Was läuft an Shows?In München eröffnet ein neues Dinner-Theaterzelt

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Fast auf den Tischen der Dinner-Gäste schwingen sich die Artisten zu Höchstleistungen auf – das macht den Charme der Spiegelzelt-Shows aus.
Fast auf den Tischen der Dinner-Gäste schwingen sich die Artisten zu Höchstleistungen auf – das macht den Charme der Spiegelzelt-Shows aus. (Foto: Florian Peljak)

Als „High-End-Tempel der Gastgeber-Unterhaltung“ will sich „Das Hullis“ neben dem Teatro behaupten. Der bisherige Platzhirsch der Dinner-Shows startet derweil mit dem Speisen- und Spiel-Programm „Wald und Natur“ in die neue Saison.

Von Michael Zirnstein

Als Gast stellt man sich das ja bezaubernd vor, eine neue Dinner-Show anzukurbeln. Es habe allein „zig Einzelverköstigungen“ gebraucht, um die diversen Menüs im neuen Spiegelzelt Das Hullis auf den Punkt zu bringen. Und dieses Vorab-Schnabulieren geschah auch noch gemeinsam mit dem Genuss-Genie Mario Gamba, dessen Restaurant Acquarello in Bogenhausen von der Bunten und vom Feinschmecker diverse Male zum „besten Italiener Deutschlands“ gekürt wurde. Also, da probiert man doch gerne, wenn Gänge daraus resultieren wie Rosenblüten-Couscous mit Seesaibling, Kalbsfilet im Tramezzini-Mantel oder – wer es (vergan) mag – das Erbsen-Proteinsteak an Kartoffelgratin.

Leckerschmecker! Aber natürlich war das erst mal ein Jahr lang mühevolle Arbeit, die den Erfinder und Erschaffer des Hullis einiges Haareraufen bereitet haben mag. Wobei man Sven Pawlitschko von vielen Shows ohnehin mit sehr zerzausten Haaren als Daniello, den zaubernden und scherzenden Kellner, kennt. Er besitzt sogar einen eigenen Zauberspruch: „Hullimogulli“.  Der Berliner mit enormer Branchenkenntnis vom Cirque du Soleil bis „Pomp Duck & Circumstance“ hat alles, was er hat, in einen Topf geworfen, um in München einen neuen „High-End-Tempel der Gastgeberunterhaltung“ zu erschaffen. Und Gäste glücklich und fröhlich zu machen, beherrscht er wie kein Zweiter, er unterrichtet Gastgeberschaft sogar in Seminaren.

Weiß, wie man Gäste glücklich macht: Sven Pawlitschko alias Daniello, der zerzauste Kopf hinter dem neuen Spiegelzelt Das Hullis.
Weiß, wie man Gäste glücklich macht: Sven Pawlitschko alias Daniello, der zerzauste Kopf hinter dem neuen Spiegelzelt Das Hullis. (Foto: Volker Maria Maier)

Dazu gehört auch Unterhaltungsprogramm, das im Hullis ein „Weltklasse-Varieté“ sein soll. Acht Nummern mit insgesamt 30 Künstlern und eine sechsköpfige Live-Band soll es zum Menü geben, etwa einen Zauberer mit fliegenden Papageien, die von „Das Supertalent“ bekannte Sandmalerin und Geschichtenerzählerin Natalya Netselya, eine Schleuderbretttruppe oder den witzigen Taschendieb Rafal Walusz („Halte deine Wertsachen fest“).  Besonders wichtig ist dem Show-Kreateur die gute Laune, für die gleich fünf Comedians sorgen werden, wie es heißt mit „überraschenden, stilvollen, keinesfalls sexistischem Humor“.

So soll das Zwanziger-Jahre-Spiegelzelt Hullis in der Messestadt (De-Gasperi-Bogen, Tor 10) seinen festen Platz bekommen. Aber ist in München überhaupt Platz für zwei Spiegelzelte? Immerhin hat sich hier seit etlichen Jahren das Teatro etabliert, noch dazu ebenfalls im Revier Riem?

Nun, immerhin gab es in München schon Jahre mit drei Dinner-Theater-Shows, man erinnere sich an Namen wie Palazzo (mit Witzigmann) oder Do Brasil von Fußball-Star Giovane Elber, da müsste nach Jahren der Teatro-Alleinherrschaft noch Luft nach oben sein.

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Die Luft unter dem Zeltdach beleben im Teatro heuer viele Künstler am Trapez, auf dem Schlappseil, an den Strapaten und auf dem Rola-Bola-Wackelbrett. Und dies in der neuen Spielzeit vor einer „stimmungsvollen Waldkulisse“. Denn alles im Teatro ist nun inspiriert von „Wald und Natur“. Davon hat sich auch das Gastro-Team für das Vier-Gänge-Menü inspirieren lassen, das aus bekannten Gründen nicht mehr vom singenden TV-Koch Alfons Schuhbeck kommt, sondern vom Edel-Caterer Käfer.

So wird als Vorspeise „Kastanie im Wald“ serviert, womit genussvolles Waldbaden in Maronen-Orangen-Suppe und „Fichtennadelschaum“ gemeint ist, bei dem auch ein geräucherter Stör vorbeischwimmt. Dem „Gold der Erde“ (Ravioli von Winterpastinake) folgt ein „Rind im Blumenbeet“ (mit Ube-Wurzel) und final ein „Süßer Gang durch den Zauberwald“, wobei man sein müdes Haupt am Ende nicht auf das „Pistazienmoos“ betten möge.

Es geht auch ohne Schlemmerei: Im Stück „Reflection“ in der Pasinger Fabrik konzentriert man sich voll und ganz auf Akrobatik und Tanz.
Es geht auch ohne Schlemmerei: Im Stück „Reflection“ in der Pasinger Fabrik konzentriert man sich voll und ganz auf Akrobatik und Tanz. (Foto: Annette Hempfling)

Man merkt: Gerade auch die Schlemmerei soll in den Dinnerzelten die Fantasie beflügeln. Bei anderen Revuen und Zirkussen im artistenreichen Herbst ist das Tafeln nicht die Hauptattraktion.

Im GOP-Varieté kann man zwar immer im Restaurant Leander fein essen oder sich Menüs und Snacks (Tipp für Hungrige: Pommes Frites, 5 Euro) im Theatersaal servieren lassen, aber im Mittelpunkt steht die Show, derzeit das auf einem Spielplatz wirbelnde Stück „Alive“.

Alte weiße Männer können auch komisch sein: Der Circus Roncalle setzt in seinem neuen Programm  „ArtistArt“ auch wieder auf Clowns.
Alte weiße Männer können auch komisch sein: Der Circus Roncalle setzt in seinem neuen Programm  „ArtistArt“ auch wieder auf Clowns. (Foto: Bertramd Guay)

Bei Roncallis Gastspiel „ArtistArt“ von 24. Oktober bis 7. Dezember im Werksviertel begnügt sich der Gast gerne mit dem legendären Popcorn (oder holt sich einen Imbiss bei Herzi’s Schlemmer-Bus am Riesenrad). Und Tollwood verzichtet wieder ganz aufs Bio-Menü: Im großartigen kleinen Ein-Mann-Zirkus von Johann Le Guillerme steht allein die poetische Artistik im Mittelpunkt. So auch bei den Produktionen für zeitgenössischen Zirkus: beim brandneuen Akrobatik-Tanz-Theater „Reflection“ in der Pasinger Fabrik oder dem internationalen Freeman Festival mit experimentellen Shows, Diskussion, Kursen und Party (14. bis 16. November).

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