Messe-Bilanz:Lob und Kritik für die Münchner IAA-Premiere

IAA Mobility - Open Space Königsplatz

Das Interesse an den Ausstellern der IAA war groß - auf dem Messegelände in Riem und auf den sogenannten "Open Spaces" an zentralen Orten in der Innenstadt.

(Foto: dpa)

Veranstalter, Wirtschaft und Politik sind zufrieden mit der ersten IAA in der bayerischen Landeshauptstadt, zu der 400 000 Besucher kamen. Kritik gibt es an den massiven Eingriffen in den öffentlichen Raum.

Von Catherine Hoffmann

Vieles war neu an der IAA Mobility in München: Es war die erste große Messe in Deutschland nach rund eineinhalb Jahren Stillstand durch die Corona-Pandemie; es war die erste IAA, die nicht allein dem Automobil gewidmet war, sondern die ganze Mobilität in den Blick nehmen wollte; und es war die erste Messe, die eine Brücke schlug von den Hallen in Riem mitten in die Münchner Innenstadt. Viele große Autohersteller waren nicht dabei, dafür stellten mehr als 75 Fahrradfirmen ihre neuesten Räder aus, gab es Start-ups und Anbieter von Apps fürs Carsharing und E-Bike-Abos.

Ein "voller Erfolg" sei das neue Konzept gewesen, sagt Hildegard Müller, die Präsidentin des Verbandes der Automobilindustrie (VDA), der die IAA in diesem Jahr erstmals gemeinsam mit der Messe München veranstaltet hat. "400 000 Teilnehmer in einer Woche sind ein eindeutiges Bekenntnis, dass die Menschen Mobilität neu denken wollen", so Müller. Im Tagesdurchschnitt kamen auch dank der vielen Aussteller in der Innenstadt 30 Prozent mehr Menschen auf die Messe als in Frankfurt, wo die IAA in den vergangenen Jahren ausgerichtet wurde. Veranstalter, Besucher und Aussteller zeigten sich Müller zufolge "sehr zufrieden". Man habe gespürt, wie groß die Kraft des persönlichen Gesprächs sei, nach all den Video-Konferenzen der vergangenen Monate.

"München hat sich als hervorragender Gastgeber erwiesen", sagt Klaus Dittrich, Geschäftsführer der Messe München. "Wir konnten zeigen, dass eine große internationale Messe trotz Pandemie stattfinden kann. Das Hygienekonzept hat hervorragend funktioniert." Die Messegesellschaft registrierte zu ihrer eigenen Überraschung Besucher aus 95 Ländern, aus Asien, den USA und Südafrika. Die meisten waren gut vorbereitet, reisten geimpft oder getestet an. "Wir sind sehr zuversichtlich, was andere Veranstaltungen in den nächsten Wochen angeht", sagte Dittrich.

"Die IAA Mobility in unsere Stadt zu holen, war richtig. Nicht nur für die Besucherinnen und Besucher, sondern auch für unseren Handel, unsere Hotels und Gastronomie und für die vielen Angestellten, die wieder Arbeit finden konnten", lautet die Bilanz von Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Die Autoindustrie habe die Zeichen der Zeit erkannt und nehme Nachhaltigkeit und Klimaneutralität in den Fokus. "Die IAA polarisiert aber natürlich auch, und Proteste sind legitim", so Reiter. Er habe die Industrie bereits zum Auftakt der Messe aufgefordert, die Klimaschützer und ihre Argumente ernst zu nehmen. "Denn unsere Mobilität verändern wir nur in einem guten Miteinander", so Reiter.

Katrin Habenschaden (Grüne), die Zweite Bürgermeisterin, hält den Ausstellern zugute, dass sie so viele E-Autos gezeigt hätten. "Aber auf den Ständen habe ich viele sehr große E-Autos gesehen, das ist alleine natürlich nicht die Lösung der Verkehrsprobleme", betont sie. "Für die nächste IAA würde ich mir mehr multimodale Initiativen wünschen" - Angebote also, die verschiedene Verkehrsmittel miteinander verknüpfen. Kritisch sieht Habenschaden auch das Maß des Eingriffs in den öffentlichen Raum durch gewaltige Bühnen, etwa vor der Feldherrnhalle. Darüber werde noch zu reden sein. "Die Beeinträchtigungen waren teils massiv. Für Münchnerinnen und Münchner gab es an vielen Stellen kein Durchkommen", sagt sie. "Dafür wird und muss es eine Lösung geben, wenn wir in zwei Jahren wieder Open Spaces in der Innenstadt anlegen." Umwelt- und Verkehrsorganisationen hatten die Stadt in einem offenen Brief hart kritisiert für den "Missbrauch des öffentlichen Raums als Werbeträger der großen Automobilkonzerne" und die Einschränkung des öffentlichen Lebens.

Eine "ausdrücklich positive Bilanz" zieht dagegen Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU). "Die wunderbaren Bilder aus der Münchner Innenstadt, die um die Welt gingen, beleben den Tourismus. Das hätte besser nicht laufen können." Der Städtetourismus tut sich in Zeiten der Pandemie schwer, Urlauber zieht es derzeit vor allem aufs Land. Daher sind die Messebesucher den Hoteliers und Gastronomen der Stadt höchst willkommen. "Wir spüren endlich wieder Leben in der Landeshauptstadt München, und unsere Gastgeber haben mehr Gäste als zuvor erwartet", freute sich Christian Schottenhamel, der München-Chef des Hotel- und Gaststättenverbands Dehoga, schon Mitte der Woche. Auch der Einzelhandel profitierte von der Messe, Theatiner- und Maximilianstraße waren stark frequentiert, berichtet die Initiative City Partner.

Die nächste IAA Mobility findet von 5. bis 10. September 2023 in München statt. Bis dahin wird noch viel über das richtige Konzept diskutiert werden.

© SZ vom 13.09.2021/mmo
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