Eine Gruppe von etwa 20 Personen hat in München einen abfahrbereiten ICE gestürmt, eine Zugbegleiterin umgestoßen und auf sie eingetreten. Wie die Bundespolizei am Freitag mitteilte, ereignete sich der Vorfall bereits am Donnerstag vergangener Woche, am 6. November. Demnach wollte die Bahnmitarbeiterin gegen 12 Uhr am Gleis 23 gerade in den Zug in Richtung Berlin steigen, als zunächst eine Frau mit zwei kleinen Kindern auf sie zugerannt kam, sie zur Seite schob und die Tür blockierte, damit diese nicht schließt.
Die 20 Jahre alte Zugbegleiterin sei bei der Aktion zu Boden gestürzt, danach seien weitere Menschen über sie hinweggestiegen, hätten sie dabei getreten, angeschrien und lautstark beleidigt, teilte die Bundespolizei weiter mit. Nach ersten Erkenntnissen geht sie davon aus, dass es sich um eine zusammengehörende Gruppe handelt. Welches Motiv die Personen hatten, mit Gewalt noch in den Zug einzusteigen, ist der Polizei unbekannt.
Ein bislang nicht identifizierter Mann mit Glatze, Kinnbart und Brille soll den Vorfall vom Bahnsteig aus mit seinem Smartphone gefilmt haben – er wird nun als Zeuge gesucht. Ebenso eine Frau mit getigertem Mantel und grauem Rollkoffer, die das Geschehen ebenfalls beobachtet haben soll.
Anzeige gestellt worden sei in dem Fall erst einige Tage später seitens der Bahn, sagte ein Sprecher der Bundespolizei. Aufnahmen von Überwachungskameras hätten den Vorfall gezeigt, weshalb jetzt wegen Körperverletzung, Hausfriedensbruchs und Beleidigung ermittelt wird.
Ob die Gruppe nach dem Vorfall mit dem ICE losfuhr oder letztlich am Münchner Hauptbahnhof blieb, war zunächst unklar. Die Bundespolizei bittet unter der Telefonnummer 089/515550-0 um Hinweise von Passagieren, denen die Personen nach ihrem aggressiven Einstieg im Inneren des ICE mit der Zugnummer 1004 aufgefallen sein könnten.

