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Bewerbung um Automobilmesse:Braucht München die IAA?

Spiegelungen

Neben dem Messegelände in Riem soll auch der Olympiapark zehn Tage lang zum Schauplatz der IAA werden.

(Foto: Fotogruppe)
  • Die Münchner Messegesellschaft hat sich für die Internationale Automobilausstellung (IAA) beworben.
  • Die Bewerbung ruft ambivalente Reaktionen hervor. Die einen warnen vor dem Verkehrsinfarkt, die anderen denken, dass die Stadt von der IAA profitieren würde.
  • Die Entscheidung, welche Stadt den Zuschlag erhält, soll noch im Februar fallen.

Braucht die Stadt ein weiteres Großereignis? Die Münchner Messegesellschaft will von 2021 an die Internationale Automobilausstellung (IAA) organisieren. Neben Hamburg und Berlin haben es die Münchner in der Bewerbungsrunde beim Verband der Automobilindustrie in die Runde der letzten drei geschafft. Das Konzept sieht vor, dass neben dem Messegelände in Riem auch der Olympiapark zehn Tage lang Schauplatz der Automobilshow wird, wobei im gesamten Stadtgebiet Fahrzeuge getestet werden sollen.

München ist Großereignisse gewohnt. Das Oktoberfest mit jährlich rund sechs Millionen Gästen, die Baumaschinenmesse Bauma mit mehr als 600 000 Besuchern, die vier Spiele der Fußball-Europameisterschaft in diesem Sommer oder aktuell die Sicherheitskonferenz - der Ausnahmezustand wird zur Normalität in der Landeshauptstadt. Eine IAA, die zuletzt in Frankfurt am Main unter Besucher- und Ausstellerschwund litt, könnte ein weiteres Massenereignis mit deutlich mehr als einer halben Million Besuchern werden.

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Die Vorstellung ist für alle, die sich täglich ohnehin im Berufsverkehr quälen, ein Graus. Andererseits jubeln der Handel und das Tourismusgewerbe. "Natürlich platzt München aus allen Nähten", sagt Bernd Ohlmann vom Handelsverband Bayern, "aber eine Großstadt muss das aushalten." Schon aus Marketing- und Imagegründen "wäre das eine feine Sache", davon würde die ganze Stadt profitieren. Während also Ohlmann meint, die IAA stünde München gut zu Gesicht, gibt es beim Automobilverband als Veranstalter der Mobilitätsshow durchaus Vorbehalte gegen den Bewerber. Herbert Diess, Chef von VW, so ist zu hören, mag seine neuen Modelle nicht im Schatten des BMW-Vierzylinders präsentieren. Im Olympiapark stünden die Fahrzeuge direkt vor der BMW-Kulisse, weshalb Diess, einst selbst in Diensten des Wettbewerbers aus Bayern, Hamburg als neuen IAA-Standort bevorzugt. Mal abgesehen von VW, hat die Münchner Messegesellschaft aber einige prominente Unterstützer für ihre Bewerbung im Boot.

An erster Stelle BMW natürlich - der Konzern hat sich in der ersten Bewerberrunde von zunächst sieben Städten für München eingesetzt. Auch Daimler soll gegen eine IAA im Süden der Republik nichts einzuwenden haben, und im Hintergrund wirken natürlich noch die Kräfte der bayerischen Staatsregierung sowie der Stadt München, die das Spektakel unbedingt an die Isar holen wollen. Für die Stadt ein angenehmer Nebeneffekt: Der nicht übermäßig für Großveranstaltungen genutzte Olympiapark könnte aus seinem Dornröschenschlaf erwachen. Die Messegesellschaft verweist in ihrer Bewerbung auf die gute Anbindung der Stadt durch den Flughafen. Und die Tatsache, dass München erprobt ist mit Großereignissen, wird als weiterer Pluspunkt angeführt.

Damit soll wettgemacht werden, dass ein Wunsch des Automobilverbandes nicht erfüllt werden kann. Für die IAA ist nämlich vorgesehen, die neuen Mobilitätsformen den Besuchern möglichst innenstadtnah zu präsentieren. Messegelände und Olympiapark erfüllen dieses Kriterium nicht. Die anderen Bewerber mögen hier im Vorteil sein. Allerdings ist Hamburg aktuell die staureichste Stadt in Deutschland und Berlin weiterhin mit seinem neuen Flughafen beschäftigt. Die Entscheidung, welche Stadt den Zuschlag erhält, soll noch im Februar fallen.

© SZ vom 14.02.2020/amm
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