Seniorinnen und Senioren wollen oft so lange wie möglich in der eigenen Wohnung bleiben. Ein Hausnotruf verspricht mehr Selbständigkeit im Alltag, ein Druck auf den Knopf am Armband oder Medaillon genügt, um im Notfall Hilfe zu holen. Und der Bedarf könnte in den kommenden Jahren steigen: Mehr als 200 000 der Münchner Einwohnerinnen und Einwohner sind nach Angaben der Stadt (Stand: Ende 2024) 70 Jahre oder älter.
Die Verbraucherzentrale bietet eine Checkliste zur Anbieterwahl an. Sie empfiehlt, unter anderem bei der Auswahl zu prüfen, ob beim Hausnotruf qualifizierte Fachkräfte arbeiten. Auch eine Zentrale des Anbieters in der Region hat demnach Vorteile, um schnell Hilfe sicherzustellen. In Hinblick auf die Kosten rät die Verbraucherzentrale, darauf zu achten, ob in einem Beratungsgespräch darauf hingewiesen wird, dass Kosten möglicherweise von den Pflegekassen oder dem Sozialamt übernommen werden. Der Hausnotruf wird ab Pflegegrad 1 mit bis zu 25,50 Euro im Monat bezuschusst.
„Bei der Auswahl sollte man außerdem hinterfragen, wo der Schlüssel hinterlegt ist“, ergänzt Gerhard Bieber vom Regionalverband München der Johanniter-Unfall-Hilfe. Je nach gewähltem Angebot können Kundinnen und Kunden bei den Anbietern von Hausnotrufen einen Schlüssel hinterlegen, sodass ein Hausnotruf-Bereitschaftsdienst die Tür öffnen kann und sie im Falle eines Notfalls nicht aufgebrochen werden muss.
Die Johanniter haben nach eigenen Angaben 10 725 Kundinnen und Kunden in München und Umgebung. Sie betreiben drei Standorte im Norden (Feldmoching), Osten (Grasbrunn) und Süden (Sendling) Münchens, ein weiterer im Westen (Neuaubing) ist im Aufbau. Die Schlüssel sind im „Komforttarif“ (56 Euro monatlich) an dem Standort in Tresoren hinterlegt, der am nächsten am Wohnort der Kundin oder des Kunden liegt. „Die Schlüsselnummer ist dabei nicht identisch mit der Teilnehmernummer“, sagt Bieber. Zudem werde jeder Zugriff dokumentiert. „Und wenn es baulich möglich ist, gibt es auch stromunabhängige Tresore vor Ort.“
Drückt eine Kundin auf den Notrufknopf, wird ihr Anruf zunächst an eine Notrufzentrale weitergeleitet. Dort wird entschieden, ob ein Rettungsdienst oder jemand vom Hausnotruf dorthin fährt. „Wir kennen unsere Kunden gut“, sagt Bieber. „Wir sehen dann im System zum Beispiel, dass Frau Müller vor vier Jahren einen Herzinfarkt hatte – die akuten Rückenschmerzen könnten auf einen weiteren hindeuten. Wir wissen außerdem, dass sie eine Katze hat und wir deshalb mit der Tür aufpassen müssen.“
Fehlalarme gehören dazu
„Letztlich ist jeder Einsatz etwas besonders, weil jemand Hilfe benötigt“, sagt Robin Becker. Für die Johanniter ist der Rettungssanitäter – alle im Team sind mindestens Sanitätshelfer – beim Hausnotruf tätig. Oft seien es Patientinnen und Patienten, die stürzen und ohne Hilfe nicht mehr aufstehen können. Fehlalarme gehören dazu, die Kundinnen und Kunden sähen dann auch, dass das System funktioniere. „Ich sage dann oft: ‚Es ist gut, dass es Ihnen gut geht, es wäre schlimm, wenn es Ihnen nicht gut geht‘.“
Den Hausnotruf des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) nutzen in München nach eigenen Angaben knapp 3000 Personen. „Wir sind für das technische Equipment und die Anschlüsse zuständig, nehmen die Daten auf und sind auch der Ansprechpartner“, sagt Hartmut Siebert vom ASB. Drückt ein Kunde den Hilfeknopf, wird die Notrufzentrale des ASB informiert. Ist kein Rettungsdienst erforderlich, rückt mit dem sogenannten Komplettpaket (49 Euro monatlich) der Bereitschaftsdienst der Johanniter aus. „Das sind sinnvolle Strukturen und für jemanden, der Hilfe benötigt, ist es unerheblich, von wem die Hilfe kommt“, sagt Siebert über die Kooperation mit den Johannitern.
