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Automobilmesse in München:OB Reiter verknüpft das Schicksal der IAA mit dem Oktoberfest

Pressekonferenz - Internationale Automobilausstellung IAA

Die Premiere der Internationalen Mobilausstellung in München sollte ein großer Aufschlag werden, ein inhaltlicher Neustart mit Gästen aus aller Welt. Nun raubt das Coronavirus jede Planungssicherheit.

(Foto: Sven Hoppe/dpa)

Viele Hersteller zögern mit Zusagen für die Internationale Automobilausstellung. Noch steht nicht fest, ob sie im September überhaupt stattfinden kann.

Von Heiner Effern, Max Hägler

Die Premiere sollte ein großer Aufschlag werden, ein inhaltlicher Neustart mit Gästen aus aller Welt, doch die erste Ausgabe der Internationalen Automobilausstellung (IAA) in München kommt nur schwer in die Gänge. Das Coronavirus raubt jede Planungssicherheit; auf der Liste mit den Zusagen fehlen mindestens noch so viele prominente Autobauer wie schon darauf stehen, und in der Stadt machen die Umweltverbände mobil. Trotzdem verbreiten die Veranstalter, der Verband der Automobilindustrie (VDA) und die Messe München, nach außen hin Zuversicht. "Wir sind uns sicher, dass die IAA Mobility 2021 stattfinden kann", sagte Messe-Manager Tobias Gröber. Auch wenn es in München gerade für Autofahrer politisch ungemütlich ist, findet VDA-Geschäftsführer Jürgen Mindel den Umzug von Frankfurt hierhin richtig. "Mobilität und Tech gehören zusammen. München mit seiner automobil- und mobilitätsaffinen Start-up-Kultur ist dafür der ideale Ort."

Ob und wie die IAA wie geplant vom 6. bis 12. September stattfinden kann, da wollen sich andere maßgebliche Entscheider jedoch noch nicht festlegen, allen voran Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD). Derzeit könne man nicht sagen, was im Herbst möglich sei, erklärt er. Unsicherheit schaffen derzeit vor allem die hoch ansteckenden Virus-Mutationen. Ausdrücklich verknüpft Reiter das Schicksal der IAA mit dem Oktoberfest, was die Veranstalter auf keinen Fall so sehen wollen, weil auf der Wiesn unbestreitbar mehr Alkohol fließt. Beides seien "internationale Großveranstaltungen", sagt aber Reiter. Dass die eine stattfindet, die andere aber nicht, "das kann ich mir nur schwer vorstellen". Die Entscheidung der Stadt dürfte im Juni fallen.

Das Konzept der IAA sieht vor, auf vielen öffentlichen Plätzen der Stadt auch andere Mobilitätskonzepte vorzustellen. Deshalb auch der neue Name IAA Mobility. Dort soll allen Besuchern freier Zugang gewährt werden; die Messe soll in die Mitte der Stadt kommen. Für OB Reiter und auch Grünen-Bürgermeisterin Katrin Habenschaden gehört das zwingend zur neuen Form der Messe als Mobilitätsplattform. Zäune oder Zugang mit Tickets wollen sie im Zentrum nicht. "Wir haben der Nutzung öffentlicher Räume nur zugestimmt, wenn das Konzept ein offenes ist", sagte Habenschaden. Eine Rückverfolgung von Infektionsketten wäre damit aber kaum möglich. Den Rückzug der IAA in geschlossene Messehallen, in denen über Zutrittskontrollen Abstände gewahrt und Teilnehmer registriert werden könnten, sieht Reiter kritisch: "Da wären wir wieder bei der alten IAA, die haben wir nicht beschlossen."

Ein Neustart 2022 mit vielen prominenten Gästen wird bereits als Option diskutiert

Die Veranstalter geben sich aber überzeugt, das volle Messe-Programm im Herbst präsentieren zu können. "Wir planen sie als hybride Veranstaltung - teils digital, teils in physischer Form mit entsprechenden Hygienekonzepten", sagte Messe-Manager Gröbner. Unterstützung erhalten sie von Wirtschaftsreferent Clemens Baumgärtner (CSU), der Parallelen zur Veranstaltungsserie "Sommer in der Stadt" zieht, die trotz Corona 2020 erfolgreich stattgefunden habe.

In der Münchner Stadtpolitik ist informell aber auch zu hören, dass die IAA knapp acht Monate vor dem Start womöglich ganz auf der Kippe steht. Das liegt wohl auch an den schleppenden Zusagen prominenter Teilnehmer. Die großen deutschen Konzerne sind dabei. Aber im Moment fehlen etwa Opel sowie der dahinterstehende Peugeot-Konzern (Citroën, Fiat, Chrysler) sowie Renault-Nissan und vor allem Tesla. Es gebe Gespräche, aber noch ist nichts fix, hört man von den deutschen Herstellern, die beim veranstaltenden Verband VDA das Sagen haben. Und dort heißt es auch, dass sie rund um Ostern entscheiden wollen, ob sie die Notbremse ziehen. Eine Messe ohne Corona und mit vielen prominenten Gästen im Jahr 2022 könnte eine Option sein.

Die Stadt bereitet sich indes auch auf eine IAA in diesem Herbst vor. Am Mittwoch beschloss der Stadtrat einen parallel stattfindenden Mobilitätskongress, der im Zeichen von Fußgängern, Radfahrern und dem öffentlichen Nahverkehr stehen soll. Dazu machen Umweltschützer der Politik Druck. "Die Gestaltung der Verkehrswende in München liegt in der Verantwortung des Münchner Stadtrates und nicht in der Hand eines Auto-Lobbyverbandes", sagte Thorsten Kellermann, stellvertretender Vorsitzender des Bundes Naturschutz in München. "Die Tage, an denen München im Licht der Weltöffentlichkeit steht, sind genau die richtigen Tage, um die angestrebte autoarme Altstadt für die Menschen schon jetzt erlebbar zu machen", fordert er.

All das schürt bei Autoexperte Stefan Bratzel den Verdacht, dass der Umzug nach München und das neue Konzept nur halb durchdacht waren. Diese Stadt sei ein "kritischer Ort" für die IAA: Die Stadtpolitik und auch ansässige Hersteller wollten das Auto ja eigentlich aus dem Zentrum heraus bringen. "Wie passt das zusammen?", fragt Bratzel. Das alte IAA-Narrativ vom Autofahren als Ausdruck der persönlichen Freiheit funktioniere nicht mehr.

Die IAA-Veranstalter verweisen darauf, dass sich ihre Messe doch "von der reinen Autoshow zu einer internationalen Mobilitätsplattform", wandle, wie Geschäftsführer Mindel sagt. Als Beleg führen sie den neuen Schwerpunkt "Bike" an, mit dem erstmals auch Fahrrad-Hersteller vertreten sein werden. Das sollte auch in der grün-roten Stadtregierung gut ankommen.

© SZ vom 29.01.2021/syn
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