Hitze in der StadtWo München cool bleibt

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Wasserspiele in zentraler Lage: Am und im Stachusbrunnen können sich Klein und Groß erfrischen.
Wasserspiele in zentraler Lage: Am und im Stachusbrunnen können sich Klein und Groß erfrischen. Florian Peljak

Es ist heiß – und die Temperaturen sollen weiter steigen. An einigen Stellen der Stadt aber lässt es sich auch dann gut aushalten. Sechs Tipps, wo und wie in München Abkühlung zu finden ist.

Von SZ-Autorinnen und -Autoren

Das Wetter wird in München seit 1771 aufgezeichnet. Dabei werden – unter anderem – warme Tage, Sommertage und heiße Tage gezählt. Als warm zählt ein Tag, wenn die Maximaltemperatur 20 Grad Celsius oder mehr erreicht. Ab 25 Grad wird der Tag zum Sommertag und ab 30 Grad zum Hitzetag. In dieser Woche soll diese Marke regelmäßig geknackt werden. Sechs Tipps, wo sich in München dann Kühle finden lässt.

Kirchen

Den Reflex haben manche Menschen nur im Urlaub: Wenn die Sonne vom Himmel brennt, nichts wie rein in die nächste Kirche! Kein Eintritt und sekundenschnell herunterkühlen hinter zuweilen jahrhundertealtem Gemäuer – Kontemplation gibt’s bei Bedarf gratis dazu.

79 Kirchen haben sich auf der Karte der kühlen Orte der Landeshauptstadt eingetragen – neben Plätzen zum Trinkwasserschöpfen oder Schwimmbädern: https://geoportal.muenchen.de/portal/kuehle_orte/.

Florian Peljak

„Unsere von Haupt- und Ehrenamtlichen mit großem Einsatz gepflegten Kirchen stehen das ganze Jahr für alle offen, die Kraft für die Seele schöpfen möchten“, lässt der Verwaltungschef der Erzdiözese München und Freising, Generalvikar Christoph Klingan, den Münchnern ausrichten: „Wenn Menschen dort auch körperliche Erholung erfahren, dann freut uns das umso mehr.“ Frische Luft bieten Kirchen von St. Anna im Lehel bis Herz Jesu in Neuhausen. Teilweise sind auch die Sanitäranlagen frei zugänglich.

Hitzeschutz, Aufenthaltsräume, kostenloses Trinkwasser und Sonnencreme hält für Menschen ohne Obdach unter anderem der Katholische Männerfürsorgeverein München bereit in seinem Haus an der Pilgersheimer Straße 9 bis 11. Offen stehen außerdem die Räume der Marianischen Männerkongregation an der Kapellenstraße 1, montags bis freitags 13 bis 14 Uhr. ands

Trinkwasserbrunnen

Spanische Städte sind München voraus, in der Zahl der Hitzetage, aber auch bei den Trinkwasserbrunnen. Lässt sich dort wie selbstverständlich gefühlt alle paar Meter Wasser tanken, wird in München ein Netz von öffentlichen und kostenlosen Trinkwasserstellen ganz langsam ausgebaut. 90 dieser Zapfstellen gebe es laut Baureferat derzeit, ein paar weitere seien geplant, Ende des Jahres sollen es knapp 100 sein. Um nicht zu dursten oder teure Getränke kaufen zu müssen, sollte man immer Trinkbares dabeihaben oder im passenden Stadtteil unterwegs sein.

Leonhard Simon

Die städtische Karte der kühlen Orte, auf denen auch die Trinkwasserbrunnen verzeichnet sind, zeigt, dass das Netz in der Innenstadt vergleichsweise dicht ist, vor allem auf und rund um den Viktualienmarkt gibt es einige davon. Aber schon auf der Hauptachse der Fußgängerzone, wo täglich Zehntausende Menschen laufen, in der Neuhauser und Kaufingerstraße, sind sie selten: Die städtische Karte verzeichnet nur je einen Trinkwasserbrunnen am Stachus-Rondell und einen auf dem Marienplatz vor dem Alten Rathaus. In der gesamten, dicht bebauten Maxvorstadt etwa sind nur zwei Zapfstellen eingezeichnet, am Josephsplatz und im Maßmannpark. In der Isarvorstadt hingegen gibt es keinen einzigen. beka

Eisbach am Englischen Garten

Das Problem an vielen kühlen Orten in der Stadt: Sie bieten außer Schatten wenige Reize. Wenn man mit Kindern unterwegs ist, kann das schnell zum Problem werden. Action sorgt für Kurzweil, und es gibt tatsächlich einen Platz, an dem sich Unterhaltung und Erfrischung ganz wunderbar verbinden lassen: die Eisbachwelle am Haus der Kunst, der beliebte und weltbekannte Surfspot, direkt neben dem Museum gelegen.

