Viele Reisende und Pendler fahren mit dem Rad zum Hauptbahnhof und steigen dort in den Zug. Doch seit der Hauptbahnhof um- beziehungsweise neu gebaut wird, gibt es nur noch wenige Abstellmöglichkeiten für Räder rund um den Verkehrsknotenpunkt. Die Folge sind wild geparkte Velos auf Bürgersteigen, Grünflächen und sogar am Zaun entlang der Trambahngleise in der Arnulfstraße. Das ist auch jetzt im Winter so, doch vor allem im Sommer herrscht Chaos. Jetzt schafft die Stadt zumindest ein bisschen Abhilfe mit einem neu eröffneten Fahrradparkhaus am Hauptbahnhof.
Dafür nutzt sie das Erdgeschoss des bestehenden Auto-Parkhauses an der Marsstraße, der Zugang ist in der Hirtenstraße. Das neue Angebot umfasst 256 Fahrradstellplätze, davon drei Stellplätze für Lasten- oder Spezialräder. Der Raum ist angenehm ausgeleuchtet und in freundlichen Blautönen gestaltet. Die neuen Radlparkplätze sind kostenlos und vor allem für Pendler gedacht.

Das Parkhaus ist rund um die Uhr geöffnet und videoüberwacht. Über eine öffentlich zugängliche Gebäudepassage zwischen der Arnulfstraße und der Hirtenstraße besteht zudem eine direkte Verbindung für Fußgänger vom Fahrradparkhaus zum Starnberger Flügelbahnhof. 2027 will die Stadt eine weitere Fahrradgarage in der Fußgängerunterführung an der Kreuzung Arnulfstraße/Seidlstraße mit mehr als 300 Fahrradstellplätzen eröffnen.
Die neue Fahrradgarage ist Teil eines im Februar 2025 beschlossenen Parkkonzepts, mit dem rund 1000 Stellplätze entstehen sollen. Eigentlich ist der Bedarf mit etwa 3000 Stellplätzen aber deutlich höher. Schon vor mehr als zehn Jahren zählte die Stadt knapp 2000 abgestellte Räder im Bahnhofsumfeld.
Doch so schnell wird aus einem ausreichenden Angebot nichts, denn die Bauarbeiten am Hauptbahnhof laufen noch bis voraussichtlich Ende der 2030er-Jahre – glaubt man den heutigen Prognosen. Erst wenn der neue Hauptbahnhof fertig ist, sollen weitere Fahrradgaragen und -parkhäuser im direkten Bahnhofsumfeld entstehen. Geplant ist unter anderem ein Parkhaus an der Arnulfstraße mit etwa 1300 Stellplätzen. Eine Radltiefgarage unter dem künftigen Empfangsgebäude für etwa 700 Räder hat der Stadtrat wieder verworfen, sie wäre zu teuer geworden.
Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) erklärt, mit dem neuen Fahrradparkhaus an der Hirtenstraße sei der erste Schritt getan, „um Ordnung zu schaffen und die Situation für Reisende, Pendlerinnen und Pendler sowie für alle, die zu Fuß unterwegs sind, zu verbessern“. Dass sich die Baustelle der Deutschen Bahn am Hauptbahnhof seit Jahren hinziehe, ärgere ihn sehr, teilt der OB mit. „Zumal die Stadt darauf kaum Einfluss hat.“ Das neue Fahrradparkhaus sei ein erster konkreter Beitrag dazu, den Hauptbahnhof trotz und während der langen Bauzeit funktionaler, sicherer und übersichtlicher zu machen, so der OB.
Rund um den Hauptbahnhof ist die Situation für alle Verkehrsteilnehmer unangenehm. Weil viele wild geparkte Räder nirgendwo befestigt sind, fallen sie manchmal um und werden auf den ohnehin nicht sonderlich breiten Gehwegen zu Stolperfallen. Das Chaos zeigt, dass die vorhandenen legalen Stellflächen offensichtlich nicht ausreichen.
Dabei hätte die Bahn nach Ansicht der Initiative Radentscheid durchaus noch Platz gehabt, die Situation zumindest vorübergehend zu entschärfen. Etwa ein Jahr lang, von 2021 bis 2022, waren in der leer stehenden Schalterhalle des alten Starnberger Flügelbahnhofs Ständer für etwa 350 Räder aufgebaut. Dann nutzte die Deutsche Bahn (DB) die Halle ein Jahr lang als Anlaufstelle für Geflüchtete aus der Ukraine, seither ist sie ungenutzt. Eine Petition der Radaktivisten, die Schalterhalle wieder freizugeben, blieb ohne Folgen. Dass nicht wieder Radlstellplätze dort unterkamen, begründete die DB mit dem geplanten Abriss des Gebäudes, der bereits für 2025 vorgesehen war. Jetzt soll der Flügelbahnhof voraussichtlich erst Ende 2026 abgerissen und durch einen modernen Neubau ersetzt werden.

