ErwachsenenbildungDie Münchner Volkshochschule wagt den Blick in die Zukunft

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Blick nach vorne: Die Volkshochschule startet mit dem Schwerpunkt „Zukünfte“ in den Herbst, wie sie mit dieser Illustration symbolisiert.
Blick nach vorne: Die Volkshochschule startet mit dem Schwerpunkt „Zukünfte“ in den Herbst, wie sie mit dieser Illustration symbolisiert. VHS

Vorträge, Lesungen und Diskussionen – die Münchner Volkshochschule kehrt mit einem neuen Programm zurück. Dieses Mal im Fokus: die „Zukünfte“.

Von Daniel Kuhn

Was bringt die Welt von morgen? Antworten auf diese Frage sind schwierig und oft wenig erfreulich – angesichts der Kriege in Europa und der Welt, angesichts der Renaissance autoritärer Kräfte und auch angesichts des Klimawandels. Trotzdem wagt die Münchner Volkshochschule (MVHS) in ihrer offenen Akademie den Blick nach vorn: Das Schwerpunkt-Thema für diesen Herbst lautet „Zukünfte“. Von September bis November geht es bei Diskussionen, Vorträgen, Filmen und Lesungen um die verschiedenen Versionen der Zukunft, die uns erwarten könnten.

Daneben deckt die MVHS noch eine große Bandbreite weiterer Themen ab, mit Veranstaltungen unter anderem zu jüdischem Leben in der arabischen Welt, internationalen Reisezielen, körperlicher und geistiger Gesundheit oder Quantenphysik.

Schwerpunkt Zukünfte: Foto-Ausstellung

In ihrer Serie „Soft Skills“ hat die deutsch-japanische Künstlerin Naho Matsuda Hoffnungen von Schülerinnen und Schülern zu Fan-Schals verarbeitet. In der Ausstellung Futur II werden sie zu sehen sein.
In ihrer Serie „Soft Skills“ hat die deutsch-japanische Künstlerin Naho Matsuda Hoffnungen von Schülerinnen und Schülern zu Fan-Schals verarbeitet. In der Ausstellung Futur II werden sie zu sehen sein. Naho Matsuda

Das Programm der offenen Akademie beginnt zunächst mit einem Blick in die Vergangenheit. Am 14. Oktober eröffnet der Historiker Lucian Hölscher um 19 Uhr den Schwerpunkt mit seinem Thema: die Entdeckung der Zukunft. Seiner Meinung nach wurde Zukunft lange als etwas Vorherbestimmtes und Unveränderbares angesehen. Erst in der Frühen Neuzeit sei unser Konzept von Zukunft „entdeckt“ worden: Von da an lernten die Menschen, daran zu glauben, selbst ihr Schicksal bestimmen zu können. Wie es zu dieser Entdeckung kam und wie sich unsere Zukunftsvorstellungen seitdem entwickelt haben, erklärt er in seinem Vortrag.

Von Berufs wegen in die Zukunft schaut der Zukunftsforscher Ulrich Eberl. Er erklärt am 28. Oktober, 18.30 Uhr, seine Wissenschaft. Dabei geht es um die Methodik der Zukunftsforschung – die Frage, was wir überhaupt über die Zukunft wissen können, und warum es trotz allem gute Gründe gibt, optimistisch zu bleiben. Vom 12. November bis 22. Februar bietet die MVHS dazu einen kreativen Zugang zu dem Thema. In der Ausstellung „Futur II“ in der Aspekte Galerie der Einsteinstraße 28. präsentieren sechs Künstlerinnen und Künstler ihre Vorstellung von Gegenwart und Zukunft in Skulpturen, Installationen, Wort und Bild.

Schwerpunkt Zukünfte: Foto-Ausstellung

Wie umgehen mit der rasanten Entwicklung von künstlicher Intelligenz? Die Münchner Volkshochschule diskutiert das Thema in einer Reihe an Veranstaltungen.
Wie umgehen mit der rasanten Entwicklung von künstlicher Intelligenz? Die Münchner Volkshochschule diskutiert das Thema in einer Reihe an Veranstaltungen. Christian Ohde/IMAGO

Wenn über die Zukunft gesprochen wird, dann findet das Gespräch über kurz oder lang zur künstlichen Intelligenz. Auch die MVHS lässt sich das Thema nicht entgehen: Am 23. Oktober zeigt die Volkshochschule von 18 Uhr an den Dokumentarfilm „Watching You“.  Thema ist das US-Unternehmen „Palantir“, das durch KI Massenüberwachung und Kriegsführung revolutioniert, sowie sein CEO Alex Karp.

