Kreative Musik in MünchenJunge, innovative Klassik: Die Höhepunkte des Hidalgo Festivals

Lesezeit: 3 Min.

„Die Musik ist nicht in den Noten, sondern in der Stille dazwischen“, wird Mozart zitiert. Das Hidalgo Festival bringt die Stille zum Klingen.
„Die Musik ist nicht in den Noten, sondern in der Stille dazwischen“, wird Mozart zitiert. Das Hidalgo Festival bringt die Stille zum Klingen.
Lino Mirgeler

Musik in völliger Dunkelheit und ein Konzert im Bettenhaus: Das Hidalgo Festival in München verspricht erneut intensive Erlebnisse – das Motto in diesem Jahr: Pause. Erfahrbar zum Beispiel bei einer „Kunstpause to go“.

Von Jutta Czeguhn

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Hidalgo legt eine Pause ein. Schockmoment. Betretene Stille. Wieder eine wundervolle Kulturinstitution, die in diesen Zeiten ...  Jetzt mal ganz ruhig Blut und die Schnappatmung einstellen! Hidalgo, das Münchner Festival für junge, innovative Klassik, lebt, ist wohlauf und kreativ wie eh und je. Die Pause, ja, genau um die geht es in der Ausgabe vom 5. bis zum 13. September 2026. Wie immer wird der Konzertbegriff fröhlich und klug erweitert. Und jetzt mal Pscht!

Die Pause in der Musik. Die Zitatenschleuder, sprich die KI, spuckt da ganz viel Schönes aus. So soll Mozart gesagt haben: „Die Musik ist nicht in den Noten, sondern in der Stille dazwischen.“ Und wie zum Beweis „komponierte“ ja John Cage sein „4’33”, in dem der Pianist am Klavier sitzt, minutenlang alles Mögliche tut, aber keine einzige Taste anschlägt. Ruhe herrscht trotzdem nicht im Saal. Raschel, Hüstel, Wumms, der Klavierdeckel wird am Ende wieder geschlossen. Applaus, Applaus.

Applaus auch schon mal für das junge Hidalgo-Team um Anne Keckeis und Gregor A. Mayrhofer, die die künstlerische Leitung haben, für dieses Festivalmotto, denn wenn sie die Pausentaste drücken, klingt das gewiss wunderbar abenteuerlich.

Traditionell geht es bei Hidalgo erst mal hinein in die Stadt, in ihre Viertel: An die 30 Minikonzerte à 15 Minuten gibt es am Samstag, 5. September. Unter dem Motto „Kunstpause to go“ ziehen die Musikerinnen und Musiker mit zwei Klavieren durch München. Wo genau man ihren Liedern aus allen Jahrhunderten kostenlos lauschen und ein Päuschen einlegen kann, soll noch bekannt gegeben werden.

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Ob man Probeliegen darf während des Wandelkonzerts im Bettenhaus Bähren an der Lindwurmstraße 125, wenn Hidalgo am 8. und 9. September (Beginn jeweils 20 Uhr) dorthin zu den „Goldbettvariationen“ einlädt? Und dabei die weise Frage stellt: „Ruhe kann man angeblich kaufen – aber lässt sie sich auch finden?“

Wer keine Ruhe fand, war Graf Hermann Carl von Keyserling. Weil sich der Mann notorisch zwischen seinen Kissen wälzte, musste sein Privatmusikus Johann Gottlieb Goldberg im Nebenzimmer des Nachts heitere Stücke klimpern. Johann Sebastian Bach hat dem geplagten Adligen, so sagt es die musikologische Legende, ein paar Noten „zur Gemüths-Ergetzung“ komponiert, die nach dem ebenso gequälten Klavierspieler zu Weltruhm kamen: die „Goldberg-Variationen“. Sie sind natürlich zu hören im Bettenhaus, ebenso wie Stücke von Krzysztof Penderecki, Bruno Mantovani und Johnny W. Green. Gestaltet und inszeniert wird der Abend von Studierenden der Hochschule für Musik und Theater München.

Aufsehenerregende Architektur: Auch die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen ist Spielort bei Hidalgo, hier sieht man die sonst geschlossene 14 Meter hohe Glaspforte geöffnet.
Aufsehenerregende Architektur: Auch die Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen ist Spielort bei Hidalgo, hier sieht man die sonst geschlossene 14 Meter hohe Glaspforte geöffnet.
Catherina Hess

Um Resilienz und die Kraft, nach einem Halt wieder aufzustehen, geht es beim Konzertabend in der architektonisch so aufregenden Herz-Jesu-Kirche in Neuhausen. Am 10. September (Einführung: 19.15 Uhr, Konzertbeginn: 20 Uhr) ist das „Requiem“ des estnischen Komponisten Jüri Reinveres für Flöte, vier Männerstimmen (Die Neuen Vocalsolisten) und Elektronik zu hören, zudem gibt zwei Uraufführungen mit Werken von Monika Mattiessen und Madli Marje Gildemann.

„Scrollen in Tiefsee“  hieß ein  „Lyrisches Gesamtkunstwerk“ von Tom Wilmersdörffer, das bei der Hidalgo-Ausgabe 2019 in der Black Box im alten Gasteig zu sehen war.
„Scrollen in Tiefsee“  hieß ein  „Lyrisches Gesamtkunstwerk“ von Tom Wilmersdörffer, das bei der Hidalgo-Ausgabe 2019 in der Black Box im alten Gasteig zu sehen war.
Max-Ott

Ortswechsel: Aus dem modernen Sakralbau mit seinem ausgefeilten Lichtkonzept geht es in dem Saal X im HP8. Das Auge soll Pause machen bei diesem Konzert in völliger Dunkelheit am 11. September (20 Uhr). Die Besucher bekommen zudem die Augen verbunden. „Was passiert, wenn wir dem Hören die Führung überlassen?“, fragen die Hidalgos. Mit geschärften Sinnen wahrnehmen wird man die Stimme von Sopranistin Katharina Ruckgaber und das Spiel des Münchner Ensembles Der Gelbe Klang. Und das Publikum kann ganz tief in sich hineinhören bei beispielsweise Robert Schumanns
„Kennst du das Land?“ oder Alexander Zemlinskys
„Geflüster der Nacht“.

Und schließlich, und das klingt schon beinahe nach Zen: „Sieben Wege, nichts zu tun“. Alle Anhänger der Prokrastination und Auf-den-Letzten-Drücker-Philosophie werden sich am 13. September (18 Uhr, freier Eintritt mit Zählkarte) bestätigt finden, wenn im bunten Flux-Bau bei der Pinakothek der Moderne die Aufschieberitis als kreativer Akt gefeiert wird. Eine Performerin und zwei Percussionisten werden Alltagsgegenständen wie Plastikflaschen oder wie Staubsaugerrohren Musik entlocken.

Hidalgo, Festival für junge Klassik, Samstag, 5., bis Sonntag, 13. September, diverse Orte in München, Infos unter www.hidalgofestival.de

Weltklasse-Percussionist Martin Grubinger
:„Das Leben als Schlagzeugsolist kostet sehr viel Energie“

Hätte Mozart einen genialen Schlagzeuger wie Martin Grubinger gekannt, wäre die Musikgeschichte vielleicht anders verlaufen. Der Percussionist ist in diesem Jahr Juror beim ARD-Musikwettbewerb.

SZ PlusInterview von Paul Schäufele

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