Verkehr in MünchenDer Hauptbahnhof wird häufiger gereinigt – ein Schmuckstück wird er trotzdem nicht

Lesezeit: 2 Min.

40 Kollegen der DB unterstützen das normale Reinigungspersonal beim Frühjahrsputz am Hauptbahnhof. Sie wischen Abfalleimer ab, wienern Schaukästen, sammeln Abfall ein.
40 Kollegen der DB unterstützen das normale Reinigungspersonal beim Frühjahrsputz am Hauptbahnhof. Sie wischen Abfalleimer ab, wienern Schaukästen, sammeln Abfall ein. Florian Peljak
  • Die Deutsche Bahn führt bis Ende Mai an 200 bayerischen Bahnhöfen eine große Frühjahrsputz-Aktion durch, um winterlichen Schmutz wie Rollsplitt und Kaugummis zu beseitigen.
  • Am Münchner Hauptbahnhof ist die Reinigung besonders herausfordernd, da die Großbaustelle zusätzlichen Schmutz erzeugt und der Umbau noch bis 2038 dauert.
  • Die DB investiert bundesweit 50 Millionen Euro für mehr Sauberkeit und Sicherheit an Bahnhöfen und hat die Reinigungsintervalle am Hauptbahnhof dauerhaft verkürzt.
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Kaugummis, Zigarettenkippen, Rollsplitt: Über den Winter hat sich viel Dreck gesammelt. Nun startet die Bahn eine groß angelegte Putzaktion und die Stadt räumt im Bahnhofsviertel auf.

Von Andreas Schubert

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Die Sonnenstrahlen des Frühlings machen jedes Jahr wieder sichtbar, was in trüben Wintertagen oft übersehen wird: schmutzige Fenster und Böden sowie staubige Oberflächen aller Art. Zeit für den Frühjahrsputz also – und was sich in privaten Haushalten nicht länger aufschieben lässt, gilt auch für Bahnhöfe. Die werden nun nach und nach wieder von Dreck und Unrat befreit, der sich über den Winter angesammelt hat. An 200 Bahnhöfen Bayerns läuft derzeit bis Ende Mai eine große Frühjahrsputz-Aktion. Auch am Münchner Hauptbahnhof steht dieser Tage ein Großreinemachen an. Am Montag hat die Deutsche Bahn (DB) damit angefangen.

Sollte es nicht selbstverständlich sein, dass die Stationen regelmäßig gereinigt werden? Das schon, erklärt Mareike Schoppe, Chefin der 150 Bahnhöfe im S-Bahnbereich München. Aber viele Reinigungsarbeiten ließen sich im Winter nicht erledigen, sagt sie. Bei Kälte könnten keine Hochdruckreiniger eingesetzt werden, weil das Wasser an den Bahnsteigen gefrieren könnte, auch die Fenster blieben in der kalten Jahreszeit ungeputzt. Zudem werde jetzt der ganze Rollsplitt beseitigt, den winters Hunderttausende Passagiere in die Bahnhöfe tragen.

Gerade am Hauptbahnhof, der eine Großbaustelle ist und die nächsten Jahre auch bleibt, sei die Herausforderung eines Frühjahrsputzes groß, sagt Schoppe. Eine Baustelle erzeugt zusätzlichen Schmutz, auch im Umfeld des Hauptbahnhofs. Die DB ist Mitglied der „Taskforce Hauptbahnhof“, die das Bahnhofsviertel unter der Leitung des Kreisverwaltungsreferats attraktiver, also auch sauberer, machen will. Darum werden auch die Straßen in der Bahnhofsgegend extra gesäubert, daran beteiligen sich die Stadt, Unternehmen in der Nähe, Anwohner und der Verein „Südliches Bahnhofsviertel“.

Von den 150 Stationen im Münchner Bereich werden 75 besonders intensiv gereinigt. Überall gibt es Vitrinen zu putzen, Kaugummis, Zigarettenstummel und Taubendreck von Böden und Simsen zu beseitigen. Das ist mehr oder minder aufwendig: Während sich Kippen einsaugen lassen, müssen Kaugummis teilweise mit Spachteln abgekratzt werden. Die Hinterlassenschaften von Tauben sind in Bahnhöfen ein besonderes Problem, dessen man oft nur mit dem Hochdruckreiniger Herr wird. Mit Spikes an Simsen und Stahlträgern, um Tauben zu vergrämen, ist es zudem nicht getan. Deshalb will die DB demnächst eine neue Methode der Taubenvertreibung erproben. Was genau das sein wird, will Mareike Schoppe nicht verraten, zunächst müsse man sich mit dem Veterinäramt abstimmen, ob die Methode zulässig sei.

Die Bahnhöfe werden von zahlreichen Zigarettenkippen befreit.
Die Bahnhöfe werden von zahlreichen Zigarettenkippen befreit. Florian Peljak
Kaugummis müssen mühsam mit einem Spachtel entfernt werden.
Kaugummis müssen mühsam mit einem Spachtel entfernt werden. Florian Peljak

Das Großreinemachen an Bahnhöfen läuft bundesweit. Die DB investiert insgesamt 50 Millionen Euro für mehr Sauberkeit und Sicherheit an deutschen Stationen. Dazu werden die Bahnhöfe unter anderem mit mehr Kameras ausgestattet, zusätzlich soll mehr Sicherheitspersonal präsent sein. Die Reisenden – täglich nutzen etwa 450 000 Menschen den Münchner Hauptbahnhof – sollen sich wohlfühlen. „Saubere Bahnhöfe und ein gepflegtes Umfeld sind entscheidend für einen positiven ersten Eindruck bei unseren Reisenden“, sagt Esther Heckmann, Leiterin der Personenbahnhöfe in Bayern.

40 Kollegen der DB unterstützen das normale Reinigungspersonal beim Frühjahrsputz am Hauptbahnhof. Sie wischen Abfalleimer ab, wienern Schaukästen, sammeln Abfall ein. Wie alle im Putzteam trägt auch Heckmann eine blaue Weste, auf die neben dem DB-Logo auch ein Herz mit der Inschrift „Willkommen am Bahnhof“ gedruckt ist. Bahnhofschefin Schoppe nimmt den Frühjahrsputz als Gelegenheit, endlich einmal den Staubsauger auszuprobieren, mit dem sie im Raucherbereich die Kippen beseitigen will.

Beim Frühjahrsputz belässt es die DB übrigens nicht: Die Reinigungsintervalle am Hauptbahnhof hat sie bereits dauerhaft verkürzt, auch die Gleise werden künftig öfter gereinigt. Zudem setzt die DB ein zusätzliches Müllsammel-Fahrzeug ein. Ein Schmuckstück wird der Münchner Hauptbahnhof dadurch freilich nicht. Dessen Umbau dauert noch bis voraussichtlich 2038, an der Bayerstraße baut die DB bald ein neues Interimsgebäude, das 2027 fertig sein und als zentrale Anlaufstelle, unter anderem mit Reisezentrum, Schließfächern und Fundbüro dienen soll. Der Starnberger Flügelbahnhof auf der Nordseite steht kurz vor dem Abriss, all das trägt nicht gerade zur Aufenthaltsqualität bei.

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