Harlaching:Richtfest für 255-Millionen-Euro-Klinik

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Harlaching: Feiern auf der Baustelle: Ein kleines Festzelt steht am Donnerstag auf dem Rohbau des neuen Klinikums Harlaching.

Feiern auf der Baustelle: Ein kleines Festzelt steht am Donnerstag auf dem Rohbau des neuen Klinikums Harlaching.

(Foto: Florian Peljak)

Der Rohbau ist fertig - im Zeit- und im Kostenplan. Im Jahr 2024 soll das neue Krankenhaus mit 550 Betten in Harlaching eröffnet werden.

Von Stephan Handel

Es hat schon seine Richtigkeit, dass der Polier Hannes Wiesmüller einen leicht fränkischen Einschlag in seinem Dialekt hat, denn das versetzt ihn in die glückliche Lage, einen Vortrag zu halten, in dem sich Freude auf Heude reimt. Wiesmüller ist Polier bei Riedel Bau und hat deshalb an diesem Mittwochmittag die Aufgabe, beim Richtfest für das neue Klinikum Harlaching den Richtspruch zu halten, was er mit dem gebotenen Selbstbewusstsein erledigt: " ... der Rohbau aus Beton, dass wir das können, sieht man schon."

Es hätte aber gar nicht der Dichtkünste des Handwerkers bedurft - die meisten der rund 100 Gäste staunten auch so schon genug: Vor einem Jahr erst war die Grundsteinlegung, damals noch auf festem Boden beziehungsweise in der Baugrube - und jetzt wird gefeiert auf einer Terrasse im vierten Stock, in den unteren Stockwerken hat bereits der Innenausbau begonnen.

Dabei war die Geschichte des Neubaus eine fast unendliche - München Klinik gibt selbst zu, dass erst mit einem Planer-Wechsel im Jahr 2017 Schwung in die Sache kam. 2024 soll alles fertig sein, dann werden 80 000 Tonnen Stahlbeton verbaut sein und 4650 Tonnen Stahl, 2935 Türen gesetzt sein, außerdem 995 000 Meter Starkstromkabel und 488 000 Meter Datenkabel verlegt worden sein. Das alles bei einer Nutzfläche von 31 000 Quadratmetern für 550 Betten. Investitionssumme: 255 Millionen Euro.

Harlaching: Einschlägige Runde (von links): München-Klinik-Chef Axel Fischer, Oberbürgermeister Dieter Reiter und Klaus Holetschek, bayerischer Gesundheitsminister.

Einschlägige Runde (von links): München-Klinik-Chef Axel Fischer, Oberbürgermeister Dieter Reiter und Klaus Holetschek, bayerischer Gesundheitsminister.

(Foto: Florian Peljak)

München-Klinik-Geschäftsführer Axel Fischer wies darauf hin, dass der Bau zum derzeitigen Zeitpunkt voll im Zeit- und Kostenplan liege - und dass die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Klinik ihr neues Gebäude am Abend bei einer Afterwork-Party in Besitz nehmen könnten. Oberbürgermeister Dieter Reiter erläuterte, dass unter anderem die Geburtshilfe ausgebaut werden soll - schon jetzt hat Harlaching die meisten Entbindungen aller München Kliniken, rund 2000 Babys kommen hier pro Jahr zur Welt. Reiter mahnte aber auch, dass es nicht genüge, dem Pflegemangel durch neue bauliche Konzepte zu begegnen - dass das Ziel vielmehr sein müsse, auch den Pflegekräften ein einkömmliches Arbeiten zu menschlichen Bedingungen zu ermöglichen.

Der bayerische Gesundheitsminister Klaus Holetschek dankte der gesamten München Klinik mit den Häusern Schwabing, Bogenhausen, Neuperlach, Harlaching und Thalkirchner Straße für ihr Wirken als "Bollwerke gegen die Pandemie" in den vergangenen beiden Jahren. Als Festgeschenk hatte Holetschek einen - symbolischen - Scheck über gut 1,3 Millionen Euro dabei, über zwei von 55 Anträgen von München Klinik an den Krankenhaus-Zukunftsfonds wurde schon entschieden. Für den Neubau in Harlaching gibt der Freistaat 164 Millionen Euro, der Rest kommt von der Stadt.

Traditionell muss bei einem Richtfest der Bauherr den letzten Nagel in den letzten Dachbalken schlagen. In Ermangelung eines Dachstuhls fand sich der Balken auf der Festterrasse, neben dem Geschäftsführer durften auch Oberbürgermeister und Minister sowie die Klinikleitung ihr Können beim Hämmern beweisen. Klarer Vorteil hier für Klaus Holetschek, der Oberbürgermeister musste sich den Hinweis gefallen lassen, dass er ja demnächst beim Wiesn-Anstich den Umgang mit dem Hammer noch üben könne.

Anschließend der Richtspruch von Hannes Wiesmüller, der zu seinen Versen jeweils ein Glas Wein leerte, auf das Wohl von Bauherren, Architekten und Bauleuten. Danach schmetterte er das Glas zu Boden, wo es weisungsgemäß zerbrach. Wie jeder weiß, bedeutet das Glück für den weiteren Bau.

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