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Verkehrswende:Der Bahnhofsplatz wird autofrei

Bahnhofsvorplatz in München, Hauptbahnhof Mitte, 2021

Der Hauptbahnhof in München. Wenn all die Bauarbeiten einmal abgeschlossen sein werden, wird der Platz vor dem Haupteingang eine große Fußgängerzone.

(Foto: Robert Haas)

Vor dem neuen Haupteingang des Hauptbahnhofs soll eine Fußgängerzone entstehen. Das freut vor allem Oberbürgermeister Reiter: München erhalte dadurch ein schöneres Entree zur Innenstadt.

Von Thomas Anlauf

Grüne und gelbe Kräne ragen in den blauen Himmel. Rotweiße Plastikabsperrungen stehen kreuz und quer in der Bayerstraße und dem Bahnhofplatz. An ein Durchkommen ist rund um den Münchner Hauptbahnhof derzeit kaum zu denken. Wenn all die Bauarbeiten am künftigen Haupteingang des Bahnhofs einmal abgeschlossen sein werden, geht für Autofahrer gar nichts mehr. Dann wird der Bahnhofplatz eine große Fußgängerzone. Der gemeinsame Mobilitäts- und Planungsausschuss des Stadtrats beschloss am Mittwoch, dass etwa von 2030 an das Bahnhofsumfeld für den privaten Autoverkehr weitgehend gesperrt wird.

"Es freut mich wirklich sehr, dass wir diesen Konsens erreicht haben", sagte Oberbürgermeister Dieter Reiter nach der Abstimmung am Mittwoch. Es sei "ein guter Tag für die Stadt München". Dem SPD-Politiker ist dabei besonders wichtig, dass der Bahnhofplatz nicht nur ein wichtiger Knotenpunkt für Bahn-, Tram- und Busreisende, Radfahrer und Fußgänger wird, sondern auch ein schöneres Entree zur Innenstadt. Reiter kündigte deshalb auch an, aktiv am Wettbewerb für die konkrete Planung des Platzes teilzunehmen. Denn die Bandbreite, wie viel Raum den einzelnen Verkehrsteilnehmern künftig eingeräumt wird, ist trotz des weitgehenden Konsenses der Stadträte noch groß.

So wollte die CSU-Fraktion in einem Änderungsantrag erreichen, dass die Verbindungen zwischen Luisen- und Arnulfstraße im Norden des Hauptbahnhofs "im bisherigen Umfang erhalten bleiben". Außerdem sollten die Paul-Heyse-Unterführung, die Hackerbrücke sowie auch die Sonnenstraße für den Individual- und Wirtschaftsverkehr "weiterhin aufnahme- und leistungsfähig befahrbar sein", ausreichend Platz für sogenannte Kiss&Ride-Zonen entlang der Bayer- und Arnulfstraße für Autofahrer freigehalten werden, die Partner, Freunde oder Verwandte zum Bahnhof bringen oder abholen. Auch oberirdische Kurzzeitparkplätze sollten dort eingerichtet werden. Das Forderungspaket lehnte die Mehrheit im Ausschuss bis auf die Kiss&Ride-Zonen allerdings ab.

Trotzdem: Ganz autofrei wird der Hauptbahnhof natürlich nicht. Er wird weiterhin eingeschränkt für Autofahrer und ohnehin für Taxis erreichbar sein. Zum Bahnhof Nord an der Arnulfstraße und dem Bahnhof Süd an der Bayernstraße ist nach dem Umbau die Anfahrt möglich. Außerdem wird die Schützenstraße weiterhin befahrbar sein, teilte die Stadt am Mittwoch mit.

Grünen-Stadtrat Paul Bickelbacher hat dennoch die Hoffnung, dass die Verkehrswende in München in etwa zehn Jahren so weit fortgeschritten sein wird, dass insbesondere die Innenstadt ohnehin weitgehend autofrei sein könnte. SPD-Stadtrat Nikolaus Gradl betont wiederum, dass der Umbau des Hauptbahnhof-Umfelds "das Eintrittstor zur Stadt sehr aufwerten" werde. Zudem werde die Zahl der Fahrgäste am Hauptbahnhof auch durch den Bau von einer weiteren S-Bahn- und einer U-Bahn-Station stark steigen.

Auch die Münchner Verkehrsgesellschaft plant bereits einen Ausbau des Nahverkehrs. Bereits jetzt wird am Bahnhofplatz ein drittes Trambahngleis verlegt, möglicherweise kommt noch ein viertes hinzu. "Der autofreie Bahnhofplatz schafft Raum für den Umweltverbund", freut sich Mobilitätsreferent Georg Dunkel.

In dieser Hinsicht gibt sich der Oberbürgermeister allerdings noch zurückhalten. Zu viele Trambahnen in der künftigen Fußgängerzone würden womöglich zu Lasten der Aufenthaltsqualität gehen, befürchtet Reiter. Er wünscht sich vor allem einen Ort zum Flanieren - als eine neue Visitenkarte Münchens.

© SZ vom 17.06.2021/kafe
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