Süddeutsche Zeitung

Terre di Toscana:Wo die Sehnsucht nach Italien ihren Preis hat

Großer Name, kleines Gasthaus: Das Restaurant Terre di Toscana in Großhadern punktet mit Weinkompetenz und meist hervorragender Küche.

Toskana. Für viele Deutsche steht dieses Wort für den Zauber Italiens. Es weckt die Sehnsucht nach dem Süden, nach blauem Meer und grünen Hügeln, nach prächtigen Palazzi und marmornen Domen. Aber es weckt auch ein wenig Neid, weil dort die Reichen ihre Ferienhäuser haben, am Pool teure Weine trinken und sich gebratene Tauben in den Mund fliegen lassen. So ähnlich sehen es auch manche Italiener, die zwar gerne die Toskana bereisen, die Einwohner dieser schönen Gegend aber oft für etwas arrogant und großmäulig halten, siehe Matteo Renzi. Fest steht, dass alles, wo "Toscana" draufsteht, auf Märkten oder in Läden, teurer ist als etwas Gleichwertiges anderer Regionen. Dasselbe gilt für Restaurants.

In München, in Großhadern, gibt es seit einiger Zeit ein sehr ansprechend eingerichtetes Ristorante in einem ehemaligen Bauernhof, das sich Terre di Toscana nennt - ein recht großer Name für ein kleines Gasthaus. Sollte doch etwas dran sein an der üblen Nachrede der Großmäuligkeit? Dem Wirt jedenfalls liegt diese fern. Er berät ruhig, sichtlich stolz auf seine Ware, die Gäste. Und auf das, was er anzubieten hat, kann er, mit wenigen Ausnahmen, auch stolz sein. Allerdings haben die Weine und die Gerichte auch stolze Preise, steht schließlich ja "Toscana" drauf, siehe oben.

Die Weine liegen dem Wirt offensichtlich besonders am Herzen. Wenn er bemerkt, dass sich ein Gast für toskanische Gewächse interessiert, lässt er sich gerne auf ein kleines Fachgespräch ein, weist auch auf Weinverkostungen hin, die hin und wieder veranstaltet werden. Auf der Karte finden sich etliche, nicht alltägliche Kreszenzen, wie beispielsweise der Non confunditur, also der unverwechselbare, IGT 2016 vom Gut Argiano, ein trockener, vollmundiger Roter mit mildem Tannin (0,1 Liter 6,20 Euro). In derselben Liga spielt auch der Ferruggini Bolgheri DOC 2016 von der Azienda Chiappini, ein leichter, feiner Rotwein, der auch zu Fischgerichten passt (0,1/6,50). Der Weiße Candia vigneto alto DOC von der Azienda Cima aus 100 Prozent Vermentino, trocken, mineralreich, ist zu Meerestieren ideal (0,2/9,20). Ebenfalls von Cima kommt der sehr ordentliche Hauswein Chiave di volta, weiß und rot (0,2/6,20).

Bei den Antipasti lohnt es sich, die Tagliere pescatore für zwei Personen zu ordern, allerdings eignet sich die Menge der Crostini mit verschiedenem Fischbelag locker auch für drei (18,80). Auf dem Brett stapelten sich die kleinen, gerösteten Brote mit Sardellen, Thunfisch, verschiedenem Mousse, manches von angenehmer Schärfe, dazu große Miesmuscheln und Krabben und eine schöne große Garnele. Bei letzterer fragt es sich, warum eigentlich eine davon, wenn die Platte für zwei gedacht ist? So ein Vorspeisenbrett gibt es auch mit Fleischlichem: verschiedene Torta verde und Crostini mit Lardo Colonnata - ein in der Provinz Carrara in Marmorbehältern gereifter, weißer Speck -, gut gewürzte Leberwurst, Tomate mit viel Knoblauch, Mozzarella mit Sardellen und noch einiges mehr - ein vorzüglicher Einstieg (17,80).

Die Nudelgerichte überzeugten nicht immer. Bei den Tordelli, toskanischen Maultaschen, in sämiger, leicht scharfer Sauce, war der Teig recht lasch (14,80), und bei der Tagliatella filetto hatte die Tagliatelle zwar den richtigen Biss und die Sauce einen angenehmen Geschmack, die angepriesenen "Filetspitzen" aber überraschten mit recht vielen Knorpeln. Das darf in einem Ristorante dieser (Preis-)Klasse schlicht nicht vorkommen (16,80 für eine recht kleine Portion). An den Spaghetti mit Pilzen, sehr vielen gemischten Pilzen, und viel Petersilie dagegen war gar nichts auszusetzen (kleine Portion 11,80). Auch die Tagliatelle mit Schwertfischstücken, Tomaten und Oliven waren sehr gut und ziemlich scharf (16,80). Scharf auch die Paccheri mediterranea, dicke Nudelrollen al dente mit zarten Tintenfischstückchen, Tomaten, schwarzen Oliven mit ausgezeichnetem Öl (17,80). In diesem Fall wurde nach der gewünschten Schärfe gefragt, was bei etlichen anderen Gerichten vielleicht auch angebracht wäre, weil doch viele bei Schärfe sehr empfindlich sind.

Die Kalbsleber als Hauptgericht war zwar nicht so venezianisch wie angekündigt, weil sie statt in dünne Scheiben zu Würfeln geschnitten wurde, dafür aber ausgezeichnet und von besonders köstlichem Gemüse begleitet (20,80). Hervorragend auch die Tagliata tricolore, ein großes, mürbes Stück Rindfleisch, auf Wunsch medium gegrillt, mit Rucola (grün), Parmesan (weiß) und Tomaten (rot) - ecco la tricolore (23,80). Was davon nicht aufgegessen werden konnte, wurde freundlich eingepackt.

Danach noch ein Dolce: hausgemachte Tiramisu, sehr gelungen, weil nicht zu süß (6,80) oder eine angenehme Crema mascarpone mit Früchten (7,80). Nicht ganz gelungen das Experiment (als solches auch angesagt) einer Panna cotta al basilico (6,80). Die Crema war etwas zu fest, und das Basilikum kam in Sirupform: viel zu süß. Vielleicht sollte man beim nächsten Versuch gehackte Basilikumblätter unter die Crema mischen und mit wenig Zucker arbeiten. Ist ja nur ein Vorschlag, der durchaus schiefgehen kann.

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SZ vom 11.07.2019/vewo
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