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Einigung:Mitarbeiter im Haus der Kunst dürfen bleiben

Das Haus der Kunst in München

Das Haus der Kunst an der Prinzregentenstraße in München.

(Foto: Robert Haas)
  • Eine Sitzung bei der Einigungsstelle hat für eine Verhandlungslösung im lange Zeit festgefahrenen Streit zwischen Geschäftsführung und Angestellten gesorgt.
  • Damit bleiben die allermeisten Arbeitsplätze der knapp 50 Mitarbeiter, die an Kasse, Pforte oder als Aufsicht arbeiten, erhalten und werden nicht outgesourcet.
  • Der Streit um die angedrohte Stellenauslagerung im Haus der Kunst hatte hohe Wellen geschlagen. Die Angestellten hatten zahlreiche prominente Unterstützer auf ihrer Seite.

Für die Aufsichten des Hauses der Kunst gibt es kurz vor Weihnachten eine frohe Botschaft: Die Arbeitsplätze der allermeisten bleiben erhalten, sie werden nicht an einen Dienstleister ausgelagert. Aus Gründen der Kostenersparnis hatte dies der geschäftsführende Direktor des Hauses, Bernhard Spies, erwogen. Knapp 50 Mitarbeiter, viele lediglich in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt, hatten daraufhin einen Kampf in eigener Sache aufgenommen und sich dafür allerlei Unterstützer geholt. Besonderes Aufsehen erregte dabei eine Aktion des chinesischen Künstlers Ai Weiwei im September dieses Jahres. Als Zeichen seiner Solidarität mit den Mitarbeitern stellte er sich als Kartenabreißer in die Ausstellungshalle.

Zum Aufreger weitete sich die Performance aus, als Bernhard Spies persönlich intervenierte. Er verwies Ai Weiwei wegen seines Verstoßes gegen das Hausrecht des Museums, was von zahlreichen Reportern dokumentiert wurde - und so für Spies zum Image-Gau wurde. Denn: Ai Weiwei hatte vor zehn Jahren an gleicher Stelle seine erfolgreiche Ausstellung "So sorry" gezeigt. Für diese hatte das Haus der Kunst damals mit Ai Weiweis Wahlspruch geworben: "Darum dreht sich doch die Freiheit: Alles in Frage zu stellen." Im Internet sind Dokumente davon noch zu finden. 2009 war noch Chris Dercon Direktor im Haus der Kunst gewesen. Auch er gehörte zuletzt zu den Fürsprechern der Aufsichten, neben Persönlichkeiten wie Senta Berger, Thomas Struth oder Charles Schumann, die sich alle mit "No-Outsourcing"-Buttons fotografieren ließen und sich so mit den Aufsichten solidarisch erklärten.

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Lange Zeit schienen die Fronten zwischen Geschäftsführer und Angestellten verhärtet zu sein. Spies drohte einzelnen Mitarbeitern, sich nicht für sie einzusetzen, wenn sie weiterhin öffentlich gegen das Haus agierten. Im Hintergrund schwelte zudem die Diskussion um ein belastendes Erbe, das die langjährigen Mitarbeiter teilen: Sie alle hat jener Personalverwalter eingestellt, von dem sich das Haus der Kunst 2017 trennte, nachdem seine Scientology-Mitgliedschaft öffentlich geworden war. Der Verfassungsschutz machte danach weitere Mitglieder von Scientology unter den Mitarbeitern aus, sie mussten das Haus ebenfalls verlassen. Alle verbliebenen Angestellten haben aber vor zwei Jahren die vom Freistaat vorgelegten Scientology-Fragebögen ausgefüllt und sich darin von der Vereinigung distanziert.

In der vergangenen Woche hat nun eine Sitzung bei der Einigungsstelle doch den Durchbruch gebracht. Die Lösung sei möglich geworden, "weil beide Seiten Beweglichkeit" bewiesen haben, heißt es in einem gemeinsamen Schreiben von Betriebsrat und Geschäftsführung. Künftig soll es im Bereich "Kasse, Oberaufsicht, Pforte" 26 Vollzeitstellen geben, die auf 30 bis 34 Mitarbeiter aufgeteilt werden, nicht mehr auf 48 wie bisher. Das brachte enormen verwalterischen Aufwand mit sich. Aktuelle Mitarbeiter können sich deshalb in der nächsten Zeit um eine Stundenaufstockung bewerben. Die etwa acht bis elf "abzubauenden Arbeitskräfte" sollen nach Möglichkeit bei den Minijobbern erfolgen. Allen Minijobbern wird deshalb ein Aufhebungsvertrag angeboten, und sie haben Aussichten auf eine Abfindung. Wer von ihnen bereits Rente bezieht, hat Chancen, weiterhin freiberuflich fürs Haus tätig zu sein.

© SZ vom 17.12.2019/infu
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