälen der Hypo-Kunsthalle gerade so aussieht, als sei es den schwärmerischsten Träumen von Virtual-Reality-Nerds entsprungen:  „Digital by Nature“ ist echte Kunst, keine Spielerei. Diese rauschhafte Schau ist die bisher größte Einzelausstellung mit Werken des Cyber-Art-Pioniers Miguel Chevalier. Schon in den Achtzigerjahren nutzte der Mexikaner Computer für eine visuelle, interaktive Kunst, deren Werkzeuge nun wiederum viele Erlebnis-Schauen zur Überwältigung der Besucher nutzen.

Überwältigend sind auch Chevaliers Installationen in jedem Saal: An den Wänden erblühen virtuelle Blumen. Pixel formen sich zu menschlichen Gestalten. Bildwelten reagieren auf jede Bewegung der Besucher, als würde der Raum selbst zum Leben erwachen. Es geht, bei allem Schauwert, aber nicht nur ums Spektakel – Chevalier erforscht die Spannungsfelder zwischen Lebendigem und Digitalem, Technologie und Poesie.

Digital by Nature: Die Kunst von Miguel Chevalier. Kunsthalle München, bis 1. März 2026, 8 bis 18 Euro

Weitere interdisziplinäre Ausstellungen

Dem Künstlerkollektiv „Chicks on Speed“ widmet sich eine bunte Ausstellung in der Villa Stuck.
Dem Künstlerkollektiv „Chicks on Speed“ widmet sich eine bunte Ausstellung in der Villa Stuck. (Foto: Wolf-Dieter Grabner)

Die frisch renovierte Villa Stuck wird zur Bühne und zum Laufsteg: „Utopia – Chicks on Speed & Collaborators“ präsentiert das bahnbrechende Performance-Kunst-Kollektiv Chicks on Speed. Formiert in den Neunzigerjahren für einen Malwettbewerb an der Münchner Kunstakademie entwickelten sich die Studentinnen bald zu Wirtinnen („Seppi Bar“), zu DJs im Techno-Club Ultraschall und zur Elektro-Band – entsprechend punkig-glamourös und interdisziplinär ist die ganze Ausstellung (bis 1. März, Prinzregentenstraße 60).

Auf der Ausstellungsfläche im Erdgeschoss des Literaturhauses entfaltet sich noch bis 30. November das Leben, Denken und Wirken von Susan Sontag. In fünf Stationen vom Lebensort New York bis zu ihren „Lebensmenschen“ kann man bei „Everything matters“ dieser „Ikone philosophischen Denkens im 20. Jahrhundert“ folgen. Ganz anders, aber durchaus auch poetisch-philosophisch folgt dann eine Schau zur finnischen Künstlerin Tove Jansson – vielen Kindern und erwachsenen durch ihre „Welt der Mumins“ bekannt (18. Dezember bis 12. April).

Selbst so ein seriöses Traditionshaus wie die Archäologische Staatssammlung will seinen Bestand nicht nur hinter Vitrinenglas präsentieren. „Internationale Mitmachausstellung“ nennt sich daher die aktuelle Schau. Und bei „Gladiatoren – Helden des Kolosseums“ gibt es durchaus Action, bisweilen sogar echte Schaukämpfe und Kinder-Workshops. In die römische Geschichte führen auch „immersive Vermittlungsebenen“ ein. Höhepunkt der Ausstellung sind aber Originale: römische Ausrüstungen von Recken aus der Gladiatorenschule von Pompeji (bis 3. Mai, Lerchenfeldstraße 2).

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