Haxnbauer im TalSchweinshaxen in dreierlei Größen

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22,90 Euro kostet hier die halbe Haxn.
22,90 Euro kostet hier die halbe Haxn. Stephan Rumpf

Nach zwei Jahren Umbau hat der Haxnbauer im Tal wiedereröffnet. Zu ortsüblichen Preisen bekommt man hier die Rundumversorgung mit altbayerischer Gemütlichkeit.

Von Pep Rooney

Wer bis vor ein paar Jahren die Sparkassenstraße entlangspazierte, den erfasste auf Höhe der Hausnummer 6 schon mal ein Schwall Fettgeruch. Hier residierte lange Jahre der Haxnbauer, der für seine – wofür auch sonst – Schweins- und Kalbshaxen bekannt und vor allem bei Touristen (ja, auch Einheimischen) beliebt war. Als das sogenannte Scholastikahaus renoviert werden musste und eine deftige Mieterhöhung drohte, machte die Kuffler-Gruppe Schluss, Augustiner übernahm und eröffnete dort den Haxengrill.

Anfang Mai dieses Jahres hat der alte Haxnbauer an neuer Stätte mit großem Tamtam und Täterä seine Wiedereröffnung gefeiert. Jetzt ist er, ganz ohne Fettgeruch, im Tal zu finden, und zwar dort, wo bis 1957 der Sterneckerbräu war und anschließend Einzelhandel, zuletzt ein Computerladen. Die braune Vergangenheit des Sterneckerbräu wollen wir hier nicht groß ausbreiten, nur so viel: Sie auf der Speisekarte explizit als „Mythos“ abzutun, finden wir fragwürdig.

Und wie sieht der neue Haxnbauer nun aus? Nach zwei Jahren Umbau ist ein Restaurant im altbayerischen Stil mit dunkler Wandvertäfelung und vielen historischen Bildern herausgekommen. Alles ist absichtlich auf Vintage gemacht, das soll Gemütlichkeit verbreiten. In der Tat lässt es sich in den Räumlichkeiten, es gibt neben dem Hauptsaal auch noch ein Salettl und eine Liesl-Stubn, gut aushalten.

Draußen im Tal gibt es zusätzlich einen großen Schanigarten. Man darf halt als Einheimischer nichts gegen Touristen haben, die es hier zuhauf hinzieht (die Speisekarte gibt es auch auf Chinesisch). Aber das muss ja kein Indiz für lieblose oder gar schlechte Qualität sein. Und um es vorab zu sagen: Eine Touristenfalle ist der Haxnbauer nicht. Die Preise sind in dieser Lage üblich, andernorts sogar höher, und die Qualität des Essens überzeugte uns fast durchgehend.

Die Vintage-Einrichtung setzt auf Gemütlichkeit im altbayrischen Stil.
Die Vintage-Einrichtung setzt auf Gemütlichkeit im altbayrischen Stil. Stephan Rumpf

Als Vorspeise probierten wir das vegetarische Brotzeitbrettl für 18,90 Euro, das als Appetizer locker für Vier reichte. Darauf unter anderem: knackige Gemüsesticks, ein köstlicher Rote-Bete-Dip, ein würziger Obatzder und eine feine Gemüsesülze. Mit Skepsis probierten wir auch die veganen „Fleischpflanzerl“ und den veganen „Leberkäs“, aber: Sie waren vom Original kaum zu unterscheiden.

Die Schweinshaxen gibt es im Haxnbauer in dreierlei Größen: Eine ganze Haxe „zum Teilen oder für Tapfere zum alleinigen Genuss“, die pro 100 Gramm 3,90 Euro kostet, die halbe Haxe für 22,90 Euro oder die Portion Haxe für 19,90 Euro. Wir begnügten uns mit letzterer Option, die mit einem großen Kartoffelknödel immer noch sehr sättigend war. Das Fleisch war, wie man es sich erhofft: saftig und von einer perfekten reschen Kruste umgeben, die zwischen den Zähnen zersprang wie ein Kartoffelchip. Die dunkle Soße war würzig, nicht zu salzig, einfach „pfenningguat“, wie man als Bayer sagt. Kann man empfehlen (und einen Schnaps hinterher auch).

Auch an der zarten Kalbshaxe (24,50) hatten wir nichts auszusetzen, außer, dass der Knödel recht fest war. Die Haxen kamen mit frisch geriebenem Kren obendrauf, ein geschmacklicher Clou. Beide Male hatten wir allerdings leider vergessen, uns einen Salat als Beilage zu bestellen, den hätte es für 5,50 Euro gegeben, wie unter anderem auch den Kartoffelsalat, den Krautsalat, das Blau- oder Sauerkraut. Umsatzbewusste Bedienungen weisen den Gast beim Bestellen darauf hin, dass die Beilagen extra sind. Aber gut: Wer lesen kann, ist im Vorteil.

