Eine Diva, so steht es im Duden, ist eine Person, die „durch besondere Empfindlichkeit oder durch exzentrische Allüren auffällt“. Diese Umschreibung passt indes so ganz und gar nicht zu jener zehnjährigen Akitahündin, die just auf diesen Namen hört. Denn Diva fristete bei ihrer Halterin im Münchner Stadtteil Hasenbergl ein gänzlich allürenfreies Leben, das eher einem Martyrium glich.
Aus diesem ist die Hundeoma nun befreit worden – „dank einer aufmerksamen Bürgerin“, betont Kristina Berchtold vom Tierschutzverein München. Nach Jahren, in denen Diva mutmaßlich nahezu rund um die Uhr auf einem winzigen Balkon leben musste, wird sie aktuell in der Quarantänestation des Tierheims aufgepäppelt. Anschließend soll die Hündin an ein neues Zuhause vermittelt werden.

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„Divas Fall zeigt wieder einmal, wie wichtig es ist, hinzuschauen“, sagt Berchtold. Genau das hat eine Münchnerin getan, die auf die Hündin aufmerksam wurde und sich an den Tierschutzverein wandte. Als dessen Tierschutzinspektor Raffael Stock daraufhin die Halterin in deren Wohnung im zweiten Stock aufsuchte, bot sich ihm ein erschreckendes Bild. Die blinde und fast taube Hündin lebte fast permanent auf einem vier Quadratmeter großen Balkon – ohne Decke und ohne Polster, ohne Fürsorge und offensichtlich ohne tierärztliche Versorgung. „Sie hatte offene Stellen an den Pfoten und bewegte sich nur unsicher und schwankend“, erzählt Raffael Stock. Allein der Halterin schien der bemitleidenswerte Zustand ihrer Diva gar nicht aufzufallen. „Sie hatte offensichtlich nicht das nötige Bewusstsein, um zu verstehen, was sie dem Tier da antut“, sagt Stock.
Der Inspektor meldete den Fall umgehend dem Veterinäramt, das die Fortnahme der Hündin anordnete – was bereits drei Tage später geschah. In der Tierarztpraxis des Tierheims in Riem bestätigte sich dann der schlimme Verdacht: Diva sei in einem „chronisch schlechten Pflege- und Ernährungszustand“ gewesen, heißt es in einer Mitteilung des Tierschutzvereins.
Die Hündin offenbart ein erstaunliches Verhalten
Demnach war die Hündin stark untergewichtig, ihre Haut extrem trocken, juckend und schuppig, und das Fell habe sich büschelweise auszupfen lassen. Zu Seh- und Hörverlust seien massive Zahnprobleme gekommen sowie entzündete Hautstellen und deutlich zu lange Krallen. „Ein alter, schwer kranker Hund, der offenbar viel zu lange sich selbst überlassen wurde“, heißt es vom Tierschutzverein.
Doch trotz Blindheit, Schmerzen und jahrelanger Isolation sei Diva außergewöhnlich lieb und zutraulich, berichtet Kristina Berchtold. So suche das Tier nicht nur die Nähe zu Menschen, sondern lasse sich auch ruhig anfassen und nehme jede Zuwendung dankbar an. Dies erstaunt umso mehr, als die Hündin bislang wohl nur wenig Liebe von Menschen erfahren hat. Im Falle der Halterin sei diese selbst gesundheitlich eingeschränkt und offenbar nicht mehr in der Lage gewesen, ihr Tier zu versorgen, heißt es vom Tierschutzverein.
Jedoch seien Angehörige der Frau in deren Wohnung ein und aus gegangen. Dass von ihnen niemand einschritt, um Diva von ihrem Leid zu erlösen, nennt Berchtold „unverständlich“. In dem Zusammenhang appelliert der Tierschutzverein an alle, die ähnliche Beobachtungen machen, derlei Vernachlässigungen konsequent zu melden. Denn: „Tiere können ihre Not nicht artikulieren. Sie sind darauf angewiesen, dass Menschen für sie sorgen und handeln.“

