Erinnerungen an einen Besuch bei Hermann und Hanne Lenz im Jahr 1994: In ihrem verwunschenen kleinen Haus im Norden Schwabings servierte Hanne Lenz Tee und Zwetschgenstrudel, während der 81 Jahre alte Schriftsteller leise und völlig unpathetisch erzählte, dass ihm das Schreiben „vom Schicksal als Gnade zugewiesen“ worden sei.
Das freundliche Haus dieses überaus freundlichen Ehepaars hat die Zeiten überdauert. Eine Stiftung, die beide in den Neunzigerjahren einrichteten, hat nach dem Tod der beiden – Hermann Lenz starb 1998, Hanne Lenz im Jahr 2010 – ihr langjähriges Heim in der Mannheimer Straße durch die Architekten Beate Grentzenberg und Thomas Rauch sanieren lassen. Nun soll es, und das darf man als wunderbare Nachricht in klammen Zeiten preisen, von Herbst an für Aufenthalte von Autorinnen und Autoren genützt werden.
Jeweils für drei Monate sollen die Stipendiaten in dem verwunschenen Haus wohnen dürfen. Die Stiftung finanziert dabei die Erhaltung des Hauses und seinen Betrieb, und die Stadt München schießt jährlich 15 000 Euro für die Aufenthaltspauschalen zu, wie der Kulturausschuss soeben bewilligte. In Zeiten heftigen Sparens ist das nicht selbstverständlich, doch laut Beschlussvorlage durch „Umschichtung verfügbarer Mittel“ im Bereich der Preise gelungen.
Das Kulturreferat will damit „eine Lücke“ im Förderbereich schließen, da es in München zwar das Ebenböckhaus und in Feldafing die Villa Waldberta als Stipendiatenhäuser gebe, auch Residencys der Kammerspiele, doch keine mit anderen Städten „vergleichbare Einrichtung, die insbesondere Autor*innen zur Verfügung steht“. Damit diese in der Stadt sichtbar werden, sollen sie eine Veranstaltung im Haus ausrichten und auch in Kooperation mit anderen Institutionen auftreten. Wie bereichernd das sein kann, für die Stipendiaten wie für das literarische Leben Münchens, zeigte sich beispielsweise gerade wieder im Lyrik Kabinett: Die ukrainische Lyrikerin und derzeitige Waldberta-Stipendiatin Olga Maksymchuk war dort am Mittwoch zu Gast; ein inspirierender Abend zwischen Schrecken und Hoffnung.
Beim künftigen Hanne-und-Hermann-Lenz-Stipendium, so lässt sich hoffen, wird dazu wohl auch immer wieder an das Werk von Lenz erinnert werden, der erst spät, von Peter Handke befördert (der fast ein Jahr im Lenz'schen Hause lebte, sozusagen als erster Resident), zu dann beträchtlichem Ruhm kam. „Niemand bemerkt mein Gedicht, / und niemand hat ein Erinnern / an den vermodernden Lenz“, schrieb Hermann Lenz zwar einmal zweideutig. Doch nicht nur angesichts der Entwicklung seines Hauses lässt sich festhalten: Damit lag er falsch.


