GedenkorteFür Georg Elser nur die beste Lage

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Der Georg-Elser-Platz in München ist nicht gerade repräsentativ.
Der Georg-Elser-Platz in München ist nicht gerade repräsentativ. Robert Haas

An den Mann, der in München versuchte, Hitler zu töten, erinnert nicht mehr als eine bessere Schmuddelecke. Ein Blick nach Hamburg zeigt jetzt, wie so etwas richtig geht.

Kommentar von Willi Winkler

In seiner Heimat in Königsbronn galt Georg Elser trotz seiner mutigen Tat keineswegs als Held; selbst seine Verwandten wollten lieber nicht an den Mann erinnert werden, der am 8. November 1939 versucht hatte, Hitler im Münchner Bürgerbräukeller mit einer Bombe zu töten. Bis 2003 dauerte es, dass die Post dem Attentäter, der 1945 im KZ Dachau ermordet wurde, eine Briefmarke widmete.

Die Stadt München, obwohl fast durchgehend von der SPD regiert, konnte mit dem Schreiner wenig anfangen. Am Gasteig, dem Schauplatz des Attentats, eine leicht zu übersehende Gedenkplatte; armselig. Erst 1997 wurde Elser ein Plätzchen zugestanden, eine bessere Schmuddelecke in der Maxvorstadt vor dem Türkendolch-Kino, das schon lange zugemacht hat. Es ist, als schämte man sich noch immer dafür, dass es nur dieser eine Elser war, der aufstand gegen Hitler.

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Am 8. November 1939 scheiterte Georg Elser mit dem Versuch, Adolf Hitler im Münchner Bürgerbräukeller zu töten. Erst viel später hat ihm die Stadt Gedenkorte gewidmet.

Von Martin Bernstein

Dagegen Hamburg, der Heuberg. Der Heuberg ist gar keiner, oder allenfalls für die insgesamt flacheren Begriffe der Hamburger. Zusammen mit der Großen Bleichen und der Hohen Bleichen bildet er ein nicht ganz gleichschenkliges Dreieck im Hanse-Viertel, wo man unterm Glasdach flanieren und einkaufen kann. Geld allein macht angeblich nicht glücklich, aber doch das, was es dafür gibt. Feinste Pantoffel, in denen sich der Lockdown bequem verbringen lässt. Ringe, Armbänder, Halsketten in einer Geschenkklasse, in der die Sekretärin des Gemahls leichter zu verkraften ist. Dessous, Weine, Zigarren und was man so braucht fürs gute Leben. Ein Tisch, die Platte für die Nordseeanrainer extra aus Treibholz gefertigt, ein Schnäppchen eigentlich für 1690 Euro.

Beste Lage also, keine fünfhundert Meter vom Bootsanleger Jungfernstieg an der Binnenalster, die Stadthöfe, der versammelte Hamburger Kaufmannswohlstand. Das Broschek-Haus steht da, ein von Fritz Höger entworfenes ehemaliges Kontorhaus, nach dem Krieg Sitz der seinerzeit bedeutenden Zeitung Die Welt, heute ein höherpreisiges Hotel. Davor ein sparsam mit Bänken möblierter Platz, den das Dreieck einfasst. Ein paar Bäume, sonst nichts. Hamburger Großzügigkeit.

Diese Fläche, 58 Meter lang, 45 Meter breit, der Immobilienwert so abenteuerlich, dass er kaum zu beziffern ist, soll, so hat es die Bezirksversammlung Hamburg-Mitte gerade beschlossen, in Zukunft Georg-Elser-Platz heißen. Der Ort ist nicht schlecht gewählt: Zweihundert Meter weiter befand sich die Hamburger Gestapo-Zentrale. Die wertorientierte FDP hatte noch versucht, einen echten Hamburger Jung ins Spiel zu bringen, den Modemacher Karl Lagerfeld, aber dann ist es doch der Württemberger Elser geworden. Ausgerechnet Hamburg: Nicht gerade arm, auch nicht übermäßig sexy, aber mit Stil.

© SZ vom 09.11.2020 - Rechte am Artikel können Sie hier erwerben.
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