Umbaupläne:Was aus dem Karstadt-Komplex am Bahnhof werden soll

Während das historische Kaufhaus erhalten bleibt, gibt es für den Erweiterungsbau dahinter ganz andere Pläne: Abreißen und ein neues Gebäude mit viel mehr Licht und Leben bauen

Von Thomas Anlauf

Einst war das "Warenhaus Hermann Tietz" für Bahnreisende das erste sichtbare und beeindruckende Symbol für Konsum und Wohlstand in München. Der historische Karstadt am Bahnhofplatz mit seinem markanten Eckturm ist auch heute noch ein Hingucker inmitten des derzeitigen Baustellenverhaus vor dem Hauptbahnhof. Die Signa Unternehmensgruppe will das Kaufhaus aus dem Jahr 1905, das auch heute noch zu den größten seiner Art in Deutschland zählt, erhalten und es auch weiter als solches nutzen. Der Erweiterungsbau dahinter soll jedoch abgerissen werden und durch einen Neubau ersetzt werden. Der Planungsausschuss des Stadtrats hat nun signalisiert, dass die Vollversammlung einen Aufstellungsbeschluss für das Großprojekt fassen kann. Danach muss in einem Wettbewerb ein umfangreiches Planungskonzept erstellt werden. Erst dann kann gebaut werden - und das könnte zu massiven Kollisionen mit dem Um- und Neubau des Hauptbahnhofs und des Bahnhofsplatzes führen.

Einige Stadträte im Planungsausschuss befürchten, dass es durch die Großbaustelle sogar zu erheblichen zeitlichen Verzögerungen kommen könnte, bis der Bahnhofplatz zu einer neuen Fußgängerzone umgestaltet worden ist. Trotzdem befürworten die Kommunalpolitiker und auch der zuständige Bezirksausschuss das Bauvorhaben. Auch das Planungsreferat schätzt den lang gezogenen Erweiterungsbau, der sich zwischen Prielmayer-, Luitpold- und Schützenstraße in Richtung Stachus erstreckt, als "monolithisch" und "als Relikt einer vergangenen Warenhausepoche" ein. Mehr noch: "Die Luitpoldstraße wird heute, bedingt durch die dort befindlichen Anlieferungs- und Zufahrtsbereiche und die sehr funktionale Gestaltung des Brückenbaus als unattraktiv wahrgenommen." Zumal die baulichen Eingriffe der Siebzigerjahre in die Fassaden des Kaufhauses Hertie die denkmalgeschützte Fassade des historischen Hauses verdecken.

Allgemeinverständlich ausgedrückt heißt das: weg mit dem alten Kasten. Genau das plant die Signa-Unternehmensgruppe. Anstelle des bisherigen Gebäuderiegels soll nun ein Neubau entstehen, der viel mehr Licht und Transparenz in die bisherige Häuserschlucht bringt. Es sind Innenhöfe geplant und unterschiedliche Dachkonstruktionen, die das düstere Erscheinungsbild auflockern sollen, hoffen die Stadtplaner. Auch bei der künftigen Nutzung soll es deutlich lebhafter zugehen als bisher: So sollen verschiedene Geschäfte und auch Gastronomie einziehen, daneben könnte es auch kulturelle Nutzungen geben, betonen die Planer. Es solle ein "geschäftiges Quartier" geschaffen werden, das auch nach Schließung der Geschäfte noch lebendig sei, sagte erst im Mai Tobias Sauerbier, Deutschland-Geschäftsführer der Signa Real Estate. Im Gegenzug wird das bisherige Warenhaus von der Verkaufsfläche her deutlich kleiner, nach dem Umbau des historischen Hauses soll es nur noch dort das klassische Kaufhaus geben, die Immobilie soll sich aber offenbar auch durch Büronutzungen rechnen.

Das Unternehmen betont, dass es beim Neubau auch auf eine nachhaltige Bauweise achten will. Das soll über Photovoltaikanlagen passieren, aber auch durch eine Maximierung der Energieeffizienz und einen möglichst geringen Energiebedarf für den künftigen Gebäudekomplex.

Wenn die Vollversammlung den Plänen zustimmt, wird zunächst ein Bebauungsplan aufgestellt, dann soll ein Wettbewerb für die detaillierte Planung ausgelobt werden. Die beteiligten Architekturbüros sollen beispielsweise Vorschläge für die Fassaden, die unterschiedlichen Dächer auf dem Komplex und auch für die geplanten Innenhöfe machen. Der Wettbewerb könnte durchaus noch in diesem Jahr starten. Der markante Altbau am Bahnhofsplatz soll vermutlich noch in diesem Jahr stückweise kernsaniert werden. Wann allerdings der neue Gebäudekomplex dahinter fertig sein wird, ist offenbar noch nicht ganz klar, bislang ist die Rede von Ende 2026. Auch die Kosten stehen demnach noch nicht konkret fest. Allerdings soll es sich um mehrere Hundertmillionen Euro handeln.

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