Kritik:Aparte Klangpracht

Händels "Messiah" in der Sendlinger Himmelfahrtskirche: Thomas Gropper und seine Arcis-Vocalisten geben sich nuancenreich.

Von Klaus P. Richter, München

Das "Halleluja" aus Händels "Messiah" ist längst zu einer klassischen Jubelikone geworden. King Georg II. hat es damals, 1743, begeistert vom Sitz gerissen, und seit der Zeit stehen auch alle Engländer dazu auf. Thomas Gropper verstärkte dann auch seine trefflichen Arcis-Vocalisten in der Sendlinger Himmelfahrtskirche von 33 Kehlen auf 65 für den legendären Jubilus. Obwohl das Orchester L'arpa festante mit seinen 20 Spielern partiell "historisch-informiert" agierte, ist das kein Stilbruch. Denn Händel, der viele Aufführungen selbst geleitet hatte, musizierte es in allerhand wechselnden Besetzungen.

Gropper, selbst kundiger Sänger und versierter Chorleiter, machte aus dem vokalen Forte kein plakatives. Denn er setzte den ganzen Abend nicht auf das überwältigende Oratorien-Pathos der späteren Händelaufführungspraxis, sondern eher auf eine kammermusikalische Diktion, kostete sensibel Händels Melos aus, wählte elegische Tempi und moderierte den Chor nuancenreich zwischen delikatem Feinschliff und sanguinischer Beschwingtheit.

Der Tenor Georg Poplutz führte das Konzept gleich zu Beginn mit lyrischer Noblesse in seiner Arie "Comfort ye" vor. Auch die drei anderen Solisten passten perfekt dazu: Verena Gropper (Sopran) mit ihrem feinen Esprit, aber brillant in den heiklen Brio-Kaskaden der "Rejoice"-Arie, der Counter Andreas Pehl für die Altpartien mit seinem hell-leuchtenden Timbre, auch wenn die Dynamik gelegentlich etwas unausgeglichen schien, und schließlich der Bariton Andreas Burkhart, der seine großartige Stimmstatur im Tölzer Knabenchor ausgebildet hatte.

Schade, dass man den Namen der beiden glänzenden Trompetensolisten nicht aus dem Programm erfuhr. Sie sorgten nämlich nicht nur im "Halleluja", sondern auch im Finale für aparte Klangpracht.

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