Film:Grütters' Abschiedsauftritt

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Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2021

Geld für den Film "Gör": Die Filmemacherinnen Melissa Byrne (links) und Anna Roller (rechts) erhalten von Kulturstaatsministerin Monika Grütters (Mitte) bei der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises 2021 eine Auszeichnung in der Kategorie "Spielfilm bis 10 Minuten Laufzeit".

(Foto: Tobias Hase/dpa)

Die scheidende Kulturstaatsministerin Monika Grütters verleiht in der Hochschule für Film und Fernsehen in München die Deutschen Kurzfilmpreise 2021 - eine der Lolas geht an den Film "Gör".

Von Josef Grübl, München

Ellenbogen-Check oder "Fist Bump": was ist der gebührende Abschiedsgruß bei der Verleihung des Deutschen Kurzfilmpreises? Während die einen Preisträger ihre Ellenbogen aneinanderstoßen, setzen die anderen auf den Faustgruß, hierzulande auch als "Merkel-Faust" bekannt. Ihr Gegenüber bleibt indes stets dieselbe: Die scheidende Kulturstaatsministerin Monika Grütters ist am Donnerstagabend in der Hochschule für Fernsehen und Film (HFF) im Dauereinsatz, sie lässt sich mit allen Anwesenden mindestens einmal fotografieren, hält die Eröffnungsrede und überreicht alle Trophäen, inklusive Ellenbogen- oder Fausteinsatz.

Pandemiebedingt ist der große Kinosaal der HFF nur spärlich besetzt, überwiegend mit den Nominierten sowie den Laudatorinnen Maria Furtwängler oder Natalie Spinell. Die restlichen Gäste sitzen in den anderen Sälen oder streamen die Verleihung zuhause am Rechner. Insgesamt sechs Lolas kann die eifrige Monika Grütters bei ihrem vermutlich letzten offiziellen Auftritt übergeben, ihre Nachfolgerin Claudia Roth steht bereits in den Startlöchern. Mit 275 000 Euro ist der Preis üppig dotiert, auch die Nominierten gehen nicht leer aus.

Mit einem Zitat von Michael Haneke gibt Grütters die Richtung vor: Der österreichische Regisseur sagte einmal, er weigere sich, Film als Industrieprodukt zu sehen. Hier geht es also mehr um Kunst und weniger um Konsens, die Filme sollen innovativ und kreativ sein. Gerade zu Beginn einer Filmemacherkarriere ergibt das durchaus Sinn, später im Beruf muss man sich ohnehin auf Kompromisse einlassen. Und so geht die Lola für den besten Experimentalfilm an ein Werk, in dem zwei Männer ausgiebig stepptanzen ("One Hundred Steps"). Der beste Animationsfilm erzählt von einer Kreuzfahrt ins Ungewisse ("Doom Cruise"), die Gewinnerin Hannah Stragholz freut sich so sehr, dass sie Grütters entgegenhüpft - vermutlich die charmanteste Form der Begrüßung an diesem Abend.

Weitere Preise gehen an "Disjointed" für den besten Dokumentarfilm, an "Proll!" (bester Spielfilm mit einer Laufzeit von 10 bis 30 Minuten) und an "First Time" (Sonderpreis). Auch zwei HFF-Studentinnen dürfen sich freuen: Anna Roller und Melissa Byrne gewinnen in der Spielfilmkategorie bis zehn Minuten Laufzeit; in ihrem Mutter-Sohn-Drama "Gör" geht es um eine doppelte Kindheit - eine bereits verlorene und eine auf Rettung hoffende.

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