Das Bayerische Rote Kreuz (BRK) hat seine Einsatzzentrale in Obersendling, dort werden bei der entsprechenden Tarifwahl (62 Euro monatlich) die hinterlegten Schlüssel in Tresoren aufbewahrt. Insgesamt nutzen knapp 4000 Personen den Hausnotruf des BRK. Wie bei den Johannitern läuft der Notruf in einer Notrufzentrale auf, dann wird entschieden, ob der sogenannte Hintergrunddienst vom Hausnotruf von Obersendling aus – in den meisten Fällen ein Rettungssanitäter – oder ein Rettungswagen in nächster Nähe zum Kunden ausrückt. „Einen flächendeckenden Hintergrunddienst bieten nur die großen Hilfsorganisationen an“, sagt Matthias Keller vom BRK über andere Anbieter. Auf den ersten Blick vergleichbare Services würden für einen Bruchteil des Geldes angeboten, der Notruf aber dann nur an eine vorher definierte Bezugsperson weitergeleitet – auch wenn diese etwa gerade im Keller keinen Empfang hat oder im Schwimmbad ist.
Mobile Hausnotrufe begleiten Kunden auch unterwegs
Das BRK, die Johanniter und der ASB bieten außerdem einen mobilen Hausnotruf. Dieser kostet 69 Euro beim BRK, 70 Euro bei den Johannitern und 67 Euro beim ASB. Die Preise gelten pro Monat mit Bereitschaftsdienst und Schlüsselhinterlegung. Der mobile Hausnotruf begleitet Kunden auch unterwegs, etwa zum Einkaufen oder bei einem Spaziergang.
Ein entsprechendes Angebot gibt es bei den Maltesern in München nicht. „Die Nachfrage dafür hält sich in Grenzen“, sagt Raphael Kunz von den Maltesern. Er vermutet: „In zehn Jahren wird das nochmal anders sein, weil alles viel digitaler ist, die aktuelle Generation ist damit nicht groß geworden.“ Der Hausnotruf der Malteser ist laut Kunz in zwei Einsatzbereiche, nämlich das östliche und das westliche München eingeteilt. Ist ein Schlüssel hinterlegt, befindet sich dieser in einem Tresor im Auto des Hausnotrufes. In knapp 50 Prozent der Fälle sei die Person, die bei den Maltesern intern für den Job qualifiziert wurde, in weniger als 30 Minuten bei der Kundin oder dem Kunden, in jedem Fall aber innerhalb einer Stunde. „Ein Mehrwert für die Angehörigen ist die Hausnotruf-App. Diese informiert sie über jeden Einsatz“, ergänzt Kunz. Rund 3500 bis 4000 Personen nutzen das Angebot der Malteser in München. Der Tarif mit Bereitschaftsdienst und Schlüsselaufbewahrung kostet 57,90 Euro im Monat.
Gisela Rohmann von der Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz – diese berät anders als die bayerische auch zu Pflegefragen – weist abschließend auf einen wichtigen Aspekt hin: Der Hausnotruf kann nur dann funktionieren, wenn die Person, die das Angebot nutzt, dazu bereit ist, das dafür nötige Gerät ständig zu tragen. „Solange es im Bad auf der Ablage liegt, hilft es nicht weiter.“

