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Erholungszonen:Grüngürtel um München soll besser erschlossen werden

Erholungsoasen wie im Hachinger Tal soll es häufiger geben.

(Foto: Claus Schunk)

Weil die Stadt enorm wächst, werden Erholungszonen in der Natur wichtiger. "Da gibt es enormes Potenzial, aber es ist noch einiges zu tun", sagt ein Landschaftsexperte.

Beton, Asphalt, Hektik und Stress gehören zur Großstadt. Der Kontrast dazu sind urwüchsige Heidelandschaften, alte Alleen, verschlungene Wege, historische Kanalsysteme um Schloss Nymphenburg und Schloss Oberschleißheim, die Isarauen, der Riemer Park oder das Würmtal im sogenannten Grüngürtel rund um München. Im Hinblick auf das enorme Wachstum in der Stadt und in der Region werden solche Erholungszonen immer wichtiger. Eine neue Studie, die das städtische Planungsreferat in Auftrag gegeben hat, soll ein Schlüsselprojekt für schönere Naturerlebnisse in unmittelbarer Nähe sein.

Die Landschaftsexperten Börries von Detten und Henrik Schultz haben auf zahlreichen Spaziergängen, Radtouren sowie bei Exkursionen und Workshops mit Bürgern und Fachleuten aus der Stadt und den Regionsgemeinden die Eigenheiten des Grüngürtels von Fröttmaning über Trudering, das Hachinger Tal, die Aubinger Lohe bis zum Hartelholz im Norden erkundet. "Da gibt es enormes Potenzial, aber es ist noch einiges zu tun", sagt Detten. Er und sein Kollege präsentierten die Studie bei einem Symposium an der Technischen Universität München.

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Straßen oder Schienen stellen sich als Barrieren in den Weg, so die Untersuchung. Auf Höhe des Guts Großlappen zum Beispiel führten kaum gesicherte Übergänge über die Freisinger Landstraße. Der Zugang zum Fröttmaninger Berg sei schwer zu finden. Und trotz der Überdeckelung des Autobahnrings bei Aubing sei es unmöglich, in südlicher Verlängerung die Bahnstrecke Richtung Geltendorf zu überqueren. Die Aufzählung lässt sich fortsetzen.

Manche Grünzüge verfügen zwar über atmosphärische Qualitäten, heißt es in der Studie weiter, aber sie seien bislang kaum erschlossen. Stellenweise häuften sich Freizeiteinrichtungen - etwa entlang des Hüllgrabens und des Abfanggrabens von Daglfing bis Pliening -, diese stünden jedoch kaum miteinander in Beziehung. Oft werde es einem schwer gemacht, entlang von Gewässern zu laufen, zum Beispiel im Hachinger Tal, aber auch im Würmtal. Solche Uferbereiche öffentlich zugänglicher zu machen, bedürfe einer langfristigen Strategie, denn viele Bachabschnitte queren Privatgelände, vor allem landwirtschaftliche Betriebe. Ein weiteres Problem: Schnurgerade Wirtschaftswege im Quadratraster erschwerten die Orientierung in Wäldern.

Das Planungsreferat hat bereits einige Stellen ausgemacht, an denen man das Wegenetz deutlich verbessern könnte. Die Projekte seien jedoch nur langfristig und Schritt für Schritt umsetzbar, von den finanziellen Herausforderungen ganz zu schweigen. Ein solches Vorhaben ist eine vorgeschlagene Querung der Bahntrasse zwischen Feldmoching und Oberschleißheim im Bereich des Würmkanals. Damit könnte man das historische Bezugssystem zwischen Schloss Oberschleißheim und dem Würmkanal wieder herstellen, die Orientierung würde sich verbessern und nicht zuletzt wäre eine Gefahrenstelle beseitigt.

Erfahrungsberichte mit Grünzügen (Kjell Schmidt für den Regionalpark Rhein Main um Frankfurt und Isabel Wieshofer von der Stadt Wien) zeigen, dass andere Städte zum Teil weiter als München sind und dass man von dort viele Anregungen mitnehmen kann. Schmidt berichtete, dass man behutsam Spielplätze in die Landschaft integriert habe. Skulpturen, Sitzmöglichkeiten oder Sichtachsen auf die Frankfurter Skyline bilden besondere Akzente. Die Gestaltung orientiere sich an landschaftlichen Gegebenheiten und nicht an den Grenzen der einzelnen Kommunen, sagte Schmidt.

Andreas Nemetz, Leiter des Umweltamts der Gemeinde Haar, und Robert Rossa, Geschäftsführer des Vereins Dachauer Moos, sowie Landschaftsarchitektin Andrea Gebhard von der Deutschen Akademie für Städtebau und Landschaftsplanung setzten auf den Impuls, der durch die Studie ausgelöst werde. Wichtige Grundlagen für weitere Planungen im Münchner Grüngürtel seien nun geliefert worden.

Auch der Oberschleißheimer Bürgermeister Christian Kuchlbauer teilt diese Ansicht. Den Bürgern sei der Landschaftsraum vor ihrer Haustüre wichtig. Die Gegend um seine Gemeinde sei ein Anziehungspunkt für sehr viele Erholungssuchende, die von überall herkämen: "Je mehr Angebote wir im Grüngürtel machen, desto mehr entzerrt sich der Andrang auf einzelne Bereiche." Der Naturschutz dürfe allerdings bei den Planungen nicht vernachlässigt werden. In Zusammenarbeit mit Landschafts- und Naturschutzvereinen sowie mit den Nachbarkommunen könne man das Thema erfolgreich voranbringen, sagte Münchens Stadtbaurätin Elisabeth Merk: "Wir müssen mit der Umsetzung von Projekten einfach mal anfangen."

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