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Stiglmaierplatz:Ein eigenes Haus für Münchner Schüler

Zehn Jahre hat es von der Idee bis zur Umsetzung gedauert. Zuletzt hat die Pandemie die Öffnung des Münchner Hauses der Schülerinnen und Schüler verzögert. Die Abiturientin Adina Rath ist seit vergangenem Herbst dabei. Benedict Lang gehört zu den Gründungsmitgliedern des Trägervereins.

(Foto: Yoav Kedem)

Nach langem Warten beziehen Jugendliche das neue Quartier - die hellen Räume bilden einen Ort für Arbeit, Diskussion und Eigeninitiative.

Von Sabine Buchwald

Die Ideen sind umgesetzt, die Türen offen: München hat ein Haus für Schülerinnen und Schüler (MHDS). Das ist keine weitere Schule, sondern ein Ort, an dem sich junge Menschen unabhängig von Lehrplan und Noten treffen können. Mehr als zehn Jahre hat die Realisierung gedauert. Das ist im Leben eines Teenagers eine lange Zeit. Und so ist die Entstehung des MHDS ein Lehrstück über Eigeninitiative und Ehrenamt, Stadtpolitik und Durchhaltevermögen.

Als Benedict Lang, einer der Initiatoren, anfing, sich dafür zu engagieren, war er in der zehnten Klasse. Inzwischen ist er 26 und promoviert gerade. Einige weitere Mitinitiatoren der ersten Zeit beweisen ebenfalls viel Zähigkeit und Ausdauer: etwa Schatzmeister Daniel Gögelein und Zora Siebauer, erste stellvertretende Vorsitzende.

Außerdem sind neue Leute dazugekommen, die bei der Suche nach der geeigneten Örtlichkeit, den Vertragsverhandlungen und der Einrichtung mitgewirkt haben. Darunter die Abiturientinnen Adina Rath und Mathilda Müller. "Wir Alten arbeiten daran, uns überflüssig zu machen", sagt Benedict Lang. Das MHDS soll eigentlich von denen verwaltet werden, die Schule betrifft. Er hofft auf noch mehr Ehrenamtliche. Für die Organisation der Öffnungszeiten gibt es auch zwei 450-Euro-Stellen, die sich drei Leute teilen.

Das MHDS hat mehr als 600 Quadratmeter Fläche und liegt sehr zentral am Stiglmaierplatz. Für die Initiatoren waren die gute Erreichbarkeit und die Innenstadtnähe eine Voraussetzung bei der Immobiliensuche. In dem Gebäude an der Ecke zur Briennerstraße 59 befanden sich früher eine Bankfiliale und eine Versicherung. Die gläserne Fassade erinnert noch an die vormalige Nutzung. Angemietet werden die Räume von der Bischof-Arbeo-Stiftung der katholischen Kirche. Die Stadt kommt dafür mit gut 250 000 Euro jährlich auf.

Das MHDS ist eines der Projekte der neuen Stadtregierung, das binnen des ersten Jahres zustande gekommen ist. Kurz vor Weihnachten konnte der Mietvertrag unterschrieben werden. Er läuft auf vier Jahre. Aufgrund der Pandemie zogen sich die Umbauarbeiten bis in den Juni. Man hätte sich ohnehin nicht in Gruppen treffen können. Aber Lang bedauert: "Wir haben leider schon ein halbes Jahr verloren."

Die Möbel sind zwar einfach, dafür aber gut kombinierbar

Obwohl noch nicht alles fertig eingerichtet ist, soll es nun endlich losgehen. "Ein Fahrrad, dass nicht fährt, kann man nicht lenken", sagt Lang. In vielen virtuellen Besprechungen haben sich die Mitstreiter für intelligente, einfache Möbel entschieden. Sie können wie Baukastenelemente den Bedürfnissen entsprechend formiert werden.

Die Tische bestehen aus MDF-Platten, die auf Metall-Böcken liegen. Die Stühle sind stapelbar. Ein gesponsertes mobiles Holzkisten-System wird immer wieder für neue Optik in den Räumen sorgen. Eine Sofaecke ist noch in Planung. Bodenlange Vorhänge an der Decke sollen variable Räume schaffen. Im Keller stehen Schließfächer, in denen Sachen der Besucher sicher verstaut auch über längere Zeit bleiben dürfen. Dort finden die Besucher in einem Regal gut sortierte und beschriftete Kisten mit Büromaterialien, die man etwa für Konferenzen oder Fortbildungen brauchen kann. Außerdem gibt es einen Drucker.

Was auffällt: Es fehlt der sonst obligatorische Kicker. Das ist durchaus so gewollt. Denn das Abhängen soll nicht der Fokus hier sein, sondern vor allem gemeinschaftliches Arbeiten, Planen, Diskutieren, erklären die Initiatoren. Sie stellen sich Veranstaltungen wie Poetry Slams, Lesungen und Konzerte vor, aber auch Fortbildungen und gerne Protestaktionen. Schülergruppen und Schülerzeitungsredaktionen sollen hier ein Zuhause finden können.

Der Gedanke dahinter: Man lernt sich außerhalb seiner Schule kennen und tauscht sich aus. Die "StadtschülerInnenvertretung München", die offizielle Schülervertretung der Stadt München, sowie das "Münchner Schüler*innenbüro", haben sich schon als sogenannte dauerhafte Member eingetragen. Die Münchner "Fridays for Future"-Gruppe werde künftig auch von hier aus agieren, sagt Lang.

Damit die Räumlichkeiten gut genutzt, aber auch vor Missbrauch geschützt sind, hat sich der Verein ein Member-System überlegt. Gruppen müssen sich anmelden, aber nicht unbedingt Vereinsmitglied werden. Wer registriert ist, kann sogar eigene Schlüssel bekommen und die Räume unabhängig von den Öffnungszeiten nutzen. Wer als Gruppe erst mal "reinschnuppern" möchte, meldet sich für drei Monate an. Kostenlos ist das Angebot sowieso für alle.

Derzeit haben 30 Leute eine Zugangsberechtigung. In der kommenden Woche geht es los mit ersten Workshops, derzeit noch mit Maskenpflicht. Jugendarbeit sei eine riesige Herausforderung, sagt Lang. "Wir hoffen, dass wir bald bekannt werden in der Stadt." Das Haus wird auch in den Ferien offen sein. Wann genau, kann man über hallo@hausderschueler.de erfragen.

© SZ vom 21.06.2021/infu
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