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Hauptbahnhof München:Rad-Gedränge auf dem Weg zum Gleis

Fahrräder auf der Südseite des Hauptbahnhofs

Kaum ein Durchkommen ist am Hauptbahnhof, auch dort, wo aktuell noch Radl-Parkplätze zur Verfügung stehen.

(Foto: Florian Peljak)

Am Hauptbahnhof gibt es wegen der vielen Baustellen kaum noch legale Fahrradparkplätze. Das Entlastungskonzept, an dem die Stadtverwaltung seit eineinhalb Jahren arbeitet, greift aber wohl frühestens im Herbst.

Am Hauptbahnhof wird es immer enger: In den Straßen rundherum sind Fahrspuren gesperrt, Fußgänger haben Probleme durchzukommen. Die Bauarbeiten werden an allen Ecken und Enden ausgeweitet, zumal nicht nur die Deutsche Bahn für einige Jahre an der zweiten Stammstrecke und am Bahnhofsgebäude bauen wird. Auch die Stadtwerke sind dort gut beschäftigt: Sie verlegen Leitungen. Darüberhinaus wollen sie in diesem Jahr Straßenbahngleise auf dem Bahnhofsvorplatz erneuern.

Gravierend sind auch Pendler betroffen, die dort ihr Fahrrad abstellen wollen. Denn alles, was an sogenannter disponibler Verkehrsfläche zur Verfügung steht, wird nach und nach dicht gemacht. Dazu gehören auch die Abstellflächen für Fahrräder. Die Wildparkerei ist dementsprechend immens und geht wiederum meist zu Lasten der Fußgänger. Die Barrierefreiheit könne nicht mehr gewährleistet werden, konstatiert sogar das Planungsreferat in einem Schreiben an den Bezirksausschuss (BA). Die Behörde macht jedoch keine Hoffnung darauf, dass sich in diesem Sommer daran etwas ändern wird.

Der Bedarf an Radl-Parkplätzen am Hauptbahnhof ist schon länger groß. Vor gut sechs Jahren hat die Stadt im Umfeld 1738 abgestellte Fahrräder gezählt. Etwa tausend davon waren außerhalb von fest installierten Abstellplätzen geparkt, davon gab es bereits vor der Einrichtung der Baustellen bei weitem nicht genug. 2018 stellte das auch der ADAC fest: In einem Test der Bike-and-Ride-Anlagen schnitt der Hauptbahnhof mit "sehr mangelhaft" ab.

Wenn die zweite S-Bahn-Stammstrecke im Jahr 2026 fertiggestellt ist, soll es aus Sicht des Planungsreferats mindestens 3000 feste Abstellplätze geben. Langfristig ist geplant, für Radler ein eigenes Parkhaus mit 1300 Stellplätzen an der Arnulfstraße zu bauen.

Hauptbahnhof Radl, Räder auf der Südseite des HBF.

Zusammenrücken: Wegen der Areale, die für die Bauarbeiten benötigt werden, sollen sämtliche Abstellmöglichkeiten für Fahrräder am Bahnhofsgebäude weichen.

(Foto: Florian Peljak)

Doch derzeit herrscht Chaos. Am nördlichen Vorplatz sind bereits sämtliche Parkplätze für Radler weggefallen, das Planungsreferat hat deshalb Parkplätze an der Hirtenstraße, einer Parallelstraße der Arnulfstraße, in temporäre Bike-and-Ride-Anlagen umgewandelt - 80 Fahrräder können dort parken. Im Laufe dieses Jahres sollen auch die Abstellflächen auf der Bahnhof-Südseite an der Bayerstraße weichen, ebenso werden die Radl-Parkplätze am Querbahnsteig des Starnberger Flügelbahnhofs nach und nach abgebaut. Als Ersatz will das Planungsreferat Autostellplätze an der Goethestraße temporär umwandeln. Damit könnten in der Nähe des südlichen Vorplatzes und der U-Bahn-Abgänge zur U 4 und U 5 etwa 94 Parkplätze für Fahrradfahrer bereitgestellt werden.

Der Stadtrat hatte im Januar 2019 das Referat beauftragt, ein Konzept zu erarbeiten, das Fahrradparken während der Bauphase "im größtmöglichen Umfang" sicherstellen soll. Ende 2019 hatte der Bezirksausschuss nachgehakt, mehr Fahrradparkplätze während der Bauzeit angemahnt. Doch die Vorbereitungen dauern weiter an: Das Planungsreferat teilte dem BA in der Antwort mit, dass man weitere, auch größere Ersatzstandorte prüfe. Dass man handeln muss, sieht auch die Behörde: Die gegenwärtige Situation des Fahrradparkens am Hauptbahnhof genüge nicht den Ansprüchen an das Bike-and-Ride-Angebot eines zentralen Umsteigebahnhofes und sei aus Sicht der Stadt nicht zufriedenstellend, schreibt sie. Dem Stadtrat solle im zweiten Halbjahr ein ganzes Maßnahmenbündel zum "bauzeitlichen Fahrradparken" vorgelegt werden.

© SZ vom 12.05.2020/imei

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