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München:Gut geschützt

Totholz, das nach Hochwassern oder Windwurf in der Isar treibt wie hier am Flauchersteg, mag manchen Spaziergängern nicht gefallen. Wissenschaftler aber sehen darin einen Beitrag zu mehr Leben. Die Stämme strukturieren den Lebensraum Wasser für Fische und andere Lebewesen.

(Foto: Alessandra Schellnegger)

Der Isartalverein betrachtet die neue Bootsverordnung, die das Fahren auf dem Fluss bei Hochwasser verbietet, den Alkoholkonsum einschränkt und Schwimmwesten vorschreibt, als Erfolg seiner Arbeit. 2021 löst ein neuer Vorstand die Vereinsführung um Erich Rühmer ab

Von Jürgen Wolfram

Beim Isartalverein endet eine Ära: Nach 17 Jahren an der Spitze der 1902 gegründeten und damit ältesten bayerischen Umweltschutz-Vereinigung legt Erich Rühmer, 82, sein Amt nieder. Auch sein Stellvertreter Claus Leierseder zieht sich altersbedingt aus der Vereinsführung zurück. Die Nachfolge ist bereits geregelt; vom 1. Januar 2021 an übernimmt Martin Kiechl, 67, den Vorsitz, ihm zur Seite steht Josef Kellner.

Bei der Jahreshauptversammlung, die erstmals in Form einer Videokonferenz abgehalten wurde, präsentierte Rühmer noch einmal die ganze Vielfalt der Aktivitäten, mit denen der "Verein zur Erhaltung der landschaftlichen Schönheiten des Isartals und seiner Umgebung" in den vergangenen Jahren hervorgetreten ist. Eine Reihe von Erfolgen weist der aktuelle Jahresbericht aus: die Regulierung des Bootsverkehrs, gelungene Weideprojekte in den Flussauen, neuerliche Grundstückskäufe und die höchste Mitgliederzahl (2031) seit Ewigkeiten.

Erich Rühmer, Altbürgermeister von Schäftlarn und Träger des Bundesverdienstkreuzes, hat sich im Jahr 2020 persönlich nicht mit Repräsentationspflichten begnügt. Vielmehr leitete er Führungen, arbeitete an einem Isar-Wanderführer mit, trieb auf vielen Kanälen die Ausweisung des Isartals im Süden von München als Naturschutzgebiet voran. Dass man dieses Ziel trotz zehnjähriger Verhandlungen noch nicht erreicht habe, nannte er bedauerlich. Dafür glückte vieles, das der Isartalverein aus eigener Kraft stemmen kann, wie etwa der Unterhalt von Wanderwegen und deren Beschilderung oder das Aufstellen weiterer Ruhebänke an landschaftlich reizvollen Orten.

Erneut erwarb der Verein im vergangenen Jahr Grundstücke, weitere hat er in Aussicht. Der Bestand dieser Areale, die von Bebauung und sonstiger naturferner Nutzung freigehalten werden, summiert sich mittlerweile auf 144 Hektar. Allerdings gestalte sich der Kauf von Grundstücken insofern immer schwieriger, als die Preise sogar in Schutzgebieten rasant steigen, berichtete Rühmer. Am Geld wäre fast auch die Renovierung der Schiebestrecke für Radler vom Grünwalder Wasserwerk in Richtung Georgenstein gescheitert. Doch dann sprang die Gerlind & Ernst Denert Stiftung ein und übernahm die Kosten in Höhe von 36 000 Euro.

Als bahnbrechenden "Erfolg unserer Bemühungen" bezeichnete Rühmer in seiner letzten Bilanz die neuen Bootsverordnungen, mit denen die Stadt München sowie die Landkreise Bad Tölz-Wolfratshausen und München auf das zunehmende Getümmel im Fluss reagieren. Eine Obergrenze von 0,5 Promille Alkohol im Blut, Schwimmwesten für Kinder und Nichtschwimmer, Verbot von Glasflaschen sowie von Tonwiedergabegeräten an Bord, Schlauchboote nach DIN-Norm, keine Beiboote und erst recht keine zusammenhängende Flottenbildung - all das seien wichtige Auflagen zur Durchsetzung geregelter Verhältnisse auf der Isar. Gleiches gelte für Fahrverbote bei Hochwasser.

Einen erfreulichen Beitrag zum Jahresbericht 2019/2020 des Isartalvereins hat das Wasserwirtschaftsamt München beigesteuert. Nach Angaben dieser Behörde sei der Isar "in allen biologischen Komponenten, auch bei Fischen" ein guter ökologischer Zustand entsprechend der europäischen Wasserrahmenrichtlinie zu attestieren. Bei einer Bestandsaufnahme im Jahr 2013 war es um den Fluss noch deutlich trüber bestellt.

Das Wasserwirtschaftsamt nutzte den Jahresabschluss des Vereins ferner zur Aufklärung über Totholz. Viele Leute betrachteten diese Überbleibsel von Hochwassern oder Windwurf als Störung der natürlichen Ordnung. Aus wasserwirtschaftlicher und naturschutzfachlicher Sicht sei Totholz jedoch ein "Beitrag zu mehr Leben in Fluss und Aue", betont das Amt. Denn im Wasser diene Holz als Strukturelement. Aus einem einförmig dahinströmenden Gerinne könne sich so ein abwechslungsreicher Lebensraum für eine Vielzahl von Fischen und anderen Gewässerlebewesen entwickeln.

Ein Vortrag zum Abschluss des Bundesprojekts "Hotspot: Alpenflusslandschaften" rundete die virtuelle Jahreshauptversammlung des Isartalvereins ab. Die Botschaft auch hier: die Welt zwischen München und Sylvensteinspeicher, zwischen Ammersee und Alpen ist in weiten Bereichen noch immer ein Naturparadies. Es zu erhalten, sei jeder Mühe wert.

© SZ vom 24.11.2020
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