Preislich eine Klasse höher ist der Zwiebelrostbraten (36) mit Schmelz- und Röstzwiebeln, der perfekt medium gebraten an den Tisch kam, das Fleisch war butterweich. Auch die geschmorten Ochsenbackerl (28,90), serviert mit Kartoffelstampf und Blaukraut, zergingen auf der Zunge. Der Stampf hingegen schmeckte etwas fad, die würzige Rotweinsoße glich dieses Defizit aber aus. Überzeugend, wenn auch für 36 Euro recht kostspielig, war das in Butter gebratene Wiener Schnitzel aus dem Kalbsrücken: Die Panade wellig, das Fleisch weich, die Farbe goldbraun und nicht zu dunkel.

Ochsenbackerl mit Stampf und Rotweinsoße für 28,90 Euro.
Ochsenbackerl mit Stampf und Rotweinsoße für 28,90 Euro. Stephan Rumpf

Weil wir nicht nur Fleisch verkosten wollten, testeten wir als Hauptgericht auch die eigentlich auf der Vorspeisenkarte stehenden Reiberdatschi (17,50) mit Graved Lachs, Apfelkren, Crème Fraîche und Rucola: ein leichtes und dennoch sättigendes Gericht. Die Reiberdatschi waren außen leicht kross und innen weich, so ließen wir uns das eingehen. Als Nachtisch gönnten wir uns die Bayerische Creme (8), die wie ein Mini-Guglhupf aussah, oben mit Himbeermark gefüllt, unten ein Biskuit-Teig, außenrum ebenso Himbeersoße und Kakao-Crunch. So haben wir diesen bayerischen Klassiker auch noch nicht gegessen und waren durchaus angetan, ebenso vom Schokokuchen mit Eierlikörsahne und Beerenragout (9,90), obwohl er nicht mehr lauwarm war, wie es die Karte versprochen hatte.

Zu trinken gab es natürlich auch etwas: Die Halbe Hacker-Pschorr Helles kostet 5,70 Euro, der Touri zahlt’s scho! Von den offenen Weinen probierten wir den ordentlichen Weißburgunder „Kuffler Edition“ den es für 9,60 je 0,2-Glaserl gibt. Die 0,75-Flasche Mineralwasser gibt es für 7,60 Euro.

Der Service war übrigens bei einem Besuch etwas überfordert, der Kellner war draußen und drinnen schwer am Rödeln, beim zweiten Mal flutschte es.  Was wir nun von unseren Besuchen mitnehmen: Man kann in den Haxnbauer auch als Münchner hingehen und das Restaurant ruhigen Gewissens auch weiterempfehlen. Man genießt viel internationales Flair dort.

Haxnbauer, Tal 38, 80331 München, Telefon 089/22 42 48, Info@haxnbauer.com, Öffnungszeiten: Montag bis Freitag 11.30 bis 23 Uhr, Salettl freitags bis 0 Uhr, Samstag 11 Uhr bis 0 Uhr, Sonntag 11 bis 22 Uhr, Küche bis 22 Uhr

Die SZ-Kostprobe

Die Restaurant-Kritik „Kostprobe“ der Süddeutschen Zeitung hat eine lange Tradition: Seit 1975 erscheint sie wöchentlich im Lokalteil, seit einigen Jahren auch online. Etwa ein Dutzend kulinarisch bewanderte Redakteurinnen und Redakteure aus sämtlichen Ressorts – von München, Wissen bis zur Politik – schreiben im Wechsel über die Gastronomie in der Stadt. Die Auswahl ist unendlich, die bayerische Wirtschaft kommt genauso dran wie das griechische Fischlokal, die amerikanische Fast-Food-Kette, der besondere Bratwurststand oder das mit Sternen dekorierte Gourmetlokal. Das Besondere an der SZ-Kostprobe: Die Autorinnen und Autoren schreiben unter Pseudonym, oft ist dies kulinarisch angehaucht. Sie gehen unerkannt etwa zwei- bis dreimal in das zu testende Lokal, je nachdem, wie lange das von der Redaktion vorgegebene Budget reicht. Eiserne Grundregeln: hundert Tage Schonfrist, bis sich die Küche eines neuen Lokals eingearbeitet hat. Und: sich nie bei der Arbeit als Restaurantkritiker erwischen lassen – um unbefangen Speis und Trank, Service und Atmosphäre beschreiben zu können.

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