In Zeiten der Zukunftsverdüsterung braucht es Lichtblicke wie diesen. Junge Musizierende, verbunden durch Musikalität und künstlerische Reife. Und dadurch, dass sie alle vom Kulturkreis Gasteig unterstützt wurden oder werden. Der Verein setzt sich seit nun 40 Jahren für das Münchner Kulturleben ein, für Lesungen, Gesprächsreihen, Konzerte und besonders für die beliebte Reihe „Winners & Masters“. Die Konzertreihe hat einigen Größen von heute den Weg auf die Bühnen bereitet. Zum Beispiel dem Pianisten Igor Levit, der es sich deshalb nicht nehmen lässt, zur Feier im Künstlerhaus am Lenbachplatz vorbeizuschauen.
So ist der Festakt zum 40-Jährigen nicht nur ein Rückblick auf viele Jahre kulturellen Engagements, sondern er gibt auch die Perspektive auf die Zukunft frei. Wenn etwa Serafina Starke, Jahrgang 2000, Paminas Arie „Ach, ich fühl’s“ mit blühendem, gerundetem Sopran singt, kann man sich leicht vorstellen, in welchem Fach sie brillieren wird. Wobei ihr auch die Johann-Strauss-Arie „Spiel ich die Unschuld vom Lande“ aus der „Fledermaus“ mit Charme, Witz und mühelos funkelnden Koloraturen gelingt.
Dass Andrea Cicalese ein Ausnahme-Geiger ist, hat sich schon herumgesprochen. Sein Debüt in der Isarphilharmonie vor einem Jahr war ein Triumph. Und doch würde man, blind gehört, kaum glauben, dass die Musik, die von der Bühne des Künstlerhauses klingt, von einem Geiger stammt, der erst vor zwei Jahren Abitur gemacht hat. Cicaleses Ernsthaftigkeit, seine Fähigkeit, in Schuberts D-Dur-Sonatine (Op. 137, Nr. 1) Melodien zu formen und in das sensible Spiel mit seinem Klavierpartner Massimo Spada einzubetten, ist umwerfend. Und das mit einem Ton, der nicht einfach stromlinienförmig geglättet ist, sondern bei aller Schönheit Charakter besitzt.
Der Kulturkreis hatte schon immer einen wachen Blick. Als Igor Levit 2005 bei den „Winners & Masters“ debütierte, war er schon ein hochbegabter junger Pianist. Jetzt ist er – ein eigentlich immer noch junger – Künstler, der interpretatorische Maßstäbe setzt. Den „Liedern ohne Worte“ von Mendelssohn nimmt er jede hausmusikalische Heimeligkeit, sie werden zu Seelendramen, etwa der Trauermarsch (Op. 62, Nr. 3), den er mit kontrollierter Wucht entfesselt. Auch Brahms’ Intermezzi sind hier keine Miniaturen, sondern komprimierte Klangwelten. Bei alldem geht Levit intelligent durchdacht vor, so leuchtet er beispielhaft die Scheinpolyphonie von Brahms’ b-Moll-Intermezzo (Op. 117, Nr. 2) aus – die Stimmen sprechen miteinander.
Viele Gründe zur Hoffnung also, auch weil der Verein ohne laufende öffentliche Förderung arbeitet. In Zeiten, in denen die Kulturförderung unter Druck steht, ist die Bereitschaft zum gemeinschaftlichen Engagement für Musik besonders wichtig. Und richtig, wenn sie so famose Leute trifft wie Serafina Starke, Andrea Cicalese und (früher einmal) Igor Levit.