Ruhiger und näher am Alltag wird es beim Podiumsgespräch am 27. Oktober. Von 18 Uhr an diskutiert Ute Schmid aus dem bayerischen KI-Rat mit Roland Stürz, dem Leiter des Bayerischen Forschungsinstituts für Digitale Transformation, darüber, wann wir künstlicher Intelligenz vertrauen können und sollten.

Die Verbindung von KI und Robotik beflügelte schon lange die Fantasie von Autorinnen und Autoren. Wie weit wir in dieser Fusion in der Realität schon gekommen sind, wie KI-Roboter genutzt werden könnten und welche Hürden noch bleiben, erklärt Ulrich Eberl am 18. November um 18 Uhr.

Zukunftsforscher Ulrich Eberl mit Roboter Nao.
Zukunftsforscher Ulrich Eberl mit Roboter Nao. (Foto: Claus Schunk)

Zwei Tage später, am 20. November um 18 Uhr, gehen die beiden Regisseure Hans Block und Moritz Riesewieck an die Grenze unserer Komfortzone: Im Film „Eternal You“ erforschen sie die Verbindung von KI, Tod und Trauer. Schon heute können Verstorbene als KI-Avatare zurückgeholt werden oder scheinbar E-Mails aus dem Jenseits schreiben. „Eternal You“ zeigt, wie KI so selbst unser Verhältnis zum Tod revolutionieren könnte.

Klimaschutz: Zwischen Zugzwang und Stillstand

Ganz vorne mit dabei: US-Konzerne wie OpenAI treiben die Entwicklung künstlicher Intelligenz.
Ganz vorne mit dabei: US-Konzerne wie OpenAI treiben die Entwicklung künstlicher Intelligenz. (Foto: Karl-Josef Hildenbrand/dpa)

Von der KI ist es nur ein kurzer Schritt zum Weltklima – dafür sorgt allein der Energieverbrauch der Rechenzentren von OpenAi und Co. Wie hier vor Ort mit der globalen Erwärmung umgegangen werden soll, ist Thema im mittlerweile 19. Münchner Klimaherbst.

Am 16. Oktober diskutieren von 19 Uhr an Sebastian Schall (CSU), Mona Fuchs (Grüne), Julia Schmitt-Thiel (SPD) und Nicola Holtmann (ÖDP) aus dem Stadtrat zusammen mit Wissenschaftlern darüber, wie Klimaschutz in München funktionieren kann und wie dabei die Interessen der Bürger gewahrt werden.

Wer Hintergrundinformationen zur globalen Dimension der Krise sucht, kann am 7. Oktober, 18.30 Uhr, den Dokumentarfilm „Plastic Fantastic“ schauen. Regisseurin Isa Willinger beleuchtet hier die Plastikkrise vom Pazifischen Ozean bis in den menschlichen Körper und zeigt, wie eine mächtige Lobby daran verdient.

Im Ozean, in der Landschaft, in unseren Körpern – die Ausmaße der Plastikindustrie dokumentiert Isa Willinger in  „Plastic Fantastic“.
Im Ozean, in der Landschaft, in unseren Körpern – die Ausmaße der Plastikindustrie dokumentiert Isa Willinger in  „Plastic Fantastic“. (Foto: Trimafilm)

In den vergangenen Jahren ist der Klimaschutz vielfach ins Stocken geraten. Um den Co2-Ausstoß trotzdem zu senken, versuchten Aktivisten und Organisationen deswegen immer wieder vor Gericht stärkere Maßnahmen zu erzwingen. Aber ist dieser Weg eigentlich noch demokratisch? Wo helfen Klagen? Und wo liegen ihre Grenzen? Über diese Fragen diskutieren am 21. Oktober von 18 Uhr an Valentine Zheng von der NGO Green Legal Impact, Miranda Schreurs, Klimaforscherin an der TU München, und Hauke Doerk, Referent beim Umweltinstitut der Stadt.

