KommunalwahlMünchner Schützenverein empfiehlt Kandidaten zur Wahl – auch einen AfD-Mann

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Die Königlich Privilegierte Hauptschützengesellschaft verfügt in Obersendling über 44 Outdoor- und 30 Indoor-Schießstände.
Die Königlich Privilegierte Hauptschützengesellschaft verfügt in Obersendling über 44 Outdoor- und 30 Indoor-Schießstände. Catherina Hess
  • Die Münchner Hauptschützengesellschaft empfahl in einer E-Mail an 700 Mitglieder zur Kommunalwahl auch einen AfD-Kandidaten, was Unmut auslöste.
  • Der Schützenmeister ruderte nach Kritik zurück und betonte, der Verein sei parteipolitisch neutral und wolle nur über kandidierende Mitglieder informieren.
  • CSU-Stadtrat Pretzl und FDP-Stadtrat Roth äußerten sich unwohl über die gemeinsame Auflistung mit dem AfD-Politiker in der Vereinsempfehlung.
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Die Hauptschützengesellschaft listet vor der Wahl in einer Rundmail Mitglieder auf, die für den Stadtrat kandidieren. Weil sich darunter ein AfD-Politiker findet, ruft das Unmut hervor.

Von Thomas Radlmaier

Die Königlich Privilegierte Hauptschützengesellschaft München, kurz HSG, hat eine traditionsreiche Geschichte. In den städtischen Annalen taucht ihr Name im Jahr 1406 erstmals auf. Anfangs war die Gesellschaft noch für die Verteidigung der Stadt zuständig, heute rühmt sich die Sportschießgemeinschaft in Obersendling ihrer zahlreichen Spitzensportler in den eigenen Reihen als „erfolgreichste Schützengesellschaft Deutschlands“.

Doch auch die treffsichersten Schützen verfehlen manchmal das Ziel: Mitte Februar verschickte der HSG-Vorsitzende, Schützenmeister Stephan Bichlmeir, eine E-Mail an die etwa 700 Vereinsmitglieder. Betreff: „Information zur Kommunalwahl 08.03.2026“. Es sei der HSG wichtig, möglichst viele Politiker im Stadtrat zu haben, „die auch die Interessen von uns Schützinnen und Schützen in der Politik vertreten“, hieß es darin. „Deshalb empfehlen wir Ihnen“ – wie bei vergangenen Kommunalwahlen – Kandidatinnen und Kandidaten für die Stadtratswahl, die Mitglieder der HSG seien.

Es folgen die Namen dieser Mitglieder, ihre jeweilige Parteizugehörigkeit sowie Listenplatz: Es handelt sich um neun CSU-Politiker, darunter acht amtierende Stadträte wie Fraktionschef Manuel Pretzl, sowie drei FDP-Kandidaten um Stadtrat Fritz Roth – und einen AfD-Vertreter: Jörg Schäfer. Alle Angaben seien „sorgfältigst geprüft“, gleichwohl „ohne Gewähr“, so endet das Schreiben des Schützenvorstands. Die E-Mail liegt der Süddeutschen Zeitung vor.

Dass die Vereinsführung die Wahl eines AfD-Politikers empfiehlt, löste Unmut aus. Ein Hobbyschütze antwortete auf die E-Mail des Vorstands: Er sei „entsetzt“. Gerade die HSG bilde mit ihren Mitgliedern im Gegensatz zu anderen Schützenvereinen einen guten Querschnitt der Bevölkerung ab, es gebe verschiedene Altersklassen, Berufe und auch Nationalitäten. „Ihre Wahlempfehlung muss sich für viele unserer ausländischen Schützen, oder solche mit Migrationshintergrund wie eine Ohrfeige anfühlen. Das ist in meinen Augen einfach nur noch beschämend.“

Als die E-Mail kritisiert wird, rudert der Schützenmeister umgehend zurück

Der bayerische Verfassungsschutz hat die AfD als rechtsextremistischen Verdachtsfall eingestuft. In ihrem Programm für die Kommunalwahl widmet die Münchner AfD der Idee der „Remigration“ ein ganzes Kapitel. Das Wort dient im rechtspopulistischen und rechtsextremen Spektrum als politischer Kampfbegriff. Es meint, dass Millionen Menschen mit Migrationshintergrund das Land verlassen sollen. Mehrere Gerichte halten dies für verfassungswidrig.

Auf die Kritik ruderte Schützenmeister Bichlmeir umgehend zurück. In einer weiteren E-Mail an die Mitglieder schrieb er, das Ziel sei nicht gewesen, „eine politische Wahlempfehlung auszusprechen, sondern lediglich Transparenz herzustellen und auf kandidierende Gesellschaftsmitglieder hinzuweisen“. Und weiter: Der Verein verstehe sich „ausdrücklich als parteipolitisch neutral und dem demokratischen Grundgedanken verpflichtet“.

Auf SZ-Anfrage bekräftigt der Vorsitzende, dass die HSG seit vielen Jahren vor Kommunalwahlen darüber informiere, welche Vereinsmitglieder für ein Amt kandidieren. „Eine Auswahl oder Gewichtung nach Parteizugehörigkeit, politischen Positionen oder Programmen erfolgt nicht.“ Mit der E-Mail, die er eigenverantwortlich und ohne Abstimmung innerhalb des Vereins versandt habe, habe er „keinerlei politische Absicht“ verfolgt. Die HSG stehe als traditionsreicher Verein „für demokratische Grundwerte, gesellschaftlichen Zusammenhalt und parteipolitische Zurückhaltung“.

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Den Unmut über die Empfehlung eines AfD-Kandidaten könne man im Vorstand aber nachvollziehen. Vor diesem Hintergrund wolle man die langjährige Vereinspraxis auf der nächsten Mitgliederversammlung offen zur Diskussion stellen.

CSU-Fraktionschef Manuel Pretzl ist seit vielen Jahren passives Mitglied bei der HSG. Der Verein liege ihm am Herzen, sagt er. „Ich fühle mich sehr unwohl, zusammen mit einem AfD-Politiker auf der Liste zu stehen.“ Er könne nur hoffen, dass möglichst wenig HSG-Schützen ihr Kreuz bei der in weiten Teilen rechtsextremen Partei machen. Immerhin sehe man an der Anzahl der Kandidaten – neunmal CSU, dreimal FDP, einmal AfD –, dass die demokratischen Parteien deutlich in der Mehrheit seien.

Ähnlich äußert sich FDP-Stadtrat Fritz Roth, der wie Pretzl auf der Liste steht. Er kann die Aufregung über die Wahlempfehlung eines AfD-Kandidaten nachvollziehen. Die AfD sei gefährlich, in Thüringen oder Sachsen sehe man, was passiere, wenn diese Partei erstarke. Roth nimmt die HSG aber in Schutz. „Der Verein hat sein Herz an der richtigen Stelle, dafür lege ich meine Hand ins Feuer.“ Die Frage, wie man mit der AfD umgehe, dürfe man nicht dem Verein aufbürden, sondern müsse breit in der Gesellschaft geführt werden.

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