bedeckt München 19°

MoNa:Ein Anlass, das Sparschwein zu schlachten

Einen eigenwilligen Kosmos manchmal sogar kühnen Geschmacks bietet die Küche des MoNa neben dem Gasteig.

(Foto: Robert Haas)

Das Restaurant MoNa im City Hilton am Rosenheimer Platz erfreut durch hohe Qualität und eine gute Weinkarte.

Von Carolus Hecht

Sieht man einmal vom nun verblichenen Königshof und der historischen Legende Walterspiel ab, so hat es in München keine Tradition, zum Speisen ins Hotel zu gehen. Da staunen die Konfidenten, schlägt man vor, doch mal im City Hilton neben dem Gasteig das MoNa zu erproben, das sich rühmt - daher der Name - einen unkonventionellen Geschmacksreigen immerhin von München/Monaco bis Napoli zu bieten. Vor diesem etwas geblähten Anspruch, der allerdings weit außerhalb ausgetretener Pfade interpretiert wird, und den opulenten Preisen hatte Carolus Hecht gründlich zu überdenken, was er sich an Subvention für die Süddeutsche Zeitung leisten könne, wolle er dem Blatt eine qualifizierte Kritik liefern.

Manche Teller auf der erfreulich kleinen Karte, die etwa alle zwei Monate wechselt, sind gar nicht preislich definiert, gilt hier doch als Tafelnorm das Dreier-Menü zu 59 und das "Sechs-Gang-Überraschungs-Menü nach Wahl des Küchenchefs" zu 89 Euro. Viel Geld, dennoch gleich gesagt, wir fanden all dies angenehm portioniert, ohne den Gast gutherzig zu überfüttern oder nobel hungern zu lassen.

Und siehe, hier weht ein würziger, wahrhaft unkonventioneller Geist. Im meerfernen München behagten uns als Introitus die leicht angeschärften Moscardini, der winzige Oktopus; am meisten die hinreißend rohe Jakobsmuschel im Salzschaum mit Limonen. Ein saftiger Spitzentanz die rohe Wildfanggarnele mit Sauerampfer und Curry auf der Wassermelone. Die zugehörigen gebackenen Garnelen konnten dieser eleganten Pirouette nicht folgen. Das Meerestier tauchte nochmals in der klaren, entzückend tomatigen San-Marzano-Essenz mit Maracuja und Basilikum auf (21 Euro).

Dass diese Garnelen auch à la carte in Riesenportionen vom Grill gereicht werden (55 Euro das Pfund), mag dem internationalen Vielfraß behagen, hat aber mit dem sonstigen Höchstniveau dieses Hauses wenig zu tun, wie auch das Tomahawk-Steak, das es - furchterregend - von einem Kilo aufwärts gibt (10,00 Euro pro 100 Gramm). Das Angusrind bestach uns hingegen hauchdünn als Carpaccio mit Foie Gras (köstlich wohl, doch hätte dieses fantasievolle Haus solch zweifelhafte Zutat nicht nötig, 19,00) und Himbeeren. Schaumiger Ziegenkäse beseelte die Ravioli (der Form nach eigentlich Capelli di Prete, Pfaffenhütchen, 18,00) mit Feige und etwas Grün. Zu den Tagliatelle mit Schwarzem Trüffel (25,00) übertönte der Parmesansugo etwas den aromatischen Pilz.

Der Steinbutt mit Parmesanschaum, Zucchiniblüte, Erbsen und Ricotta entsprach an Delikatesse dem Rang dieses Fürsten unter den Plattfischen (28,00). Durchaus ein Lehrstück das Durocschwein, ein Schmorfleisch aus dieser alten, in den USA wiederbelebten, muskulösen Rasse, das fast zwei Tage bei Niedertemperatur im Tiegel gart (17,00). Eher konventionell, deshalb nicht minder wohltuend Zweierlei vom Lamm (32,00), ein Filetchen und Rippchen im Vadouvanjus. Dreierlei vom Kalb: Filet, Schulter, Tatar (32,00), erfuhr mit Pfifferlingen, der so herrlich milden Tropeazwiebel und Kirschen die milde Korrespondenz, die solche Zartheit nicht erwürgt. Diverses delikates Gemüse ließe sich hinzufügen oder auch als solistisches Zwischenhäppchen probieren. Dezent intoniert "MoNa's Passionsfruchttörtchen" (11,00), und doch ein geschmacklich etwas zu breites Dessert für diesen Reigen.

Respektable offene Weine zu üblichen Münchner Preisen. Die ausladende, mit einigem Witz vornehmlich deutsch und italienisch sortierte Weinkarte enthält hingegen schöne Überraschungen. So den Pecorino aus den Abruzzen (39,00), jene wiederentdeckte wunderbar komplexe autochthone antike Rebe, die in den Marken und im Latium gerne zu pausbäckig, wie ein zu gut genährtes Kind und entsprechend plump daherkommt; hier aber in der schlankeren, saftigen Gebirgsvariante. Beim 2018er Grauburgunder vom Badischen Tuniberg (Von der Mark - Walter, 39,00) ahnt man, was für ein würziger Geselle der Ruländer in Deutschland einmal gewesen ist. Ja, so hieß diese Rebe einmal, bis sie durch die Süßpest früherer Jahrzehnte so desavouiert wurde, dass man auf ihren alten Gattungsnamen zurückgreifen musste, um mit ihrer neuen Kultur nicht sofort abzuschrecken. Sehr animiert waren wir von dem einzigen Burgunder, dem Clos de Mez (55,00), einem 2015er Beaujolais, von eleganter Schmeichelei, knochentrocken und doch sanft und mit einer für das Alter von nur fünf Jahren bereits schön integrierten Säure. Das Gros des wie gesagt originell sortierten Flaschenweins bewegt sich übrigens preislich weit darüber.

So testet die SZ bei der Kostprobe

Die Kostprobe gibt es als Format für Restaurantkritiken seit 1975 in der Süddeutschen Zeitung. Die Autorinnen und Autoren haben sich ehernen Regeln verpflichtet: Sie testen ein Restaurant frühestens 100 Tage nach Eröffnung (damit sich das Küchenteam bis dahin einspielen kann), essen dort mehrmals (denn jeder Koch und jede Köchin kann mal einen schlechten Tag haben), geben sich nicht als Tester zu erkennen und schreiben unter Pseudonym (um unerkannt und unabhängig bleiben zu können). Und die Rechnung? Die bezahlt natürlich die SZ selbst.

Unser Fazit mündete in großem Behagen über eine wirklich reizvoll interpretierte, wenn auch preisschwere Küche jenseits derber oder dünkelhafter Konvention. Vieles war seinen saftigen Preis wert, manches hielt Anspruch und Salär nicht ganz stand. So eröffnete sich uns doch ein sehr eigenwilliger Kosmos manchmal sogar kühnen Geschmacks, der es einem einfallen lassen könnte, mal wieder das Sparschwein zu schlachten und ins Hotel essen zu gehen. Zumal die Menschen, die dort bedienen, alles nochmals mit Aufmerksamkeit, Witz und Heiterkeit würzen.

Adresse: Rosenheimerstraße 15, 81667 München, 089/44249500, Öffnungszeiten: Montag bis Samstag 17 bis 23 Uhr

© SZ vom 10.09.2020/vewo

Lesen Sie mehr zum Thema

Zur SZ-Startseite