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Helios-Kliniken:Rot-grüne Energie

Sabine Anspach.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Sabine Anspach ist neue Chefin der Münchner Helios-Kliniken. Ein paar Farbakzente sind ihr wichtig, und sie unterschreibt sie immer mit grüner Tinte.

Mitten auf dem Schreibtisch von Sabine Anspach steht das Sinnbild für einen kleinen Akt der Rebellion: ein Fass mit smaragdgrüner Tinte. "Ich unterschreibe immer in Grün", sagt Anspach. In der Farbe, die während ihrer Ausbildung zur Werbekauffrau für alle tabu war. Bis auf den Chef. Anspach hat dann trotzdem gerne zum grünen Füller gegriffen und die Angewohnheit beibehalten. Bis heute.

Münchner Chefzimmer

Die SZ-Serie "Münchner Chefzimmer" wirft einen Blick hinter meist verschlossene Türen: Wo und wie arbeiten eigentlich die Mächtigen und Wichtigen in der Stadt? Alle Folgen finden Sie hier.

Wer Anspachs Büro in der Helios Klinik München-West betritt, kommt in einen aufgeräumten und minimalistischen Raum. "Ein sehr männlich gestaltetes Büro", wie sie findet. Die Einrichtung stammt, bis auf den Bürostuhl, von ihren Vorgängern. "Wir sind ein Krankenhaus. Wir überlegen sehr genau, wofür wir Geld ausgeben", sagt Anspach. Müsste sie das Zimmer neu einrichten, würde sie einen kleinen Schreibtisch und hellere Möbel auswählen. Einzig den roten Schreibtischsessel, es ist Anspachs Lieblingsfarbe, hat sie ausgesucht. "Rot ist für mich Energie", sagt sie.

Auf dem ordentlichen Schreibtisch stehen einige ausgewählte Gegenstände. Jeder davon Sinnbild für eine Episode aus Anspachs Leben. Die kleine Steinskulptur stammt aus Südafrika, wo die 38-Jährige während ihres BWL-Studiums ein mehrmonatiges Praktikum bei einer NGO absolviert hat. Während dieser Zeit hat sie im Township Masiphumelele gewohnt. "Es war ganz anders, als man es erwartet", sagt sie. Man mache sich keine Vorstellung von der Armut. Trotzdem spüre man dort erstaunlich viel Lebensfreude. "Ich habe dort unglaublich fröhliche, lebendige und aktive Menschen kennengelernt", sagt sie. "Das öffnet einem die Augen dafür, was man alles hat."

Direkt neben der afrikanischen Steinskulptur steht ein kleines, rot lackiertes Holzpferdchen. Ein sogenanntes Dala-Pferd, ein klassisches Souvenir aus Schweden, wo Anspach drei Jahre lang gelebt hat. "Ein Geschenk eines früheren Kunden." Während sie bei einem deutschen Health-IT-Hersteller gearbeitet hat, war sie zunächst Finanzchefin für Nordeuropa und später Chefin für Schweden. "Eine tolle Erfahrung", sagt Anspach. "Man lernt sehr viel über sich selbst, wenn man in anderen Ländern lebt." In Schweden sei ihr erst bewusst geworden, wie hierarchisch Unternehmensstrukturen in Deutschland sind.

Für eine Klinikchefin zumindest überraschend ist dann vielleicht die Flasche Cola auf Anspachs Tisch. "Dafür bin ich bekannt", sagt sie. "Ich liebe Cola." So sehr, dass sie sich manchmal zügeln müsse, nicht mehr als einen Liter zu trinken. "Empfehlen würde ich das niemandem", sagt sie und lacht. Mittlerweile versuche sie, sich an Tee zu halten, um ihren Cola-Konsum zu reduzieren.

Helios-Kliniken

Sabine Anspach ist seit April Leiterin der beiden Münchner Helios-Kliniken in Pasing und Perlach. Zur Helios-Gruppe gehören insgesamt 86 Kliniken in Deutschland. 1987 gründete Lutz Helmig zunächst die sogenannte Hospitalgesellschaft Dr. Helmig, dann gemeinsam mit Rechtsanwalt Bernard Broermann die Asklepios-Klinik-Gruppe, benannt nach dem griechischen Gott der Heilkunst Asklepios. 1994 stieg Helmig dort wieder aus und widmete sich der Geschäftsführung seiner ersten Firma, die schon bald in Helios-Kliniken GmbH umbenannt wurde. Der Name setzt sich aus den ersten drei Buchstaben Helmigs und den letzten drei von Asklepios zusammen. Mittlerweile arbeiten in den Kliniken insgesamt 66 000 Mitarbeiter in Deutschland. Jährlich werden dort 5,2 Millionen Patienten versorgt. Zu Helios gehört seit 2017 auch die spanische Klinikgruppe Quironsalud mit insgesamt 45 Krankenhäusern und 55 ambulanten Zentren.

Auch für ihre Berliner Zeit gibt es ein Andenken im Büro: eine Bären-Statue, die ihr Kollegen geschenkt haben. "Jetzt fehlt nur noch etwas Bayerisches", sagt Anspach. Sie ist da zuversichtlich: "Zum Glück ist ja bald Oktoberfest."