Neubau für die Hypovereinsbank:Der Aha-Effekt kommt erst beim längeren Hinschauen

Lesezeit: 2 min

Neubau für die Hypovereinsbank: Neue Zentrale: Die Hypovereinsbank baut am Leuchtenbergring.

Neue Zentrale: Die Hypovereinsbank baut am Leuchtenbergring.

(Foto: Sauerbruch Hutton, Berlin)

Am Leuchtenbergring soll der Neubau der Hypovereinsbank-Zentrale entstehen. Das Gewinner-Projekt besticht vor allem durch Nachhaltigkeit.

Von Alfred Dürr

Es ist ein rautenförmiger Block, mit abgerundeten Ecken und einer leichten Taillierung in der Mitte. 60 Meter hoch soll der Neubau mit der dunklen Fassade werden. Die Planungen für ein weiteres Verwaltungszentrum der Hypovereinsbank (HVB) zusätzlich zum Stadtbild prägenden Hochhaus aus den Siebzigerjahren gehen in eine weitere Runde: Gewonnen hat jetzt den Architektenwettbewerb das Büro Sauerbruch Hutton aus Berlin mit den Landschaftsarchitekten MDP Michael Desvigne Paysagiste, Paris. Entstehen solle ein "prägendes Quartierszeichen" beim S-Bahnhof Leuchtenbergring, sagt der Immobilienchef der Bank, Peter Weidenhöfer.

Der Siegerentwurf entspreche mit seiner Ressourcen schonenden hybriden Bauweise und dem höchsten Anteil an Photovoltaikflächen aller Wettbewerbsbeiträge am deutlichsten den Nachhaltigkeitszielen der Unicredit Gruppe, zu der die Hypovereinsbank gehört. Selbst in die Fassade sind Photovoltaikelemente eingebaut, die einen hohen Energieertrag liefern sollen.

Nachhaltigkeit bedeutet für Weidenhöfer auch, dass im Haus möglichst wenig künstliche Beleuchtung benötigt wird. Die Büro- und Kommunikationsflächen erhalten alle Tageslicht. Entscheidend sei zudem gewesen, dass im neuen Hauptquartier mit seinen 14 Vollgeschossen und Atrien im Mittelbereich vielfältige, abwechslungsreiche Räume geschaffen werden könnten, die die Kommunikation förderten.

Man habe auf die Debatte zur Zukunft der Arbeitswelt reagiert, sagte Architekt David Wegener von Sauerbruch Hutton. Das Büro sei sicher nicht mehr der Hauptarbeitsplatz, aber ein wichtiger sozialer Ort der Begegnung. Eine Möglichkeit für Gruppenarbeit - mit Räumen, die entsprechend flexibel gestaltet werden können.

Understatement über dem Tunnelmund

Die neue HVB-Zentrale über dem Tunnelmund des Leuchtenbergrings und gegenüber dem 50 Meter hohen Ensemble der "Ten Towers" sowie dem 63 Meter aufragenden Rundturm des Baureferatsgebäudes wolle mit seiner architektonischen Gestaltung in der Gegend nicht auftrumpfen, sagte Wegener. Man setze eher auf Understatement und darauf, dass sich das Projekt gut einfüge. Stadtbaurätin Elisabeth Merk begrüßt in einer schriftlichen Stellungnahme das Vorhaben. Die Komposition des Siegerentwurfs erscheine in der Fernwirkung schlüssig, sei eigenständig und in alle Himmelsrichtungen prägnant. Damit passe das neue Gebäude sehr gut in das Stadtbild.

Das Büro Sauerbruch Hutton hat bereits mit Bauwerken wie der ADAC-Zentrale, dem Brandhorst-Museum in der Maxvorstadt, bei den Bürobauten der Versicherung Munich Re an der Berliner Straße oder einem Wohnhaus an der Königinstraße vor allem durch die auffallenden farblichen Akzente an den Fassaden starke Beachtung gefunden. Das künftige HVB-Hauptquartier wirkt mit seinem einheitlich schwarzen Erscheinungsbild deutlich weniger spektakulär. Eleganz, Understatement und hohe "innere Werte" seien eine gute Verbindung eingegangen, meint Wegener: "Der Aha-Effekt kommt erst beim längeren Hinschauen."

Noch in diesem Jahrzehnt soll der Neubau fertig werden

Ende 2021 hatte die HVB eine "Machbarkeitsstudie" (Weidenhöfer) für das Grundstück vorgestellt. Das Architektenbüro Henn legte den Entwurf für einen 72 Meter hohen Komplex aus übereinander geschichteten Kuben vor. Damit war Bewegung in die Debatte gekommen, was aus dem Areal zwischen dem Haidenauplatz und dem Mittleren Ring, das seit vielen Jahren brach liegt, einmal werden könnte. Schließlich wurde ein Wettbewerb ausgelobt, um Varianten zu prüfen und zu sehen, was an dieser Stelle sonst noch baulich möglich sei, so Weidenhöfer.

Noch in diesem Jahrzehnt soll der Neubau von Sauerbruch Hutton fertig werden, hofft der HVB-Immobilienchef. Zur Frage, wie die langfristige städtebauliche Entwicklung um den Haidenauplatz aussehen könnte, gibt es bereits Konzepte. Den Ideenwettbewerb dazu hat das Büro Allmann Wappner zusammen mit Terranova Landschaftsarchitektur in München gewonnen. Alle Wettbewerbsergebnisse sind bis zum 19. Mai zu den banküblichen Öffnungszeiten in der Hypovereinsbank, Kardinal-Faulhaber-Straße 14, ausgestellt.

Zur SZ-Startseite

SZ PlusImmobilienmarkt in Haidhausen
:Dann kaufen wir das Haus halt selbst!

Andy Ebert und seine Nachbarn zahlen keine zehn Euro Miete pro Quadratmeter - mitten in München. Doch dann wird ihre Immobilie plötzlich zum Verkauf angeboten. Wie die Mieter die Wohnungen nun vor Spekulanten retten wollen.

Lesen Sie mehr zum Thema