Leonhard Simon/Reuters

Der Eisbach, der hier aus seinem unterirdischen Zuflusslabyrinth in den Englischen Garten sprudelt, bringt eine wunderbare Kühle. Das Rauschen der Welle ist ein entspannter Klang. Wer mag: Kühle Getränke lassen sich nicht weit entfernt erstehen. Und gibt es etwas Kurzweiligeres, als die Artistik der Surfer zu bestaunen?

An den Wochenenden kann es eng werden an den Ufern, doch ansonsten finden sich oft Plätze an den mit hohen Bäumen bestandenen Ufern. Wer sich setzen mag, sollte an eine Unterlage denken. Und wer mag, kann sich so platzieren, dass er von den Wellenkünstlern beim Wenden mitunter nass gespritzt wird. hof

Hofbrunnwerk im Hofgarten

Je näher man dem Herz der Stadt kommt, desto kniffeliger wird es, Orte zu finden, die nicht von kommerziellen Interessen geprägt sind, die Kühle bieten und noch dazu eine gewisse Abgeschiedenheit. Für alle, die derlei suchen – etwa als kurzes Zwischenprogramm zum Runterkommen bei einem Shoppingbummel –, sei das Hofgarten-Brunnwerk empfohlen.

Florian Peljak
Florian Peljak

Der Hofgarten mit dem 1615 errichteten Pavillon im Zentrum ist schön und bietet auch einige Schattenorte – ein Geheimtipp aber ist er nicht. Wer in ihm Verwunschenes sucht, der sollte sich auf die Nordseite des Unteren Hofgartens begeben. Dort befindet sich der Eingang zum Hofbrunnwerk, einem wasserkraftbetriebenen Pumpwerk, das einst angelegt wurde, damit die Brunnen im Garten sprudeln konnten.

Die Technik ist antik (und durch Gitter zu bestaunen), die Geschichte des Ortes spannend (und durchaus lohnenswert nachzulesen), vor allem aber ist es hier immer einige Grad kühler als in der brennenden Sonne, und es ist wirklich selten viel los. Ein echtes Kontrastprogramm zum üblichen Innenstadtrummel.

Von April bis Oktober ist das Hofbrunnwerk täglich von 10 bis 14 Uhr in Betrieb – und frei zugänglich. hof

Wasserspielplatz im Prinz-Eugen-Park

Robert Haas

Es gibt ja diese Tage, da ist es so heiß, dass man sich eigentlich gar nicht bewegen will. Isar, Schwimmbad, Feringasee? Alles zu weit. Die Rettung: der Wasserspielplatz um die Ecke.

Einen besonders schönen gibt es in Oberföhring im Prinz-Eugen-Park. Auf den ersten Blick wirkt er fast abweisend, aber die Stein-Landschaft mit Wasserpumpen und Sand drumherum ist ein idealer Ort für Kinder.

Bäche oder Wassergraben für die Sandburg anlegen, Wasserpistolen auffüllen und eine Dusche nehmen, alles möglich. Die Eltern können im Schatten der großen Bäume sitzen und zusehen. Wer schnell ist, bekommt vielleicht sogar einen Platz auf einer der großen Hängematten. Ein heißer Tag lässt sich hier gut aushalten – und die nächste Eisdiele ist auch nicht weit. kaal

Verwunschener Trampelpfad an der Isar

Quer liegende Baumstämme und uriges Wurzelwerk, Vogelgezwitscher und Wasserrauschen: Der Trampelpfad gleich rechts der Isar, nordwärts von der Max-Joseph-Brücke hat etwas von einem Märchenwald. Der ist zwar alles andere als barrierefrei, dafür kann man hier auch bei 30 Grad noch spazieren, ohne dass die Sonne einem den Kopf versengt. Hochgewachsene Silberweiden und Schwarzpappeln, Eschen und Ulmen bilden einen schützenden Baldachin.

Viktoria Spinrad

So bleibt der Kopf kühl genug zum Staunen. Über die frisierten Rassehunde, die hier aus der Villenkolonie heraus ihren Freigang bekommen. Über die Vogelflüsterin, die hier gerne mit Enten auf dem Schoß sitzt. Über das Fahrrad, das mitten im Baum hängt. Die vom Biber kunstvoll dezimierten Baumstämme. Oder den Kanufahrer, der gleich links des Pfades im Wasser einsam die Isar entlang schwappt.

Es ist eben ein echter Abenteuerpfad, auch aus rechtlicher Sicht. Im Auwald gilt: Betreten auf eigene Gefahr. Aber eben auch auf eigenen Genuss, solange man nicht über das Wurzelwerk stolpert. Und wird es einem nach ein paar Kilometern doch mal zu heiß, kann man die Füße ja immer noch niederschwellig in die Isar tunken. vfs

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