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Neues Quartier im Bahnhofsviertel:Bürolandschaft mit Indoor-Wald

Markant: Elisabeth Merk erwartet sich von dem Gebäude eine Aufwertung der Bahnhofsgegend. Simulation: Herzog de Meuron

  • Der frühere Postbank-Komplex zwischen der Bayer-, Paul-Heyse-, Schwanthaler- und der Mittererstraße soll umgebaut werden.
  • In dem Areal sollen Läden, Restaurants und im Innenhof ein "urbaner Wald" entstehen. Wohnungen sind in dem Gebäude nicht vorgesehen.

Das Eck an der Paul-Heyse- und der Bayerstraße, unmittelbar am Hauptbahnhof gegenüber dem Fünf-Sterne-Hotel Bayerpost (Sofitel), wird sich stark verändern. Aus dem früheren Postbank-Karree soll das Correo-Quartier werden, in dem nach Plan des Investors vor allem Büros, im Erdgeschoss Einzelhandel und Gastronomie untergebracht werden sollen. Der Komplex zieht sich bis zur Schwanthaler- und zur Mittererstraße und gilt als das größte Gewerbeprojekt in der Innenstadt. Entsprechend prominent sind die Namen der Beteiligten. Investor ist der weltweit agierende Finanzdienstleister Credit Suisse, die Pläne stammen von den Architekten, die auch das Münchner Fußballstadion und die Elbphilharmonie in Hamburg gebaut haben.

In diesem Fall handelt es sich allerdings um einen Büro-Komplex mit 45 000 Quadratmetern. Stadtbaurätin Elisabeth Merk hatte bei der Präsentation im Juli das Projekt als einen "echten Gewinn für die Bahnhofsgegend" bezeichnet. Im Viertel selbst ist die Haltung dazu eher verhalten kritisch. "Sehr voluminös", hieß es. "Sehr viel Beton." Im Bezirksausschuss (BA), in dem Vertreter des Investors und des Basler Architekturbüros Herzog & de Meuron ihre Pläne vorstellten, wurde vor allem moniert, dass keine Wohnungen berücksichtigt sind. Das widerspreche dem Innenkonzept. Man sei bereit, der Höhenentwicklung zuzustimmen, sofern mindestens die zwei oberen Etagen der Wohnnutzung gewidmet würden, hieß es schon vorab aus dem Ausschuss Planen und Bauen.

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Bernd Wesendahl, Vice-President der Immobilienabteilung der Credit Suisse, wies im BA auf eine starke Verkehrs- und Lärmbelastung an dieser zentralen Stelle hin, was Wohnen seiner Ansicht nach eher unattraktiv mache. Gerade so zentral am Hauptbahnhof gelegen, eigne sich die Immobilie für hochwertige Arbeitsplätze. Er machte auch keinen Hehl daraus, dass es dem Investor zwar um Aufwertung, aber ebenso um Verdichtung geht. Um 25 Prozent solle der jetzige Bestand vergrößert werden, führte Architekt Robert Hösl aus. Erreicht werden solle das durch "Grundriss optimieren" und "Höhe erweitern".

Die Post hat das Karree erst kürzlich stillgelegt, einige Ladengeschäfte gibt es noch. Der Bau ist keine 30 Jahre alt, doch "äußerlich sehr heruntergekommen", wie Wesendahl gleich klarstellte. Die Architekten haben einen Weg gefunden, fast zwei Drittel der vorhandenen Baustruktur zu belassen. Optisch stark verändern wollen sie die Eckzonen, derzeit Treppenhäuser, die in den Plänen als großzügige Loggien präsentiert werden. Der von Herzog & de Meuron geschickte Architekt Robert Hösl sprach davon, dass kein schicker Palais entwickelt werde. "Den Beton soll man als Beton wahrnehmen."

"Oben gibt es ausschließlich Büros, kein Wohnen oder Ähnliches"

Gleichzeitig sollten "feinere Elemente", Fassadenschmuck, im Gegensatz zu der Rohbau-Optik gestellt werden. Der mächtige Komplex soll sich nicht abschotten, vielmehr sogar zu einem Anziehungspunkt für die Laufkundschaft und Mitarbeiter im Bahnhofsviertel werden. Zwar wird laut Hösl das Grün vor der Tür reduziert, sollte das Konzept umgesetzt werden - nur eine der zwei Baumreihen bliebe. Dafür sei geplant, im Innern einen "urbanen Wald" anzulegen, ein großer Innenhof, "fast ein gläsernes Gefäß", an dessen Wänden sich das Grün spiegele.

Der Entwurf des Architekturbüros Herzog & de Meuron hat sich in einem Wettbewerb durchgesetzt, an dem auch David Chipperfield Architects aus London und Stücheli Architekten aus Zürich teilgenommen hatten. Baureferentin Merk hatte im Juli das Innenhof-Konzept sehr gelobt, auch überzeuge der Entwurf durch ein gut durchdachtes Energiekonzept.

Hösl sagte in der BA-Sitzung, dass es Überlegungen gebe, das Dach begehbar zu machen. Auf dem Dach solle jedenfalls viel Grün und Photovoltaik eingesetzt werden, die Frage sei lediglich, wie viel Fläche man nutzen und wie viel Energie man herstellen wolle. Öffentlich zugänglich sei das Dach - im Gegensatz zum Innenhof - allerdings so oder so nicht. Auf die Frage von Münchner Hotelbesitzern, ob auch eine Nutzung als Hotel in Betracht gezogen werde, sagte Hösl, dass er eine Bürolandschaft entwickle. "Oben gibt es ausschließlich Büros, kein Wohnen oder Ähnliches."

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