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Café in Haidhausen:Das zweite Leben des Mr. Baker's Coffee House

Dorothea Sigel in ihrem Café in Haidhausen.

(Foto: Gino Dambrowski)

Außen amerikanisch, innen italienisch, französisch, hip und ein bisschen Jugendstil: Das renovierte Café in Haidhausen ist ein Familienprojekt, in dem viel Liebe steckt. Für die Zeit des Lockdowns gibt es alles auch zum Mitnehmen.

Von Laura Kaufmann

Mehr als ein Jahr lang stand das Mr. Baker's Coffee House leer. Viele Haidhauser fanden das sehr schade, hatte das charmante kleine Viertelcafé mit amerikanischer Anmutung und italienischem Innenleben doch gute 17 Jahre lang in die Steinstraße gehört. Auch Dorothea Sigel ging regelmäßig an dem leeren Coffee House vorbei. Sie fragte beim Inhaber nach, sie hätte Interesse an dem Café. Der aber wollte lieber an ein Büro verpachten. Sigel ließ nicht locker, sicher sieben Mal hätte sie versucht, ihn vom Café zu überzeugen, sagt sie. Und sie hat es geschafft.

Der Name ist gleich geblieben, von außen wirkt das Café wie die vergangenen Jahre, inklusive der niedlichen Sitznischen vor den Fenstern. Dazu gibt es für den Sommer noch eine versteckte kleine Terrasse. Innen hat Sigel in den Räumlichkeiten ihr eigenes Reich geschaffen.

Mr. Baker's Coffee House in München, 2013

Das Mr. Baker's Coffee House im Jahr 2013 - die Haidhauser kennen den Anblick.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Hoch über den Gästen hängt ein Egon-Schiele-Druck, "Sitzende Frau mit hochgezogenem Knie", auf den Tischen sind Zuckerdosen und Pflanzen arrangiert, überhaupt bevölkern viele Pflanzen das kleine Café. Ein wenig Jugendstil, ein wenig hipster, dezent und stilvoll.

Sieben Wochen lang hatte Dorothea Sigel mithilfe ihrer vier erwachsenen Kinder renoviert, "ein Familienprojekt" sei das Café. Rezeptideen vom französischen Schwiegersohn, Social-Media-Unterstützung von der einen Tochter, die andere hilft im Laden. Schon bevor sie aufmachten, schauten immer wieder Nachbarn vorbei, freuten sich über die Neueröffnung, sagten aber auch, dass sie es ziemlich mutig fänden, in diesen Zeiten.

Ihren Mut kann Sigel jetzt gut gebrauchen. Zwei Wochen nach der Eröffnung muss sie ihre Türen für den vierwöchigen Gastro-Lockdown wieder schließen. Den Betrieb einstellen wird sie deswegen aber keinesfalls: Fast das ganze Angebot eignet sich hervorragend zum Mitnehmen, und so heißt es im November eben "Mr. Baker's für Zuhause", bis sie den Normalbetrieb wieder aufnehmen kann.

Was gibt es da und was kostet das?

Herzstück ist natürlich die Theke, hinter der sich hausgemachte Kuchen, Pains au Chocolate, Croissants mit Aprikosenmarmelade und unter der Woche auch feine Sandwiches, belegt mit allem erdenklichen von Parmaschinken, Ei und Rucola bis Tomate-Mozzarella mit Pesto, türmen. Dazu kleine Salate in Gläsern und Schinken-Käse-Toasts.

Diese Auslage allein gäbe schon eine feine Frühstücksauswahl ab. Wenn das Café "richtig" geöffnet ist, also dieses eine Wochenende noch und dann voraussichtlich wieder ab Dezember, gibt es samstags und sonntags ein extra Frühstücksangebot: Drei verschieden zusammengestellte Teller werden dann serviert. "Provence" für den kleineren Hunger, mit Croissant oder Baguette, Marmelade oder Honig und Butter (4,50 Euro), "Toscana" mit Brot, Parmaschinken, Käse und Oliven (7,20), das sich noch mit Tomate-Mozzarella mit Pesto (3,10) ergänzen lässt und mit zwei Rühreiern (3,19), und "Oriental" mir Brot, Hummus, Avocado, Feta, getrockneten Tomaten und Oliven (8,10). Ergänzen lässt sich das hübsch mit Rührei mit Sucuk (4,10) oder mit Feigenmarmelade (1,90). Rühreier gibt es auch einzeln zu bestellen in verschiedenen Varianten, und Rühreier können sie im Mr. Baker's wirklich gut.

Für die Löffelfraktion gibt es ein Overnight Oat mit Mandelmilch und frischem Obst (5,20), ansonsten finden sich auf der Karte noch kleine Extras wie ein Baguette mit Lachs und Cream Cheese (5,90), eine Portion Obst, Antipasti oder ein extra Brotkorb. Trotz einer nicht ausufernden Karte dürfte mit den Kombinationsmöglichkeiten jeder glücklich werden.

Herausschmecken lässt sich, dass die Chefin Wert auf Qualität legt. Die Pasta für ihre täglich wechselnden Mittagsgerichte, die es zu Lockdown-Zeiten allesamt zum Mitnehmen gibt, ist hausgemacht von einer kleinen Manufaktur in Schwabing. Wichtig war ihr, guten und fairen Kaffee zu servieren; die Rösterei in Murnau bezieht ihre Bohnen ohne Zwischenhändler von einem Kaffeebauern in Brasilien. Aus den Bohnen wird im Mr Bakers unter anderem ein sehr schmackhafter Cappuccino (2,90/3,60). Tee, Chai Latte und frischgepresste Säfte gibt es natürlich auch, und es gibt sie auch zum Mitnehmen.

Wer geht da hin und wie viel Zeit bringt man mit?

In den ersten zwei Wochen haben viele Gäste aus dem Viertel vorbeigeschaut und viele, die das Mr. Baker's Coffee House vermisst haben, ein netter Querschnitt durch Haidhausen. Länger bei einem zweiten Direct-Trade-Cappuccino sitzen zu bleiben und einen Blick in die Zeitung zu werfen fühlt sich im Mr Bakers Coffee House nicht nach illegaler Besetzung an; die Atmosphäre ist gemütlich, familiär eben.

Für die Dauer des Gastro-Lockdowns muss natürlich niemand viel Zeit mitbringen. Reingehen, Wahl treffen, ein paar nette Worte wechseln und das Ausgesuchte Zuhause verzehren. Mit aller Zeit der Welt.

Steinstraße 12, 81667 München, Montag bis Freitag 8 bis 17 Uhr, Samstag und Sonntag 10.30 bis 18 Uhr, mrbakers.de, dorothea.sigel@mrbakers.de, 089/44439950

© SZ.de/lfr

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