München heute:Person am Flaucher von Hochwasser eingeschlossen / Kardinal Marx bittet um Entschuldigung

Statement zu Missbrauchsfällen in der Kirchengemeinde Garching, Reinhard Marx, Missbrauch, Herz-Jesu-Kirche in Garching

Kardinal Reinhard Marx mit Gemeindemitgliedern.

(Foto: Felix Hörhager/dpa)

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Von Jakob Wetzel

Das Pfarrheim von Sankt Nikolaus in Garching an der Alz ist eigentlich ein sehr transparenter Ort. Der Pfarrsaal öffnet sich mit einer breiten Fensterfront zum Hof. Doch an diesem Samstag haben sie die Vorhänge lieber zugezogen, denn andernfalls wäre das Pfarrheim wohl zum Schaukasten geworden. Drinnen hätten sie ein sehr offenes Gespräch geführt, hieß es später. Draußen warteten derweil Journalistinnen und Journalisten, Kameraleute und Ton-Assistenten. Stundenlang.

Kardinal Reinhard Marx, Erzbischof von München und Freising, ist am Samstag ins östliche Oberbayern nach Garching gefahren, um die Menschen dort um Verzeihung zu bitten. Er hat sich entschuldigt, mehrfach, für sich selbst und für seine Kirche. Dafür, dass 1987 ein Pfarrer in den Pfarrverband Garching-Engelsberg versetzt wurde, der bereits wegen sexuellen Missbrauchs von Minderjährigen verurteilt worden war und der sich in Garching erneut an mindestens drei Jugendlichen verging. Dafür, dass den Menschen in Garching niemand gesagt hatte, wer da zu ihnen kam. Dafür, dass sich die Aufarbeitung so schleppend hinzieht, seit vielen Jahren. Und er sagte, die Missbrauchsfälle müssten dazu führen, dass sich die Kirche verändere.

Die Fahrt des Kardinals kam spät, wegen der Pandemie, hieß es. Für Rosi Mittermeier von der "Initiative Sauerteig", die sich vor Ort um Aufklärung und Aufarbeitung bemüht, muss sie jetzt aber Schule machen. Denn alleine der "Fall Garching" reicht weit über diesen Pfarrverband hinaus. Der Pfarrer war zuvor im Bistum Essen tätig gewesen sowie in Grafing bei München. Später arbeitete er in Bad Tölz. Und er war, weiß Gott, nicht der einzige Täter. Zum Gespräch am Samstag ist ein Betroffener aus Nordrhein-Westfalen angereist, ein früherer Ministrant des Pfarrers. Vor dem Pfarrheim kamen zugleich vier Männer zum stillen Protest zusammen. Keiner von ihnen kannte den Pfarrer von Garching, aber mehrere von ihnen sind ebenfalls Opfer von Missbrauch. Sie forderten, dass endlich alles auf den Tisch komme: dass keine Studien mehr zurückgehalten werden, dass niemand mehr so tut, als hätte er von nichts wissen können. Es wird nach dem Tag von Garching noch viele solche Gespräche und Entschuldigungen brauchen, um nach vorne sehen zu können.

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© SZ.de/mkam
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