Die Internationale Automobilausstellung IAA Mobility will schon seit ein paar Jahren keine reine Auto-Schau mehr sein, sondern „die weltweit führende Plattform für Mobilität, Nachhaltigkeit und Tech“. So lautet die Eigenwerbung. Als es bei der Messe 2025 im vergangenen September darum ging, den zahlenden Besuchern auch ein nachhaltiges Mobilitätsticket zu spendieren, hielt sich die Begeisterung allerdings darüber beim Veranstalter schwer in Grenzen. Das übliche Kombiticket, das in München den Messeeintritt und die MVV-Karte beinhaltet, war der IAA Mobility das Geld nicht wert.
„Aufgrund insgesamt gestiegener Mehrkosten und zur Vermeidung eines weiteren Ticketpreisanstiegs konnte die Inkludierung eines ÖPNV-Tickets im Eintrittspreis der IAA Mobility 2025 nicht realisiert werden“, erklärte eine Sprecherin der Messe München. Man habe zwar einen „grundsätzlichen Rahmenvertrag zur Integration von Tickets in ausgewählte Messen“ geschlossen, doch für die Mobilitätsmesse gelte der nicht. Der Bezug des Kombitickets sei für die IAA „nicht verpflichtend“ gewesen.
Für Stefan Jagel, Fraktionschef der Linken im Stadtrat, ist das ein fatales Signal. „Ausgerechnet bei einer Messe, die sich Mobilität auf die Fahnen schreibt, wird das umweltfreundlichste Verkehrsmittel ignoriert“, ärgert er sich. Für Jagel ist das ein weiterer Beleg dafür, dass die Autofirmen nicht wirklich ein Verständnis für andere Mobilitätsformen haben. „Nicht nur wird damit klar, wie wenig Interesse die IAA an Nachhaltigkeit hat“, sagte er. Seiner Ansicht nach verstößt die Messe München mit dem Verzicht auf das Kombiticket auch „gegen eine klare Vereinbarung mit dem MVV“.
Der Münchner Verkehrsverbund (MVV) bestätigte, dass es einen Rahmenvertrag mit der Messe München gebe, nicht aber eine direkte Vereinbarung mit der IAA. Von der Tochter des Freistaats und der Stadt München sei auch die Nachricht eingegangen, dass „die IAA aus finanziellen Gründen kein Kombiticket wünscht“. Der Verband der Automobilindustrie, der hinter der IAA steht, verweist auf die Äußerungen der Messe München.
Die Stadt München überlässt der IAA seit der Premiere in München im Jahr 2021 wichtige und zentrale Plätze ihrer Innenstadt zu sehr moderaten Bedingungen. Das kritisierte die Fraktion Grüne/Rosa Liste jüngst, als der Vertrag mit der Messe München bis 2031 verlängert wurde. „Bei der Neuauflage der Automesse darf die Stadt ihre schönsten Plätze nicht mehr zum Spottpreis hergeben“, hieß es in einer Mitteilung Anfang September, als die weitere Zusammenarbeit verkündet wurde.
Auf dem Königsplatz, dem Max-Joseph-Platz oder dem Wittelsbacherplatz bauen die Autofirmen für wenige Tage ausladende und repräsentative Plattformen auf, um ihre E-Fahrzeuge zu präsentieren. Der Eintritt ist hier gratis. Insgesamt meldeten die Organisatoren 2025 deutlich mehr als eine halbe Million Gäste auf der IAA. Darunter fallen auch die 69 000 Besucher, die für den Fachbereich auf dem Messegelände eine Eintrittskarte bezahlt haben.
Dass diese in einer Stadt, die die Verkehrswende als erklärtes Ziel ausgegeben hat, nicht automatisch mit ihrer Eintrittskarte ein MVV-Ticket erhalten, ist für Linken-Stadtrat Jagel unverständlich. „Es kann nicht sein, dass München bei einer internationalen Leitmesse für Mobilität Rückschritte beim ÖPNV macht.“

