Für viele Reisende ist sie die letzte Hürde auf ihrem Weg aus der Stadt: die aufwärtsfahrende Rolltreppe, die einen aus dem Zwischengeschoss des Münchner Hauptbahnhofes in die Haupthalle befördert. Berühmtheit aber hat sie im vergangenen Winter insbesondere deshalb erlangt, weil sie eben genau das nicht tat, wofür sie einst eingebaut worden war: Menschen mit schwerem Gepäck nach oben zu transportieren. Seit dem Frühjahr aber verrichtet sie wieder ihren Dienst – doch nun steht Pendlerinnen und Pendlern im Hauptbahnhof das nächste Drama bevor: Die abwärtsfahrende Rolltreppe auf der anderen Seite muss erneuert werden. Vier Wochen lang.
Nicht wenigen gilt die abwärtsfahrende Treppe als Sinnbild für ein Land, in dem die Infrastruktur seit Jahrzehnten vernachlässigt wird. Autobahnen und Brücken vor sich hin bröckeln, veraltete und kaputte Bahnübergänge ganze Zugstrecken lahmlegen, Trassen stillgelegt werden – schlichtweg eine Republik, in der nichts mehr funktioniert. Die es nicht einmal schafft, Ersatzteile selbst herzustellen, um eine Rolltreppe instand zu setzen, sondern diese aus China importieren muss. Und wenn das zu lange dauert, müssen Reisende mit ihrem Koffer halt die 43 Stufen aus dem S-Bahn-Zwischengeschoss zur Gleishalle hinaufsteigen.
Doch nun soll laut Deutscher Bahn (DB) am Münchner Hauptbahnhof alles besser werden. Der Konzern verspricht der abwärtsfahrenden Rolltreppe nicht weniger als eine „technische Frischzellenkur“. „Stark beanspruchte Komponenten“ würden präventiv erneuert, um letztlich beide Auf- und Abgänge fit zu machen für „viele weitere Jahre im Dauereinsatz“.
Für die Pendler und Reisenden bedeutet der voraussichtlich einmonatige Ausfall der abwärtsfahrenden Rolltreppe freilich dennoch kleinere Umwege und Unannehmlichkeiten. Alternativ, so teilt die DB mit, könnten die Fahrgäste in dieser Zeit natürlich die Treppe zwischen den beiden Rolltreppen, den Aufzug oder die etwa 30 Meter entfernte Rolltreppe am Zugang zur Arnulfstraße nutzen.
Um die zu finden, werden aber auch viele waschechte Münchnerinnen und Münchner den Kartendienst auf ihrem Smartphone bemühen müssen. Denn während die abwärtsfahrende Rolltreppe von der Gleishalle ins Zwischengeschoss mittlerweile sogar für einige Touristen unfreiwillig Kultstatus erreicht haben dürfte, kennen die Treppe an der Arnulfstraße deutlich weniger Menschen in der Stadt. Möglicherweise geht die genau aus diesem Grund auch nicht kaputt – weil sie eben kaum genutzt wird.

