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Harlaching:Menterschwaige soll nach alten Plänen saniert werden

Gasthaus Menterschwaige

Platz für mehr Gäste: Der Anbau (links oben) mit seinen quer stehenden Satteldächern soll komplett in Holzbauweise entstehen. Visualisierung: Pott Architects

Der neue Eigentümer des Gutshofs will das denkmalgeschützte Ausflugsziel renovieren und mehr Gästebetten in einem Neubau unterbringen. Und die Stadtteilpolitiker hoffen auf den Erhalt der Bäume.

Von Julian Raff, Harlaching

Ob sich Ludwig I. hier nun wirklich mit Lola Montez traf, oder, wie überkorrekte Historiker meinen, eher doch nicht - heute ist der Gutshof Menterschwaige mit seinem Biergarten auf jeden Fall der wichtigste Begegnungsort im sonst recht anonymen Harlaching. Beziehungsweise, er wird es wieder sein, sobald der Winter und die Pandemie ihre Klauen lockern. Ungeduldig mit den Hufen scharren derweil nicht nur die Biergartenfreunde, sondern auch Menterschwaige-Wirt Christian Schottenhamel und der neue Eigentümer des Anwesens, der Karlsruher Investor Dieter Pawlik. Dessen "Qcoon real estate" will hier gründlich renovieren und den Betrieb um einen Anbau mit Gästezimmern erweitern.

Jurist Pawlik wurde als Unternehmer Anfang der 2000er Jahre durch den Sportwetten-Anbieter Tipico bekannt, ehe er ins Immobiliengeschäft einstieg. Die Menterschwaige hatte er im vergangen Herbst der Münchner Wirte-Familie Kuffler abgekauft. Ein vor einigen Wochen eingereichter Bauantrag sieht unter anderem umfangreiche Sanierungen im Hauptgebäude vor. Wie ein Firmensprecher erklärt, sei drinnen in den vergangenen 35 Jahren vieles unkoordiniert um- und verbaut worden, womit viele Räume nicht mehr in ihrer historischen Anmutung erlebbar seien. Andere könnten gar nicht mehr genutzt werden. Denkmalgerecht saniert werden soll auch die Außenhülle des Gebäudes. Die größte Veränderung steht aber im östlichen Bereich des Biergartens an. Ungefähr dort, wo heute ein kleineres, abbruchreifes Toiletten- und Müllhäuschen das wenig einladende Entree bildet, soll, quer zum Haupttrakt, ein neues Gebäude entstehen, das die Schänken und Ausgabe-Kioske des Biergartens zusammenfasst.

Im Inneren sind außerdem Veranstaltungsräume geplant sowie 22 Gästezimmer. Zusammen mit zwölf Zimmern im Altbestand entstünden also 34 Gästezimmer. Nicht als touristisches Hotel, wie die Bauherren und Schottenhamel betonen, sondern als Unterkunft für Hochzeitsgäste oder Veranstaltungsteilnehmer. Auch in Harlaching habe nicht jeder ausreichend Wohnraum, um Gäste bei Familienfeiern selbst unterzubringen, gibt der Wirt zu bedenken. Die nächsten Gästebetten gebe es, in kleiner Zahl, in Grünwald, oder in den Kettenhotels an der Tegernseer Landstraße. Komplett in Holzbauweise und mit einer regelrechten Landschaft aus quer gestellten kleinen Satteldächern, soll der Neubau Dimensionen und Formensprache des historischen Bestandes aufgreifen, ohne ihn zu imitieren oder sich anzubiedern. Die nötigen Parkplätze für die Übernachtungsgäste stehen bereit, da zum Betrieb drei Dutzend Stellflächen in der Tiefgarage eines südlichen Nachbargebäudes gehören.

Schottenhamel, bekannt als Nockherberg- und Wiesnwirt, hatte den Betrieb vor 20 Jahren als Pächter übernommen und betreibt hier, wie er halbernst sagt, auch ein Stück "Vergangenheitsbewältigung". In Harlaching aufgewachsen, war er sogar in der Menterschwaige im Kindergarten, der dort lange im Obergeschoss untergebracht war. Entsprechend erfreut zeigt sich der Gastronom darüber, dass der neue Eigentümer und sein Architekt gründlich alte Pläne studiert- und das Projekt darauf gegründet haben.

Gasthaus Menterschwaige

Neues, altes Entree: Nach den Plänen der Architekten soll der Eingangin den Biergarten wieder an seinen ursprünglichen Ort kommen. Visualisierungen: Pott Architects

Dass Pawlik Sinn für den Ort und seine Historie mitbringt, bestätigen auch Mitglieder des Bezirksausschusses (BA 18) im Rückblick auf ein Treffen vom vergangenen Sommer. In seiner Rolle als kritischer Begleiter des Projekts mahnt das Gremium dennoch an, den Baumbestand und den Biergarten möglichst schonend zu behandeln und dafür eventuell den Neubau etwas nach Osten zu rücken. Immerhin reicht das Einzugsgebiet der Menterschwaige bis weit nach Giesing hinein. Preise und Qualität der angebotenen Schmankerln siedeln recht weit oben. Wer aber seine Brotzeit in Münchner Tradition selber mitbringt, kann durchaus auch einen Ausflug ohne finanziellen Kraftakt planen, wobei der große Spielplatz im Norden des Geländes einen besonderen Anziehungspunkt für Familien bildet.

Die blieben auch weiterhin seine Lieblingsgäste, versichert Schottenhamel. Der Biergarten behalte seine 1800 Plätze und damit auch bei schönstem Wetter mehr als ausreichende Kapazität, sowie einen prächtigen Baumbestand. Die Menterschwaige stehe schließlich auch als "einer der schattigsten Biergärten Münchens" hoch im Kurs. Den Freiluftbetrieb zugunsten der gehobenen Innengastronomie zu beschneiden, wäre schon wirtschaftlich keine gute Idee, so der Wirt. Mit 80 Plätzen unter dem historischen Gewölbe und begrenztem Platz für neue Nebenräume ließe sich der Gutshof ohnehin nicht in eine Großgaststätte verwandeln.

Auf einer Baustelle biergarteln, das müssen die Gäste heuer jedenfalls nicht. Der Baubeginn ist in den Herbst gerückt und die Neueröffnung ins Jahr 2022. Den Plan, die Corona-Zwangspause zu nutzen, haben die Bauherren und der Wirt weitgehend ad acta gelegt, als sich abzeichnete, dass sich das Genehmigungsverfahren hinziehen dürfte. Dennoch sagt Schottenhamel: "Wir warten auf die Baugenehmigung, damit es endlich losgehen kann, sonst wird es eng." In einem Endlos-Lockdown doch noch über den Sommer bauen zu können, wäre dabei natürlich das schiere Gegenteil einer Hoffnungsperspektive. Schottenhamel hofft auf einen Start der Biergartensaison zu- oder nach Ostern, was allerdings auch nicht ohne Einbußen zu haben wäre: Das erste Frühlingserwachen im März habe in manchen Jahren die umsatzstärksten Tage gebracht.

© SZ vom 08.02.2021/syn
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