Gut essen kann man in München. Das würde auch Alexander Haas nicht bestreiten. Nur: „Einen jungen, guten Laden mit einer wechselnden und interessanten Karte, das gibt’s halt nicht.“ Und klar, der Hotelier kennt dafür auch den Grund: mit etwas anderem als Burger, Pizza oder Schweinebraten dauerhaft ein Restaurant voll zu bekommen, ist in dieser Stadt noch immer gar nicht so einfach. Kein Wunder, dass viele Gastronomen lieber auf Nummer sicher gehen. Nur ist das eben, zumindest wenn man Haas fragt, auf Dauer auch etwas langweilig. Und, wie das eben so ist: Wenn man eine Idee hat, wie man es besser machen könnte, setzt man sie am besten selbst um. Erst recht, wenn man die perfekte Location dafür hat: über den Dächern der Stadt, mitten in ihrem Zentrum.
Das Hotel Haus im Tal betreibt Haas schon seit Ende 2019, erst seit gut einem Jahr gehört ihm allerdings auch die Wohnung über dem Hotel, Dachterrasse inklusive. Und genau dort finden nun eben nicht nur private Events von Firmen wie der UBS-Bank statt: Der 34-Jährige organisiert in dem Penthouse, das regulär als Mitarbeiterwohnung und Büro fungiert, gemeinsam mit jungen Kreativen auch immer wieder etwa Ikebana-, Pizza- oder Pide-Workshops sowie Wein-Tastings.
Recht neu sind in der Liste der Events außerdem die sogenannten Supperclubs, sprich kleine Dinner in intimer Atmosphäre. Am vergangenen Freitag erst hat er sich dafür mit Linda Nübling von der Eventreihe „Together“ und Theresa Reiter von „Snacksy Time“ zusammengetan. Die beiden Frauen haben unter dem Motto „Harvest Core“ ein Vier-Gänge-Menü gekocht, Tickets gab es für 80 Euro. Galina Akselrod-Golikova, die mit dem Projekt „Near Far World“ kulinarische Events veranstaltet, war ebenfalls schon mal zu Gast, und auch das junge Food-Kollektiv Nuanz hat erst Mitte Oktober einen Koch-Workshop samt Dinner gehostet.
Über die bevorstehende Weihnachtszeit will Haas zwar noch einmal kurz pausieren, danach sollen die Supperclubs aber im regelmäßigen Turnus von zwei Wochen stattfinden, gerne auch mal mit Köchinnen und Köchen jenseits von München. Klingt gut, nur: Lohnt sich das? Klares Nein von Haas. Geld sei für ihn in dem Fall aber auch nur Nebensache: „Es geht uns wirklich nicht ums Finanzielle“, betont der Hotelier. Es gehe darum – und ja er weiß, dass der Begriff etwas überstrapaziert ist –, eine „Community“ aufzubauen, um Austausch mit anderen Kreativen. Es geht ihm aber auch darum, Content zu kreieren, seine Marke zu stärken. Dazu passt, dass er auf seinem eigenen Instagram-Account ein Gesprächsformat „Hidden Gems“ gestartet hat: Immer wieder lädt er Menschen aus der Gastroszene auf sein rotes Sofa ein, fragt sie unter anderem nach ihren Lieblingsbars und -restaurants.



Dabei betreibt Haas, das muss man wissen, nicht nur das Haus im Tal. Angefangen hat für ihn noch zu Studienzeiten alles mit dem Café Vorhoelzer auf dem Dach der Technischen Universität München. Mittlerweile betreibt er mit einem Kollegen noch das Flushing Meadows im Glockenbachviertel. Das Frau im Mond auf dem Dach des Deutschen Museums hat er mitkonzipiert, überhaupt ist er oft gefragt, wenn es um Dachterrassen geht. Vor allem aber entstehen unter dem Namen Anagram gerade nicht nur am Tegernsee, sondern auch in Berlin und Rom weitere Hotels wie das Haus im Tal: jung, urban, cool. Marketingtechnisch macht es für Haas also Sinn, mit Menschen zusammenzuarbeiten, die genau das verkörpern.
Und für die Jungköchinnen und -köche? Für die ist ein solches Dinner eine Möglichkeit, sich und ihre Konzepte auszuprobieren – ohne großes Risiko wohlgemerkt. Das trägt nach eigener Aussage Haas, der sie für die Events bucht. Auch für ihn dürfte das finanzielle Risiko aber überschaubar sein: Die Events sind, weil die Plätze ohnehin begrenzt sind, meistens schnell ausgebucht.
Alexander Haas gefällt die Wechselwirkung zwischen dem Hotel und den Events im Penthouse
Trotzdem bleibt, Marketing hin oder her, die Frage, wie sich das rechnet. Die Events, so erklärt es Haas, würden letztlich durch den Hotelbetrieb „subventioniert“. Nur deshalb könnten sie zum Beispiel auch an einem Mittwoch ein Event wie die „Spaghetti Disco“ – der Name verrät es schon, es gibt Pasta und Musik – anbieten oder sonntags einen Kater-Brunch mit DJ. Die Hotelbar ist für Gäste ohnehin geöffnet. Kommen dann noch ein paar Münchnerinnen und Münchner dazu, ist der Laden schnell auch unter der Woche voll – ein Luxus, den andere Bars und Cafés so nicht haben. Und das Haus im Tal hat noch etwas, das in dieser Stadt ein rares Gut ist: Platz. Warum den also nicht teilen mit Menschen, die Ideen haben, wie man diesen Platz nutzen kann? Das dachte sich jedenfalls Haas. Was ihm daran außerdem gefällt: die Wechselwirkung mit dem Hotel. Bei allen Events seien immer auch ein paar Hotelgäste dabei. So entstünden oft spannende Begegnungen, erzählt Haas – weil eben nicht die immer gleichen Leute aufeinandertreffen.
Je länger Haas erzählt, desto klarer wird: Da hat einer eine Vision, die weit über das Hotel hinausgeht. Und die junge Food-Szene? Die freut sich, dass es in München nun einen Ort mehr gibt, an dem alles kann, nichts muss. Theresa Reiter und Linda Nübling jedenfalls hätten große Lust auf eine Wiederholung ihres Supperclubs, die Location sei „mega“.

