Süddeutsche Zeitung

München heute:Kritik am Kollegah-Konzert / Mehr Geld für das Deutsche Museum

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"Es ist unerträglich, dass heute noch ein vermeintlicher Künstler wie Kollegah in München auftreten kann", sagt die Münchner Ehrenbürgerin Charlotte Knobloch. Ganz ähnlich äußert sich der Rapper und Autor Ben Salomo: Solche "Auftritte einfach geschehen zu lassen, wäre meiner Ansicht nach ein fatales Signal. Und lediglich zu demonstrieren, halte ich in Zeiten wie diesen für wenig effektiv." Ob also der Skandal-Sänger mit dem bürgerlichen Namen Felix Blume wie bislang angekündigt am 14. Dezember auf der Bühne des Münchner Clubs "Backstage" stehen wird, ist mehr als offen.

Der Rap-Star bestreitet vehement, Antisemit zu sein. Das geht freilich am Thema vorbei. Denn auch, wer mit judenfeindlichen Klischees spielt, um verkaufsfördernde Aufregung zu produzieren, wer verschwörungstheoretischen Unsinn verbreitet, wer meint, es seinem "Gangsta"-Image schuldig zu sein, jeder Entschuldigung die nächste Entgleisung folgen zu lassen, hilft, dass Unsägliches sagbar wird. Zumal, wenn seine Fangemeinde so groß ist wie bei Kollegah.

"Austausch, Dialog, Information und Sensibilisierung geht für uns primär vor Ablehnung und Stigmatisierung", heißt es im Backstage-Leitbild. Falls Club-Betreiber Hans-Georg Stocker dem Radau-Rapper in den nächsten Tagen dennoch den Stecker zieht, dann auch aus der bitteren Erkenntnis heraus: Im Fall von Kollegah, der Dialog bei nächstbester Gelegenheit durch Hohn ersetzt, der trotz anderslautender eigener Bekundungen ohne jede Sensibilität über die Gefühle von Juden, Frauen, Schwulen hinwegreimt, der Minderheiten stigmatisiert, weil man das in einem Teil der Szene halt so macht, ist der Versuch einer kritischen Begleitung von vornherein zum Scheitern verurteilt. Dass Stocker das möglicherweise zu spät erkannt hat, ändert aber nichts daran, dass der Grundgedanke richtig ist.

Ja, es ist schlimm, wenn junge Leute abends im Konzert Sätze hören, die nicht zu benutzen eigentlich gesellschaftlicher Konsens sein sollte. Und ja, es ist schlimm, dass das nicht nur in der Hip-Hop-Szene offenbar als Teil der Subkultur-Folklore verharmlost oder erst gar nicht zur Kenntnis genommen wird. Und auch wahr: Es ist ein Problem der Veranstalter. Vor allem aber ist es ein Problem der Gesellschaft. Es ist ein bisschen wie mit historisch belasteten Straßennamen: Die eindeutigen Fälle sind leicht auszusortieren. Viel schwieriger ist der Umgang mit der Grauzone. Eine mögliche Absage des Kollegah-Konzerts ist wertlos, wenn danach nicht endlich die breite öffentliche Debatte darüber beginnt, warum in bestimmten Szenen verbale Widerlichkeiten zum angeblich guten Ton gehören. Wenn Veranstalter wie Stocker zu diesem Dialog beitragen wollen, sollte man sie unterstützen. Denn nur so gelingt es, mit einer Fanszene zu reden, statt ausschließlich über sie.

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