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Trauerfeier in München:Abschied von Hans-Jochen Vogel

Trauerfeier für Hans-Jochen Vogel

Liselotte Vogel nimmt Abschied von ihrem Mann, dem früheren SPD-Chef Hans-Jochen Vogel.

(Foto: dpa)

Bei der offiziellen Trauerfeier verliest seine Witwe eine Erklärung des früheren SPD-Chefs. Die Beerdigung fand bereits am Freitag im Familienkreis statt.

Freunde, Familie und Weggefährten haben am Montagvormittag in München vom früheren SPD-Vorsitzenden Hans-Jochen Vogel Abschied genommen. Dabei hat seine Witwe eine Erklärung vorgelesen. "Hans-Jochen Vogel wäre nicht er selber gewesen, hätte er ohne geordneten Abschied diese Welt verlassen", sagte Liselotte Vogel am Montag in der Philharmonie im Gasteig. "Als mein Mann erfuhr, dass seine Leiden nicht heilbar und seine Tage gezählt seien, hat er mit großer Anstrengung seinem Sohn eine Erklärung diktiert."

Aus dieser Erklärung zitierte sie: "Zu meinem Bedauern bin ich gezwungen, meiner Partei und der Öffentlichkeit mitzuteilen", dass er seine politischen Ehrenämter und seine politische Arbeit nicht weiter ausüben könne, hieß es darin. Er nannte als politische Vorbilder unter anderen die SPD-Legenden Willy Brandt, Helmut Schmidt und Herbert Wehner und schloss mit dem Satz: "Sorgen Sie dafür, dass Deutschland bleibt, wofür wir gekämpft haben."

Sein aktueller Nachfolger im Amt an der Parteispitze, SPD-Chef Norbert Walter-Borjans, würdigte Vogel als einen "ganz Großen der Sozialdemokratie". "Sein Leben stand ganz im Dienst der Menschen", sagte er am Montag bei der Trauerfeier für Vogel in der Philharmonie im Gasteig. "Er hat vorgelebt, was es wert ist, eine Haltung zu haben."

Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) nannte seinen Vorgänger eine "Ausnahmeerscheinung" und "Vorbild an Korrektheit und Gradlinigkeit". "Er war ein visionärer und unglaublich tatkräftiger Anwalt der Bürgerinnen und Bürger." Vogel war am 26. Juli im Alter von 94 Jahren gestorben. Die Beerdigung fand am Freitag im engen Familienkreis statt.

Unter den Gästen befanden sich bei der Trauerfeier auch Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, Alt-Bundeskanzler Gerhard Schröder sowie Vizekanzler und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (alle SPD). Vogel wurde 1926 in Göttingen geboren, sein jüngerer Bruder Bernhard war für die CDU Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und von Thüringen. Mit 34 Jahren wurde der Professoren-Sohn Oberbürgermeister in München - und damit jüngstes Stadtoberhaupt einer deutschen Großstadt. Die 4444 Amtstage an der Isar prägten Vogel stärker als spätere Stationen. Er trug dazu bei, die Olympischen Spiele 1972 nach München zu holen. Wegen heftiger Auseinandersetzungen mit der SPD-Linken warf der damalige Vertreter der Parteirechten das Handtuch und ging in die Bundespolitik.

Seine Karriere war von vielen Glanzpunkten gezeichnet, aber auch von Niederlagen: Bundesbau- und -justizminister, für knapp vier Monate Regierender Bürgermeister in Berlin, SPD-Partei- und Fraktionschef - und Kanzlerkandidat. Doch da unterlag er Helmut Kohl (CDU). In der SPD galt Vogel zeitlebens als gutes Gewissen mit unerschütterlichen moralischen Grundsätzen. Seinen Lebensabend verbrachte der an Parkinson erkrankte Vogel in einer Seniorenresidenz in München. Hier diskutierte er mit Besuchern über aktuelle politische Themen.

© sz.de/imei/dpa/cat
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