Politik mit Christian Ude

Der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude ist bereits seit 23 Semestern mit seiner Reihe bei der Volkshochschule dabei.
Der ehemalige Oberbürgermeister Christian Ude ist bereits seit 23 Semestern mit seiner Reihe bei der Volkshochschule dabei. Robert Haas

In die Zukunft geht man am besten mit alten Bekannten. Nach diesem Motto schickt die Volkshochschule die Reihe „Politik der Woche“ von Ex-OB Christian Ude ins 23. Semester.

Am 29. Oktober blickt Ude zusammen mit dem Politikwissenschaftler Herfried Münkler auf die Ordnung der Welt. Von 19 Uhr an diskutieren die beiden, welche Rolle Deutschland in einem Jahrhundert einnehmen sollte, in dem scheinbar jeden Tag eine andere alte Gewissheit schwindet.

Um die Innenpolitik geht es dagegen am 26. November, ebenfalls um 19 Uhr, mit Lukas Köhler, einem ehemaligen Bundestagsabgeordneten der FDP. Im Zentrum dieser Podiumsdiskussion steht der Generationenvertrag und damit die Lastenverteilung innerhalb der Gesellschaft.

Jean Asselborn war 19 Jahre lang luxemburgischer Außenminister. Anfang November kommt er nach München.
Jean Asselborn war 19 Jahre lang luxemburgischer Außenminister. Anfang November kommt er nach München. (Foto: Michael Lucan/SZ Photo)

Anfang November kommt dazu noch Politik-Prominenz nach München. Am 12. November stellt der frühere Außenminister Luxemburgs, Jean Asselborn, von 19 Uhr seine Biografie vor. Anschließend reflektiert er mit Ude und dem Journalisten und Autor der Biografie Michael Merten sein politisches Wirken und die Zukunft der Europäischen Union.

Literatur: Zukünfte schreiben

Die Schriftstellerin Dagmar Leupold bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt München 2023.
Die Schriftstellerin Dagmar Leupold bei der Verleihung des Literaturpreises der Stadt München 2023. (Foto: Florian Peljak)

Genauso wichtig wie die inhaltliche Beschäftigung mit der Zukunft ist die sprachliche. Denn: Wie wir über die Zukunft reden, formt unsere Handlungen im Hier und Heute.

Deswegen bietet die Volkshochschule auch einen literarischen Zugang zur Zukunft: Am 11. November liest Dagmar Leupold von 19 Uhr an aus ihrem neuen Gedichtband „Small Talk“. In vielen kleinen und großen Texten untersucht sie darin die Sprache der Gegenwart. Wie wir zwischen Eskapismus und Ukraine-Krieg über das Wetter reden und an etwas ganz anderes denken, wie Alltäglichkeit und Schrecken koexistieren.

Für die, die es in der Gegenwart schwer haben, war Zukunft schon immer Projektionsfläche. Eine weiße Leinwand, auf der man eine neue Gesellschaft entwerfen und die eigene Rolle darin selbst bestimmen kann. Wie sich diese Vorstellung in den Science-Fiction-Erzählungen marginalisierter Gruppen zeigt, erklärt der Philosoph und Politikwissenschaftler Nicki K. Weber am 13. November, 20 Uhr.

Einen Tag davor, am 12. November, 17.30 Uhr, geht die Volkshochschule neue Wege: Im „Kammer-Buch-Konzert“ verbindet sie die Musik der Münchner Philharmoniker mit Text und Bild von Graphic Novels. In der ersten Veranstaltung der Reihe werden Ausschnitte aus Timothy Snyders Buch „Über Tyrannei“ bildlich-grafisch-musikalisch vorgestellt. Der Historiker gibt dort Ratschläge, wie man einem Abgleiten in den Autoritarismus widersteht – in den Zukünften, die sich im Moment aufdrängen, ist er damit nur allzu aktuell.

Die meisten Veranstaltungen der offenen Akademie sind kostenlos. Anmeldung und Kurse unter www.mvhs.de.

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