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Verkehr:3000 Radl-Parkplätze für den Hauptbahnhof

Geparkte Fahrräder am Hauptbahnhof in München, 2020

Kreuz und quer stehende Räder: So soll es künftig nicht mehr aussehen am Hauptbahnhof.

(Foto: Florian Peljak)

Der Stadtrat hat die neuen Stellplätze beschlossen. Die einen halten das für längst überfällig, die anderen für eine "teure Luxus-Radltiefgarage"

Von Andreas Schubert

Am Hauptbahnhof wird es in Zukunft mindestens 3000 Abstellplätze für Fahrräder geben. Das hat der Stadtrat am Mittwoch entschieden. Sollten alle vier nun beschlossenen Standorte realisiert werden können, wären es nach Rechnung des Planungsreferats sogar bis zu 3850.

Für Abstellplätze vorgesehen sind das zweite Untergeschoss des künftigen Empfangsgebäudes (700 Plätze), eine Fläche der Stadtwerke unter dem Bahnhofplatz (1500 Plätze), ein Grundstück der Bahn an der Arnulfstraße (1300) und die Fußgängerunterführung an der Arnulfstraße (350). Die Stadt wird dafür aber teuer bezahlen müssen. Alleine die Tiefgarage im Bahnhofsgebäude wird nach Schätzungen des Baureferats mindestens 12 Millionen Euro netto kosten, die Bahn schätzt die Baukosten sogar auf rund 19 Millionen. Dazu kämen laufende Kosten von mehr als 200 000 Euro pro Jahr. Das wollten nicht alle Stadträte unterstützen.

Fritz Roth (FDP) sprach von einer "teuren Luxus-Radltiefgarage", die er überdies als Fehlkonstruktion bezeichnete, da sie nur über zwei Aufzüge erreichbar wäre, die seines Erachtens über zu wenig Kapazität verfügten. Brigitte Wolf (Linke) warf der Bahn als Eigentümerin sogar "Unverschämtheit" vor. Weil die Bahn nicht selbst ausreichend viele Stellplätze für ihre Kunden zur Verfügung stellt, sehe sie eine "Fehlentwicklung im Bahnkonzern" hin zu einem "Immobilienvermarkter mit Höchstpreisvorstellungen". Tobias Ruff (ÖDP) meinte aber, wenn die Bahn schon nicht ihrer Verantwortung nachkomme, "dann müssen's wenigstens wir machen".

Die beschlossenen Stellflächen könnten nicht die einzigen bleiben. Auf Antrag der grün-roten Koalition wird das Planungsreferat weiterhin mit den Stadtwerken verhandeln, ob sie nicht auch eine Fläche im U-Bahnbauwerk der U1/U2 für Räder zur Verfügung stellen könnten. Zudem soll die Behörde auf Antrag der FDP prüfen, ob zwei Stockwerke im bahnhofsnahen Parkhaus an der Marsstraße auch für Fahrräder genutzt werden könnten. Dies könnte schwierig werden, da die Frage der Zufahrt geklärt werden muss. Dieses Parkhaus ist Eigentum der Stadt, aber bis 2024 an die Bavaria Parkgaragen GmbH vermietet, nach Einschätzung von Kommunalreferentin Kristina Frank ist eine zusätzliche Nutzung für Räder bis dahin unwahrscheinlich, da sie nur im Einvernehmen mit der Mieterin umgesetzt werden könnte.

Um dem oberirdischen Wildparken von Fahrrädern ein Ende zu bereiten, wollte die CSU zunächst, dass sich Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) für eine bundeseinheitliche Regelung zum Radlparken einsetzt, was letztlich zu Parkverboten führen würde. Paul Bickelbacher (Grüne) erklärte dagegen, Kommunen könnten dies bereits über Bebauungspläne regeln. Entsprechend änderte die CSU ihren Antrag. Nun soll geprüft werden, ob ein Bebauungsplan Abhilfe schaffen kann.

© SZ vom 22.10.2020 / schub/aner

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