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Bauprojekt in München:Ein 52-Meter-Hochhaus für Bogenhausen - mit besonderer Fassade

In Bogenhausen soll ein 52 Meter hohes Gebäude mit grüner Fassade entstehen.

So sollte der Turm in Bogenhausen aussehen. Was da überhaupt wächst? Das soll bei einem Forschungsprojekt ermittelt werden.

  • Das geplante Wohn- und Geschäftshochhaus an der Arabellastraße 26 in Bogenhausen soll 52 Meter hoch werden und eine Fassade bekommen, die mit Pflanzen begrünt ist.
  • Der Münchner Stadtrat hat die vorliegenden Pläne nun gebilligt. 2021 könnte dann gebaut werden.
  • 44 Wohnungen werden in dem Gebäude entstehen, 14 Wohnungen sind gemäß der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) gefördert.

Es soll ein Projekt mit "Vorbildwirkung" werden, so erhofft es sich die Stadt, und zwar "für weitere begrünte Gebäude und kreativen Städtebau". 52 Meter hoch soll das Wohn- und Geschäftshochhaus an der Arabellastraße 26 in Bogenhausen werden, und es soll eine weitgehend mit Pflanzen verkleidete Fassade bekommen. Das Konzept ist nicht nur für München neu, sondern "deutschlandweit etwas Besonderes", wie Gunter Mann, Präsident des Bundesverbandes Gebäudegrün, sagt. In der vergangenen Woche hat der Stadtrat die vorliegenden Pläne gebilligt und mit einem vorbehaltlichen Satzungsbeschluss auch das Baurecht geschaffen. Der Vorbehalt besteht darin, dass der Stadtrat sich nur dann erneut mit der Sache beschäftigen muss, wenn während der öffentlichen Auslegung der Pläne Bedenken oder Anregungen eingehen - was die Sache vermutlich aber nur leicht verzögern würde.

Der Münchner Immobilienunternehmer Stefan Pfender, der mit seinem Partner Gisbert Glass als Bauherr auftritt, arbeitet seit 2012 an dem Projekt, damals kaufte er das Grundstück, auf dem die Telekom bisher ein Technikgebäude betrieb. Bald entstand die Idee, ein grünes Hochhaus zu bauen. Der Entwurf für das gestaffelte, bis zu 16 Stockwerke hohe Gebäude stammt von der Münchner Architektin Aika Schluchtmann. Das Begrünungskonzept hat die Fachfirma Vertiko erarbeitet. Auch die Hochschule Weihenstephan-Triesdorf ist eingebunden. Die Investoren haben sie mit einem Forschungsprojekt beauftragt, um die - je nach Himmelsrichtung - am besten geeigneten Schling- und Rankpflanzen zu ermitteln.

Die begrünte Fassade soll nicht nur ein angenehmes Raumklima im Gebäude schaffen, sie soll auch das "lokale Mikroklima" verbessern, wie es bei der Stadt heißt. Denn Pflanzen geben bei der Fotosynthese Feuchtigkeit ab und kühlen so die Umgebung. Anders als bei anderen begrünten Hochhäusern, etwa dem "Bosco Verticale" in Mailand, müssen die Pflanzen hier nicht von außen gepflegt werden, sondern über einen Wartungsgang, der in jedem Stockwerk zwischen Glaswand und Begrünung liegt.

Stefan Pfender, der sonst mit seiner Firma "Metropolian" hochwertige Sanierungs- und Nachverdichtungsprojekte umsetzt, betont, dass es sich hier um ein "privates Projekt" mit seinem Partner handele, "das ist auch keine Bauträgernummer", also ein Projekt, bei dem danach die Wohnungen einzeln verkauft werden. Pfender und Glass wollen das Projekt als Einheit erhalten - und es entweder selbst behalten oder am Ende verkaufen. Auf die Frage nach der Investitionssumme antwortet Pfender: "knapp 100 Millionen Euro".

44 Wohnungen werden in dem Gebäude entstehen, und zwar ab dem fünften Stockwerk aufwärts. 14 Wohnungen sind gemäß der Sozialgerechten Bodennutzung (Sobon) gefördert. In den unteren vier Geschossen dürfen Arztpraxen, Büros und Gastronomie entstehen, vor allem aber soll dort ein Boardinghaus mit maximal 90 Betten unterkommen. Zielgruppe sind unter anderem Medizintouristen, die im Klinikum Bogenhausen und anderen Kliniken in der Nachbarschaft in Behandlung sind.

Im Bebauungsplanverfahren gab es Einwände, dass das Ausmaß der Bebauung auf dem Grundstück, insbesondere die Höhe, nicht mit den umgebenden Fünf- bis Siebengeschossern vereinbar sei. Dem entgegnet das Planungsreferat, dass die Überschreitung der eigentlich vorgesehenen Baumasse "aus städtebaulichen Gründen" erfolge. Das Gebäude ordne sich dem Hypo-Hochhaus (114 Meter) und dem Arabellahaus ( 75 Meter) unter. Insgesamt entstehe ein Ensemble, das "den Charakter des Arabellaparks unterstreicht". Als Kompensation für die fehlenden Grünflächen auf dem Grundstück verpflichtet die Stadt die Bauherren, gut 350 000 Euro für eine Aufwertung des benachbarten öffentlichen Parks Denninger Anger zu zahlen.

Nach der Schaffung des Baurechts ist der nächste Schritt die Baugenehmigung. Die Investoren gehen davon aus, dass sie im nächsten Jahr vorliegt. Im dritten Quartal 2021 sollen Abriss und Neubau beginnen, etwa drei Jahre sind bis zur Fertigstellung eingeplant. Machen sich die Investoren Sorgen, dass ihre Kalkulation für das aufwendige Projekt wegen der Corona-Krise ins Wanken gerät? Nein, sagt Stefan Pfender, "2021 ist Corona vom Tisch, und wir haben einen guten Standort, der wird funktionieren".

© SZ vom 16.04.2020/mmo

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