Fundstücke der alten Hauptsynagoge München„Das ist, als ob die Vergangenheit noch mal rüber winkt“

Lesezeit: 5 Min.

Auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers ist am 9. Juni 1938 die Münchner Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße abgerissen worden. Völlig überraschend sind 85 Jahre später prunkvolle Steine des neoromanischen Baus bei Sanierungsarbeiten in der Isar aufgetaucht. Der 600 Tonnen schwere Fund wird nun federführend vom Jüdischen Museum München erforscht.
Auf persönlichen Befehl Adolf Hitlers ist am 9. Juni 1938 die Münchner Hauptsynagoge an der Herzog-Max-Straße abgerissen worden. Völlig überraschend sind 85 Jahre später prunkvolle Steine des neoromanischen Baus bei Sanierungsarbeiten in der Isar aufgetaucht. Der 600 Tonnen schwere Fund wird nun federführend vom Jüdischen Museum München erforscht.
Stadtarchiv München

1938 reißen die Nazis die prachtvolle Münchner Hauptsynagoge ab, Jahre später werden die Trümmer achtlos in der Isar entsorgt. Im Sommer 2023 werden sie entdeckt – ein spektakulärer Fund. Welche Erkenntnisse seither gewonnen wurden und wie es weitergeht.

Von Andrea Schlaier

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Eva Tyrell sieht aus wie eine Spielzeugfigur, winzig klein zwischen all den gewaltigen Steinklötzen, die hier am Ufer der Isar nebeneinander liegen wie die Materialsammlung eines Riesen. Ohne ihre rote Jacke würde man die Historikerin auf dieser Luftaufnahme glatt übersehen. Nach Jahren der Forschung dachte die Mittvierzigerin eigentlich, die ehemalige Münchner Hauptsynagoge von unzähligen Bildern gut zu kennen. Zig Fotos hat sie schon studiert, alte Filmaufnahmen vor deren Abriss 1938 gesehen. Aber als Eva Tyrell zum ersten Mal neben einem mannshohen Säulenkapitell zwischen all diesen Bruchstücken steht, spürt sie es körperlich: „Boah! Dieses Gebäude war wirklich gigantisch. Ich hatte mir keine Vorstellung gemacht, welche Ausmaße das im Raum sind und wie das Gefühl gewesen sein muss, dort zu stehen oder zu sitzen. Das war ein ganz starker Moment!“

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