Hochhäuser in MünchenJetzt kommen die Vorboten der New-Yorkisierung

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Die Simulation zeigt, wie die beiden 155 Meter hohen Hochhäusern im Neubaugebiet an der Paketposthalle einmal aussehen sollen.
Die Simulation zeigt, wie die beiden 155 Meter hohen Hochhäusern im Neubaugebiet an der Paketposthalle einmal aussehen sollen. (Foto: Herzog/de Meuron)

Bereits Karl Valentin soll einst gegen hohe Häuser geätzt haben - damals noch wegen 45 Metern. Da ist München mittlerweile bedeutend weiter.

Glosse von Andreas Schubert

Alle Münchnerinnen, Münchner und Münchenden, die in Gedanken hoch hinaus wollen, dürfen seit dieser Woche aufatmen: Die Justiz hat gesprochen, endlich, endlich darf die bayerische Landeshauptstadt mehr Metropole wagen und zwei Hochhäuser an der Paketposthalle in Neuhausen erlauben, ein Bürgerentscheid dagegen ist illegal. Die 155 Meter hohen Türme würden in den echten Metropolen dieser Welt zwar eher als bessere Gartenhäusl durchgehen. Für viele Bewohner Münchens sind diese Ausmaße freilich die Vorboten der New-Yorkisierung – und man weiß ja, dass von dort nicht ausschließlich Gutes kommt.

Es beginne zu „neuyorkeln“, soll Karl Valentin vor 97 Jahren geätzt haben, als die Stadt das 45 Meter hohe Technische Rathaus an der Blumenstraße aufstellte, ein Jahr bevor sie im echten Manhattan ein fast zehnmal so hohes Trumm in die Gegend pflanzten. Aber so richtig geneuyorkelt hat es dann nie an der Isar, geschweige denn gedubait oder gehongkongelt. Nein, es frankfurtelt bis heute nicht einmal, auch nicht ansatzweise und auch nicht mit den künftigen Büschl-Towern, dem Burj Büschl, oder wie auch immer die Hütten mal heißen werden.

Aktuell trösten sich einige Hochhausgegner, indem sie ihre Gartenzwergsammlung mal wieder auf Hochglanz polieren und grübeln dabei nach, ob es nicht doch noch einen Trick gibt, den ländlichen Charakter ihres Landeshauptmillionendorfs zu bewahren. Es ist für sie schon schlimm genug, dass statt Pferdekutschen Trambahnen durchs Dorf rollen, die Idylle stören und so laut bimmeln, dass man die Kuhglocken nicht mehr hört. Da muss nicht auch noch die Frauenkapelle im Ortskern im Schatten zweier böser Zwillingstürme stehen, denen die Architekten nicht einmal Zwiebelhauben gegönnt haben.

Die Freunde hochtrabender Baupläne freuen sich andererseits schon auf einen Biergarten auf der Dachterrasse – so viel Heimatpflege muss sein. Kann man sich etwas Schöneres vorstellen als einen Obazdn und eine Brezn mit Blick von oben herab auf den altmodischen Hirschgarten, wo sich das Fußvolk tummelt? Angeblich übernimmt ein bekannter Promi- respektive Wiesnwirt das Dach. Dass die Mass dann wahrscheinlich einen Euro pro Stockwerk kosten und es über den Dächern von Neuhausen zumindest preislich neuyorkeln wird, dürfte dabei feststehen.

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SZ PlusVon Elisa von Grafenstein, Julian Hosse und Sebastian Krass

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