MobilitätsmesseMünchen will die IAA bis 2031 halten – mit „Open Spaces“ in der Innenstadt

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Einer der "Open Spaces" in der Innenstadt bei der vergangenen IAA.
Einer der "Open Spaces" in der Innenstadt bei der vergangenen IAA. (Foto: Martin Schulz/dpa)

Die Stadt überlässt der Mobilitätsmesse weiterhin zentrale Plätze als Ausstellungsfläche, denn die Bürger profitierten massiv von der Autoindustrie. Nebenbei verrät ein Stadtrat, um welche Summen es bei BMW und Co. geht.

Von Heiner Effern

Die Messe IAA Mobility kann bis 2031 in München bleiben. Die Stadt wird ihr dafür weiterhin wichtige zentrale Plätze als Ausstellungsfläche überlassen. Das beschloss der Ausschuss für Arbeit und Wirtschaft am Dienstag. Die endgültige Entscheidung über die Vergabe der Ausstellung in den Jahren 2027, 2029 und 2031 wird der Verband der Automobilindustrie (VDA) Anfang kommenden Jahres treffen. Alles andere als der Zuschlag wäre eine Überraschung. Er persönlich sei sehr glücklich mit der IAA in München, sagte VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel. Und fügte hinzu: „Da bin ich nicht der Einzige.“

Offiziell festlegen wollten sich die Automobilaussteller unmittelbar nach der Stadtratssitzung noch nicht. Es gebe noch weitere ernsthafte Bewerber, sagte Mindel, und spielte damit auf Frankfurt an. Doch München habe durch das Votum des Stadtrats „ein klares Signal“ gesendet, der Standort habe „unglaubliche Rückendeckung“ erhalten. Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) ist fest davon überzeugt, dass die IAA nicht nur 2025 in München stattfinden wird. „Macht es weiterhin so gut wie bisher“, sagte er im Sitzungssaal in Richtung der Veranstalter.

Die Stadt wird wie in der nächsten Auflage der IAA Mobility vom 9. bis 14. September 2025 und auch in den Folgejahren den Königsplatz mit Teilen von Arcis- und Brienner Straße, den Wittelsbacherplatz, den Odeonsplatz, die Ludwigstraße zwischen Galeriestraße und Siegestor mit Geschwister-Scholl- und Professor-Huber-Platz, den Max-Joseph-Platz und den Marienplatz der Messe überlassen. Leistungsstarke Verbrenner will die Stadt hier aber nicht vorgestellt sehen, sondern „alternative Mobilitätskonzepte“, heißt es in dem Beschluss. Vor der Feldherrnhalle soll dauerhaft ein Platz zum Verweilen entstehen, der nicht als Ausstellungsfläche genutzt wird.

SPD sowie CSU, Freie Wähler und FDP stimmten für die Fortführung des bisherigen Konzepts mit den sogenannten Open Spaces auf zentralen öffentlichen Plätzen. Die Grünen sprachen sich für einen Verbleib der IAA Mobility aus, aber ausschließlich auf dem Messegelände. Linke und ÖDP lehnten einen Verbleib der IAA in München bis 2031 ab.

„Es geht um sehr viel, um die Zukunft des Wirtschaftsstandortes“, begründete Christian Vorländer, wirtschaftspolitischer Sprecher der SPD im Stadtrat, den Zuspruch seiner Partei für die IAA Mobility. Der Autoindustrie in Deutschland gehe es gerade schlecht, viele Arbeitnehmer und deren Familien hätten Existenzängste. In solchen Zeiten eine Messe in München zu verweigern, wäre zumindest fahrlässig. Das gelte auch für die umstrittene Nutzung der wichtigsten und schönsten Plätze in München. Das seien zum einen Publikumsmagneten, zum anderen aber auch die Game-Changer für den VDA, um den Zuschlag weiterhin zu erhalten. Bei den Besuchern sei die Resonanz auf die Messe „überwältigend positiv“ ausgefallen.

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Auch CSU und FDP messen der IAA eine grundsätzliche Bedeutung für München bei. „Wir stehen zur Automobilindustrie in unserer Stadt“, sagte CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl. Die Münchnerinnen und Münchner profitierten direkt als Arbeitnehmer oder indirekt als Bürger direkt von den Unternehmen und ihren vielen Zulieferern. Etwa eine halbe Milliarde Euro an Leistungen, die aus der Gewerbesteuer kämen, müsste die Stadt ohne solvente Zahler aus der Autoindustrie streichen. Allen Teilnehmern der Sitzung war klar, dass damit vor allem BMW gemeint war. Wenn man dafür alle zwei Jahre mal zwei Wochen einen Umweg in der Innenstadt machen müsse, sei das „ein Luxusproblem“.

Die Grünen stehen ambivalent zur IAA Mobility. Sie begrüßen mit ausdrücklichem Lob, dass sich die Veranstaltung von einer reinen Autoschau zu „einer breit aufgestellten Mobilitätsmesse entwickelt“ habe. Doch die Präsentation der Produkte sei auch da vortrefflich möglich, wo eine Messe eigentlich stattfinde: auf dem dafür vorgesehenen Messegelände. Mit dem jetzigen Beschluss seien die Open Spaces keine Ausnahme mehr, sondern die Regel. Und damit ein Präzedenzfall, zudem ein extrem günstiger für die Aussteller. Es stelle sich die Frage, wie man der Baumaschinenmesse Bauma künftig verwehren will, auf der Theresienwiese einen Kran und auf dem Marienplatz einen Bagger vorzuführen.

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ÖDP und Linke wollen die IAA Mobility am liebsten rauswerfen. ÖDP-Stadtrat Tobias Ruff unterstellte dem SPD-Stadtrat Vorländer wegen dessen etwas staatstragend ausgefallenen Redebeitrags, dass er gleich das perfekte Grußwort oder gar eine Bewerbung für einen Posten vorgetragen habe, nicht aber einen politischen Beitrag.

Und dem Grünen-Kollegen Weisenburger prophezeite er auch eine möglich berufliche Zukunft bei der IAA: als „Greenwasher“. Die Überlassung der Innenstadt an die Automobilhersteller grundsätzlich, und das praktisch zum Nulltarif, entspreche nicht seiner Vorstellung von der Verkehrswende und der Neuaufteilung des öffentlichen Raums, sagte Ruff. Der Stadtrat habe ein munteres Schauspiel vorgetragen, jede Partei habe ihr Klientel bedient. Das Ende sei vorher schon absehbar gewesen, und genauso kam es auch: „Die IAA wird beschlossen.“

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