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Giesing:Grünwalder Stadion wäre zweitligatauglich

Fröhliche 90er-Jahre: Auf dem Weg zum Aufstieg aus der Bayernliga bejubeln die Fans der Münchner Löwen im April 1991 ihre Mannschaft im Stadion an der Grünwalder Straße.

(Foto: Werek/imago)
  • Das ist das Ergebnis einer Machbarkeitssudie. Demnach könnte die Kapazität zudem von 15 000 auf 18 060 Plätze erhöht werden.
  • Auch Vorgaben bezüglich Sicherheit, Verkehr und Lärmschutz könnten beim Ausbau eingehalten werden.
  • Oberbürgermeister Reiter ist vom Ergebnis der Studie dennoch enttäuscht.

Das Stadion an der Grünwalder Straße könnte bis zu 3000 zusätzlichen Zuschauerplätze bekommen. Bei einer Kapazität von 18 060 wird in der Heimat des TSV 1860 München allerdings dauerhaft die Obergrenze erreicht sein. Das ergab eine Machbarkeitsstudie des Frankfurter Architekturbüros Albert Speer und Partner im Auftrag der Stadt. Mehr lässt nach dessen Einschätzung das Baurecht nicht zu. Grundsätzlich glaubt das Büro, das große Erfahrung mit Fußballstadien hat, dass die Stadt als Eigentümer das Grünwalder fit für die zweite Bundesliga machen kann. Dafür müssten unter anderem alle Zuschauerplätze überdacht werden. Sollte sich der Stadtrat am kommende Mittwoch für diese Ausbauvariante entscheiden, würde das etwa 30 Millionen Euro kosten.

Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) wird genau dieses Vorgehen vorschlagen: "Ich selbst unterstütze diesen Ausbau ausdrücklich", erklärte er am Freitagmittag schriftlich. Gleichzeitig zeigte er sich enttäuscht, dass nicht mehr drin ist für das Traditionsstadion in Giesing. "Das Ergebnis der Studie überrascht mich, ich hätte erwartet, dass die Zuschauerkapazität im Grünwalder Stadion deutlicher gesteigert werden kann."

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Die erste Reaktion des TSV 1860 fiel noch vorsichtig aus. "Erst einmal ist es positiv und erfreulich, dass am Standort Giesing Zweitligafußball möglich zu sein scheint. Die Studie ist im Moment noch nicht für uns zugänglich. Wir werden sie anschauen und bewerten, was das dann tatsächlich für uns bedeutet", sagte Geschäftsführer Michael Scharold am Freitagmittag. Er deutet jedoch an, dass an der Kapazität eine Zukunft der Löwen in Giesing nicht scheitern sollte: "Was ist denn besser? Kein zweitligataugliches Stadion mit 40 000 Plätzen oder ein zweitligataugliches Stadion mit 18 000 Plätzen?"

Für die Zukunft einer Mannschaft im Profifußball ist ohnehin eine andere Stadionfrage wichtiger: Lässt sich durch Vermarktung genug Geld verdienen? Der Verkauf von Stehplatz-Tickets ist für das Überleben eines Vereins nicht entscheidend, darüber entscheiden ganz andere Faktoren. Die lassen sich in der Studie von Speer und Partner nach Information der Süddeutschen Zeitung durchaus ablesen. Die Frankfurter Architekten schlagen vor, von den 18 060 Zuschauern exakt 7897 einen Sitzplatz anzubieten. In der Westkurve gäbe es dann nur noch 7700 Stehplätze statt 8800, dafür fänden auf einer neuen Haupttribüne 4130 Menschen einen Sitzplatz, mehr als drei Mal so viele wie auf der bestehenden (dort können 1250 sitzen).

Noch wichtiger jedoch sind die richtig teuren Tickets. Die sollen künftig für einen komplett neuen Vip-Bereich in der sogenannten Stehhalle gegenüber der Haupttribüne verkauft werden. Auf zwei Ebenen soll im rückwärtigen Tribünenbereich ein sogenannter Businessclub auf 890 Quadratmetern entstehen, dazu sind 855 Sponsorenplätze vorgesehen. Optional könnten noch sechs Logen mit jeweils 40 Quadratmetern Größe eingebaut werden. Der Zugang würde über die bestehenden Treppentürme erfolgen, die Gesamtzahl der Stehhallen-Plätze würde dann von 4503 auf 3280 sinken. "Die ersten Informationen, die wir nun haben, hören sich so an, als ob das durchaus eine sehr sinnvolle Lösung für den Moment sein kann", sagte 1860-Geschäftsführer Scharold am späten Nachmittag zu den Vip-Bereich-Lösungen, "eine genaue Aussage kann aber erst getroffen werden, wenn noch mehr Details vorliegen."

Die Überdachung aller Plätze dient nicht nur einem besseren Regenschutz, sondern vor allem auch dem Lärmschutz für die Nachbarn. Die Lage des Stadions mitten in einem dicht bebauten Stadtteil steht im Mittelpunkt der Studie.

Auch andere Stadionoptionen werden geprüft

Für einen Spielbetrieb in der zweiten Bundesliga sind auch noch Verkehr und Sicherheit Themen, die genau zu betrachten und zu lösen sind. Entscheidende rechtliche Basis dafür ist das Baurecht, das von den Experten auch als Hauptproblem für eine deutliche Kapazitätserweiterung gesehen wird. Nicht nur die Löwen-Anhänger, offensichtlich auch der Oberbürgermeister hatten ja eher von der Variante mit 25 000 Zuschauern geträumt. Doch Speer und Partner warnen ausdrücklich, mit diesem Ziel in die Planung zu gehen. Das könnte ihrer Ansicht nach das Ende für den Profifußball in Giesing bedeuten. Denn dafür wäre eine komplett neue Baugenehmigung nötig, die angesichts der Lage nicht mehr zu bekommen wäre. Die jetzige Sanierung und Erweiterung kann noch unter das Bestandsrecht schlüpfen.

Wenn die Sechziger tatsächlich mit diesem Umbau leben könnten, wird sich wohl die Politik der Haltung des Oberbürgermeisters anschließen. "Entscheidend für uns ist, ob die Fans darin nach wie vor feiern wollen, der Verein damit zukunftsfähig aufgestellt ist und die Anwohner dort alles ertragen können", sagte Kommunalreferentin und OB-Kandidatin Kristina Frank (CSU).

Grünen-Stadträtin Jutta Koller kündigte an, ihre Fraktion würde sich "diesem maßvollen Ausbau nicht widersetzen". Vollkommen einig waren sich CSU und Grüne im Ärger über das Vorgehen von Oberbürgermeister Reiter und seiner SPD. Dieser habe alle Informationen bis Freitagmittag komplett unter Verschluss gehalten, obwohl der Stadtrat schon am Mittwoch darüber entscheiden soll. "Schlechter Stil" sei das, sagte Grünen-Stadtrat Sebastian Weisenburger.

Am Wochenende werden also nicht nur die Verantwortlichen der 60er überlegen, wie es weiter geht, sondern auch die Stadträte. Die haben am Mittwoch sogar noch mehr zu beschließen. Angesichts der Ambitionen des Regionalligisten Türkgücü München und der dichten Belegung des Grünwalder Stadions mit den Frauen und der zweiten Mannschaft des FC Bayern sollen sie die Verwaltung beauftragen, zwei weitere Fußballprojekte zu prüfen: die Ertüchtigung des Olympiastadions für den Profifußball und den Bau eines neuen Kleinstadions für bis zu 2500 Zuschauer.

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